Politik

29.11.2019

Gesundheits-Apps mit heiklen Nebenwirkungen

Ein Kommentar von David Lohmann

Auf den ersten Blick ist es ein smartes Vorhaben: Im Rahmen des neuen Digitale-Versorgung-Gesetzes der Großen Koalition können Ärzte ab 2020 Gesundheits-Apps auf Rezept verschreiben. Die Apps zählen Kalorien, berechnen die nächste Menstruation, unterstützen angehende Nichtraucher, helfen bei der Medikamenteneinnahme oder kontrollieren den Verlauf von chronischen Krankheiten. Das Problem: Die Patientendaten sind oft überhaupt nicht gesichert.

Das Gesetz aus dem Haus von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht vor, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte alle Apps auf Datensicherheit und Funktionalität prüft. Dann können sie für ein Jahr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. In dieser Zeit muss der Hersteller nachweisen, dass die App positive Effekte für die Patienten hat – eine echte Nutzen- und Risikobewertung ist das allerdings nicht. Außerdem sind bereits rund 100 000 solcher Apps auf dem Markt – ohne jegliche staatlichen Qualitäts- oder Sicherheitsstandards. Und täglich kommen neue hinzu. Wer soll das überprüfen?

Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) hat den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht

Allein die App „Vivy“, die aktuell von über 30 Krankenkassen genutzt wird und knapp 20 Millionen Kunden zur Verfügung steht, ist wiederholt durch Sicherheitsmängel aufgefallen. IT-Experten kritisieren, dass Hacker mit wenig Aufwand persönliche Patientenakten abrufen und über die App auf die verbundenen Server der Arztpraxen, Kliniken oder Krankenkassen zugreifen könnten. Außerdem sollen sensible Daten an Unternehmen in andere Staaten weitergeleitet worden sein. Hinzu kommt, dass manche bereits jetzt zugelassene Apps laut Studien fehlerhaft sind. Wenn Messwerte beim Blutdruck oder Blutzucker falsch sind, kann das fatale Folgen haben. Haftung ungeklärt.

Jens Spahn hat leider den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. Zuerst mal sollten die 170 000 Praxen, die an sogenannte Telematikinfrastruktur angeschlossen sind, besser vor Hackern geschützt werden. Mehr als 90 Prozent der Praxen weisen angeblich Sicherheitsrisiken in der IT-Infrastruktur auf. Staaten wie Großbritannien oder die Schweiz haben bereits einen deutlich strengeren Kriterienkatalog für die Zulassung von Gesundheits-Apps. Wenn es um sensible Gesundheitsdaten geht, muss auch Deutschland nachrüsten.

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2020

Nächster Erscheinungstermin:
29.November 2020

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 29.11.2019 (PDF, 15 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.