Politik

02.04.2026

Gewalt gegen Frauen: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen

Übergriffe wurden in Berlin vertuscht, um arabischstämmige Jungs nicht unter "Generalverdacht" zu stellen. Ganz anders im Fall von Collien Fernandes, die Opfer von Deepfake-Pornografie wurde und dabei ihren deutschen Ehemann beschuldigt. Merz wurde aufgefordert, sich einzuschalten. Eine Gesetzesverschärfung soll zügig her – obwohl unter anderem der deutsche Anwaltsverein hier vor Aktionismus warnt. Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Man stelle sich vor: Irgendwo in Deutschland werden Mädchen mit Migrationshintergrund in einer Schule, einem Sportverein oder einem anderen Ort von Deutschen wiederholt physisch angegriffen, beschimpft oder bedroht; Hilferufe der Betroffenen werden von den Verantwortlichen ausgeblendet. Ein Aufschrei würde durchs Land gehen. Vermutlich gäbe es Demos „gegen rechts“.

Im Fall eines Berliner Jugendklubs lief es so: Acht Jungs mit arabischem Migrationshintergrund, so schildern es Beschäftigte eines benachbarten Mädchenzentrums in einer eidesstattlichen Erklärung, sollen eine 16-Jährige sexuell belästigt und die Tat gefilmt haben, um sie zu erpressen. Später hätten die mutmaßlichen Täter das Mädchen im Garten vergewaltigt und verlangt, dass ihnen auch deren 14-jährige Schwester zur Verfügung stehen solle. Die Mitarbeiterinnen des Mädchenzentrums sagen, sie hätten vom Jugendamt gefordert, Strafanzeige zu stellen. Die Beamtin dort habe dies abgelehnt, „da sie eine Marginalisierung der Tätergruppe befürchtete“, heißt es in der eidesstattlichen Versicherung.

Übergriffe werden vertuscht, um arabischstämmige Jungs nicht unter "Generalverdacht" zu stellen

Man wolle verhindern, dass arabische Jungs dadurch unter „Generalverdacht“ gerieten. Anzeige wurde dann vom Vater des Mädchens erstattet. Angeblich wurde die Jugendamtsmitarbeiterin versetzt.

Es gab in diesem Fall keine einzige Demo, in den Medien war es rasch erledigt, niemand forderte Kanzler Merz auf, Stellung zu beziehen. Ganz anders im Fall von Collien Fernandes, die Opfer von Deepfake-Pornografie wurde und dabei ihren deutschen Ehemann beschuldigt. Merz wurde aufgefordert, sich einzuschalten. Eine Gesetzesverschärfung soll zügig her – obwohl unter anderem der deutsche Anwaltsverein hier vor Aktionismus warnt. Das Thema ist medial omnipräsent.

Als Merz sich diese Woche die Bemerkung erlaubte, man müsse über das Frauenbild im Islam sprechen, folgte ein empörter Aufschrei. Warum bitte? Was ist schlimm daran, offensichtliche Missstände zu benennen und nach Abhilfe zu suchen? Hier läuft etwas gewaltig schief. (Waltraud Taschner)
 

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