Politik

02.07.2026

Ist die geplante Kapitalrente sinnvoll?

Die Bundesregierung will die Rentenreformvorschläge der dafür eingesetzten Kommission vollkommen umsetzen. Dazu gehört auch eine Kapitalrente, die helfen soll, höhere Rentenzahlungen zu sichern. Florian Dorn (CSU), Bundestagsabgeordneter und Mitglied der Rentenkommission, ist überzeugt davon, dass das funktioniert. Sarah Vollath, rentenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Bundestag, hat daran ihre Zweifel

JA

Florian Dorn (CSU), Bundestagsabgeordneter und Mitglied der Rentenkommission

Ja, damit wird in einer alternden Gesellschaft die gesetzliche Rente wieder leistungsfähiger, zukunftsfester und generationengerechter. Der demografische Wandel verändert die Finanzierungsgrundlage der gesetzlichen Rente. Bleibt das System unverändert, steigen die Beiträge und Bundeszuschüsse weiter, während das Rentenniveau weiter sinkt. Die gesetzliche Kapitalrente ergänzt die Rente nach schwedischem Vorbild in einem neuen Mischmodell um eine zweite Finanzierungsquelle.

Die Beiträge zur Kapitalrente werden für die Versicherten selbst angelegt und fließen später einschließlich der erwirtschafteten Erträge in ihre eigene Rente zurück. Damit bleibt die Rente aus dem Umlagesystem als Grundlage erhalten, wird aber dank der zusätzlichen Kapitalrente in Zukunft wieder steigen.

Die Kapitalrente ist zutiefst sozial. Mit ihr profitieren alle Beschäftigten unabhängig von Einkommen und Finanzbildung bei der Alterssicherung kostengünstig von den globalen Wachstumschancen. In Schweden liegt die durchschnittliche jährliche Rendite seit 2000 im Standardfonds sogar bei über 10% und hat die Renten trotz Wirtschafts- und Finanzkrisen spürbar erhöht.

NEIN

Sarah Vollath, rentenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Bundestag

Die Einführung einer Kapitalrente ist ein großer Fehler. Der Einbau einer kapitalgedeckten Komponente in die gesetzliche Rentenversicherung macht die Rente unsicherer. Denn sie hängt dann zwangsläufig von Schwankungen auf dem Kapitalmarkt ab. Über den Kapitalmarkt steigt der Druck auf Mieten oder Pflegekosten. Es ist zudem widersprüchlich, dass die Renten einerseits weiter von der Lohnentwicklung abhängen sollen und andererseits auf ein System gesetzt wird, in dem Löhne zugunsten von höheren Gewinnen gedrückt werden.

Zur Wahrheit gehört auch, dass die Kapitalrente eine geschwächte gesetzliche Rente ausgleichen soll. Das Rentenniveau wird zwar beim Renteneintritt stabilisiert. Schaut man sich die Empfehlungen der Rentenkommission genauer an, zeigt sich, dass das Rentenniveau dann aber rapide absinken wird. Das ist eine Mogelpackung. Mit steigendem Alter steigt dann auch das Armutsrisiko.

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