Politik

09.04.2021

Inzidenzwerte: Unseliges Hin und Her

Ein Kommentar von Angelika Kahl

Täglich starren wir mit Bangen auf diesen einen Wert, von dem nahezu alles abhängt. Ob wir ins Museum dürfen, Freunde treffen oder spätabends joggen. Seit über einem Jahr bestimmt der Inzidenzwert unser Leben. Weil er der Politik als alleiniger Maßstab für die Einschätzung dient, wie gefährlich die Corona-Pandemie aktuell ist. Als alleiniger Maßstab für einschneidende Grundrechtsbeschränkungen. Auch die neuesten Beschlüsse des bayerischen Kabinetts ändern an der Inzidenz-Fixierung praktisch nichts: Sie erlauben beispielsweise Terminshopping mit einem negativen Corona-Test ab Montag in Gebieten mit einer Inzidenz über 100.

Welche absurden Folgen der Inzidenz-Automatismus haben kann, hat sich jetzt einmal mehr gezeigt. In München griff ab Ostersonntag die Notbremse. Da lag die Inzidenz zwar unter der entscheidenden 100er-Grenze. Aber weil die Stadt kurz vor Ostern den Wert an drei Tagen knapp überschritten hatte, traten ab dem zweiten Tag danach die verschärften Regeln automatisch in Kraft. Am Mittwoch dann wurde wieder gelockert. Ein Hin und Her, das nicht nur für betroffene Händler unzumutbar ist. Sondern das auch für die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen Gift ist.

Es ist ein Unterschied, ob 100 Ältere infiziert sind oder 100 Schulkinder

Selbst viele Fachleute kritisieren, dass die Politik ihre starre Fixierung auf Inzidenzwerte noch immer nicht aufgegeben hat. Dass sie nicht endlich auch andere Indikatoren berücksichtigt, die anzeigen, ob die Pandemie außer Kontrolle zu geraten droht oder nicht. Die Zahl der schwer Erkrankten etwa. Auch die Altersverteilung der Infizierten spielt eine große Rolle. Es macht einen Unterschied, ob bei einer Inzidenz von 100 überwiegend Alte betroffen sind oder junge Menschen. Dank der fortschreitenden Impfungen sinkt die Inzidenz bei den über 80-Jährigen. Berücksichtigt wird das nicht.

Und warum soll eine ganze Region zugesperrt werden, wenn lokal begrenzte Infektionen in einzelnen Betrieben oder Einrichtungen dort die Gesamtzahl der Infizierten nach oben treiben? Statt des inzidenzabhängigen Lockdown-Automatismus und noch mehr Befugnissen für den Bund, wie sie Kanzlerin Merkel jetzt plant, benötigen wir mehr Vor-Ort-Entscheidungen. Von Lokalpolitiker*innen, die das Infektionsgeschehen am besten einschätzen können – unter Berücksichtigung aller wichtigen Indikatoren.

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Sommerschule ’21: Ist Unterricht in den Ferien sinnvoll?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2020

Nächster Erscheinungstermin:
10.Dezember 2021

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 11.12.2020 (PDF, 15 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.