Politik

Kinder beim Schwimmkurs (hier in Geretsried). Immer weniger Zwergerl können schwimmen, immer mehr Bäder schließen. (Foto: dpa/Sven Hoppe)

19.05.2023

Her mit dem Fördergeld

Markus Söder hat in Aussicht gestellt, mehr für die Schwimmbäder zu tun – super Plan, jetzt muss bloß noch was passieren

Die Bemerkung von Markus Söder beim CSU-Parteitag dürfte Schwimmbegeisterte erfreuen: Der Schwimmunterricht an Bayerns Schulen solle ausgebaut, Kommunen sollen beim Erhalt und der Sanierung von Bädern unterstützt werden, versprach der Ministerpräsident. Konkreter wurde Söder freilich nicht.

Handlungsbedarf besteht allemal: Eine Recherche des bayerischen Bauministeriums im Jahr 2021 ergab: 229 Bäder im Freistaat sind nach Einschätzung der Städte und Gemeinden sanierungsbedürftig, 223 Bäder sind sogar als dringend sanierungsbedürftig eingestuft. Insgesamt gibt es in Bayern 492 öffentlich betriebene Freibäder und 375 Hallenbäder. 15 Einrichtungen sind seit 2019 dauerhaft geschlossen – meist wegen Bau- und Sicherheitsmängeln, in Einzelfällen auch wegen Personalmangel.

Desolate Schwimmbäder

Hinzu kommt: Nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbunds kann nur jede/r zweite deutsche Jugendliche sicher schwimmen. Bei den Grundschulkindern ist die Quote der Nichtschwimmer*innen mit 60 Prozent noch höher. Schuld an der Misere sind laut Sportbund meist marode Bäder, in denen kein Schwimmunterricht mehr stattfinden kann. Harald Walter, Präsident des Bayerischen Schwimmverbands, freut sich zwar darüber, dass der Ministerpräsident das Thema aufgreift. Aber das Problem der desolaten, weil meist aus den 1960er- und 1970er-Jahren stammenden Bäder sei ja nun nicht neu. „Wir erwarten, dass auch endlich mal konkrete Zahlen bei der Hilfe genannt werden“, fordert der Verbandschef.

Im vergangenen Jahr legte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) ein Förderprogramm in Höhe von 476 Millionen Euro für den Abbau des Schwimmbad-Sanierungsstaus auf. Ein Tropfen auf den heißen Stein: Für die Summe hatten sich bundesweit rund 750 Kommunen mit Antragsvolumen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro beworben. Nur 148 Städte und Gemeinden erhielten am Ende finanzielle Unterstützung. Ein Nachfolgeprogramm ist erst mal nicht geplant.

Im Freistaat wiederum besteht das Problem, dass die Kommunen eine staatliche Förderung zur Sanierung nur dann erhalten, wenn sie einen Eigenanteil von mindestens 60 Prozent schultern. Dazu sind die Baukosten und Zinsen gestiegen. Das führte dazu, dass die Regierung von Oberbayern 2022 im gesamten Bezirk nach eigenen Angaben gerade mal zwei Projekte mit einer Gesamtsumme von 750.000 Euro bewilligte.

Bäder ganz schließen

Viele Kommunen überlegen deshalb, die maroden Einrichtungen ganz zu schließen – wie im vergangenen Jahr die Stadtwerke Bayreuth. Doch mit einer Unterschriftenaktion an den Stadtrat, an der sich 7000 Bürger*innen beteiligten, konnte die Bevölkerung den Plan der Stadtwerke abwenden. Besser ein marodes Bad als gar keines. Andernorts war nichts mehr zu machen: Der Landkreis Bad Kissingen etwa hat rund 110.000 Einwohner*innen, aber bald nur noch ein Hallenbad. Das soll dann für 4000 Schulkinder plus Freizeitschwimmfans reichen. Denn selbst in der gleichnamigen Kreisstadt ist das Hallenbad inzwischen geschlossen. Das Dach drohte einzustürzen, weil der Stahl in den Betondeckenträgern durchgerostet war.

Gescheitert ist auch der Versuch, das seit neun Jahren leer stehende Hallenbad in Mönchsdeggingen im Landkreis Donau-Ries zu reaktivieren. Nur drei der 19 Gemeinden im Kreis waren bereit, sich mit Mönchsdeggingen den prognostizierten jährlichen Verlust von 4 Millionen Euro zu teilen. In Augsburg, wo es bisher nur ein eher kleines Bad mit einem 25-Meter-Becken gibt, soll Ende 2025 eine neue Einrichtung mit einem 50-Meter-Becken eröffnen. Es wäre dann auch das erste für den gesamten Bezirk Schwaben. Doch ob der Termin zu halten sein wird, da hat Schwimmverbandspräsident Walter so seine Zweifel.

Derzeit plagt noch ein ganz anderes Problem die Freibäder: Das Wetter ist viel zu kalt und regnerisch, die Gästezahl bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Und damit auch die Höhe der dringend benötigten Eintrittsgelder.
(André Paul)

Kommentare (1)

  1. Herbert Thoma am 22.05.2023
    Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Herr Söder sollte nicht so viel über Förderung von Schwimmbädern bzw. Sportstädten reden. Er und sein Innenminister Herrmann sollten mehr handeln. Aber dies ist typisch CSU. Viel Wind machen und viel versprechen und dann wenig halten.
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