Politik

Er war der "Schwarze Sheriff" der deutschen Politik: Günther Beckstein galt als bayerischer Innenminister als unerbittlicher Law-and-Order-Politiker. Am 23. November wird er 80 Jahre alt. (Foto: dpa/Daniel Löb)

20.11.2023

Hardliner mit Haltung

Günther Beckstein feiert 80. Geburtstag

Als bayerischer Ministerpräsident hielt er sich nur ein Jahr im Amt, in seiner Zeit als Innenminister galt er vielen als "Schwarzer Sheriff". Eine Reduzierung auf eine solche Kurzbeschreibung würde jedoch bei Günther Beckstein in die Irre führen. Der CSU-Politiker aus Nürnberg ist für viele Bayern über die Parteipräferenzen hinweg auch heute noch ein Muster an Glaubwürdigkeit und Bodenhaftung. Am Donnerstag (23. November) feiert der Polit-Ruheständler, langjährige Innenminister und kurzzeitige Ministerpräsident seinen 80. Geburtstag.

Beckstein verhalf der bayerischen Polizei zu neuem Ansehen, machte eine umstrittene Ausländerpolitik, musste aber auch selbst viel aushalten. In der Asylpolitik zeigte er Härte aus Überzeugung, erstmals in Deutschland wurde mit dem jungen türkischen Straftäter Mehmet unter seiner Verantwortung ein Minderjähriger abgeschoben. Die Abschiebung wurde später für rechtswidrig erklärt, über Beckstein ergoss sich schon vorher ein Füllhorn an Kritik vom politischen Gegner - gipfelnd in Steinwürfen und abgebrochenen Wahlkampfveranstaltungen. Durch die aktuelle Asyldebatte fühlt er sich ein wenig bestätigt: "Von allen Parteien werden heute Dinge gesagt, für die ich damals fürchterlich ausgeschimpft wurde."

Prinzipientreue Haltung gefiel nicht allen in der CSU

Seine prinzipientreue Haltung innerhalb seiner Partei gefiel auch dort nicht allen. Beckstein war in der Nachfolge Edmund Stoibers als erster Protestant im mehrheitlich katholischen Bayern zum Ministerpräsidenten aufgestiegen, mit dem neuen CSU-Chef Erwin Huber eine Doppelspitze bildend. "Es war ein schwerer Übergang nach Edmund Stoiber", resümiert Beckstein heute.

Als die CSU mit ihm als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2008 über 17 Punkte einbüßte und mit 43,4 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit verlor, nahm Beckstein seinen Hut. Er habe die Erwartungen nicht erfüllt, dann müsse man eben gehen, sagt er heute. Zu den Stimmenverlusten trugen damals bereits die Freien Wähler um Hubert Aiwanger und die einstige CSU-Rebellin Gabriele Pauli bei.

Blick zurück ohne Groll

Sein Blick zurück ist dennoch ohne jeden Groll. "Ich würde den Weg sofort wieder gehen", sagt Beckstein im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Auch wenn er an die Grenze seiner Gesundheit gegangen sei und mehrere Hörstürze zu einer Hörbehinderung führten, die er heute mit Hilfe moderner Medizintechnik ausgleicht. "Ich höre besser als der Durchschnitt der gleichaltrigen Männer", sagt Beckstein.

Er sei trotz aller Widrigkeiten noch heute dankbar für die Gelegenheit, politische Prozesse aktiv mitgestalten zu können. Fast 40 Jahre lang saß Beckstein im Landtag. Auch im fortgeschrittenen Alter nimmt der CSU-Senior noch an Vorstandssitzungen seiner Partei teil - in der Regel aber ohne sich zu Wort zu melden, wie er sagt. "Die Ratschläge des Vorgängers werden mehr als Schläge denn als Rat empfunden", sagt er schmunzelnd.

Nicht langweilig

Langweilig ist es dem Jubilar dennoch nicht: Gemeinsam mit Ehefrau Marga kümmert er sich um Enkelkinder, er reist viel und führt noch immer politische Gespräche in anderen Ländern, zuletzt in Bosnien, bald in Kuba. Noch heute sitzt Beckstein in Aufsichtsräten von Unternehmen wie der Bädergruppe Palm Beach, oder in Gremien von Stiftungen. Er wolle das Engagement nun aber Schritt für Schritt zurückfahren, sagt er.

Beckstein ist nach eigenem Bekunden froh um das Erlebte, aber beneide keineswegs die aktuelle Politiker-Generation. "Die aktiven Politiker stehen vor Herausforderungen, die jene aus meiner Zeit bei weitem übersteigen", betont er. Die Vielzahl an Krisen, die Komplexität der globalisierten Welt habe zugenommen.

Auch die Gefahr des Populismus sieht Beckstein. "Die Grenze ist erreicht, wenn man dem Volk nach dem Mund redet", sagt er, betont aber auch: "Die Demokratie sehe ich nicht in echter Gefahr." Alle gesellschaftlichen Kräfte, nicht nur die Politik, müssten aktiv mehr für die Demokratie tun. Für die derzeit negative Grundstimmung in Deutschland hat er eine demografische Erklärung: "Eine alternde Gesellschaft wird insgesamt pessimistischer."
(Michael Donhauser, dpa)

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