Politik

15.10.2026

Ist die Einführung einer Zuckersteuer sinnvoll?

Die Bundesregierung hat sich nach langer Diskussion auf eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke geeinigt. Wolfgang Ritter, Vorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, befürwortet das. Christine Singer, Landesbäuerin und Europaabgeordnete (Freie Wähler), lehnt die Steuer dagegen ab

JA

Wolfgang Ritter, Vorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands

Süße Getränke wie Limonaden stehen gerade bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs, sind aber in der Regel stark zuckerhaltig. Dass ein hoher Konsum solcher Getränke bei Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit Übergewicht und Folgeerkrankungen steht, wissen wir inzwischen aus vielen Studien. Den Zuckergehalt in Limonaden und Ähnlichem herunterzufahren, ist also ein wichtiges Ziel zur Krankheitsprävention. Dass eine Zuckersteuer dazu beitragen kann, zeigt das Beispiel Großbritannien: Dort hat die 2018 eingeführte Zuckersteuer auf Softdrinks viele Hersteller dazu gebracht, den Zuckergehalt in Limonaden deutlich abzusenken. Dadurch ging der Zuckerkonsum bei Kindern wie Erwachsenen nachweislich deutlich zurück. 

Wenn wir also verhindern wollen, dass Kinder und Jugendliche sich weiterhin regelrecht krank trinken, und das über den Preis machbar ist, muss man die Zuckersteuer befürworten – die Gesundheit unserer Kinder sollte es uns wert sein! 

NEIN

Christine Singer, Landesbäuerin und Europaabgeordnete (Freie Wähler)

Zuckersteuer? Ich bin nicht überzeugt, dass sie der richtige Weg ist. Wir sollten den Menschen zutrauen, ihre Ernährungsentscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Eine Steuer setzt vor allem beim Preis an, nicht bei Wissen, Bewusstsein und den Ursachen unseres Ernährungsverhaltens. Es besteht die Gefahr, dass Zucker lediglich durch künstliche Süßstoffe ersetzt wird, ohne den Umgang mit Süße grundlegend zu verändern. Auch die Entwicklung in Bayern zeigt: Der Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke ist in 20 Jahren um rund 30 Prozent gesunken, während der Wasserkonsum stieg – ganz ohne Zuckersteuer.

Wir Landfrauen setzen schon immer auf Eigenverantwortlichkeit durch Ernährungsbildung und Aufklärung statt auf eine neue Steuer. Wer langfristig etwas verändern will, muss Menschen mitnehmen und überzeugen und Verhalten nicht allein über den Geldbeutel steuern. 
 

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