Politik

08.10.2021

Jungwähler und die FDP: Die Jugend ist und bleibt grün

Ein Kommentar von Tobias Lill

Es war ein Paukenschlag: Laut Nachwahlumfragen war die FDP bei der Bundestagswahl in etwa so beliebt bei den Jungwähler*innen wie die Grünen. Für diverse Kommentatoren war deshalb rasch klar, die Jugend sei nicht so grün, wie immer gedacht. Fridays for Future habe nicht den Rückhalt der jungen Generation, den die Protestler immer für sich reklamieren. Und überhaupt sei die Jugend mehrheitlich eben nicht für einen härteren Klimaschutz, zumindest dann nicht, wenn er mit Verboten oder gar Kosten verbunden ist.

Doch diese Analyse ist falsch. Viele Menschen unter 30 haben zwar tatsächlich die FDP gewählt, weil diese im Wahlkampf konsequent für die Freiheit des Einzelnen stand. Doch Jugendforschern zufolge meinten sie mit „Freiheit“ etwas anderes, als so mancher Wirtschaftslobbyist darunter versteht: Es ging ihnen nicht um den FDP-Widerstand gegen ein Tempolimit, deren Liebe zu Verbrennermotoren oder die Ablehnung von Steuererhöhungen für Superreiche, sondern um die konsequent liberalen Positionen der Freidemokraten im Kampf gegen Corona. Denn die Lockdowns benachteiligten insbesondere junge Menschen. Discos und Vereine waren dicht. Jugendliche, die Freunde trafen, wurden in Parks von Polizisten beinahe wie Schwerverbrecher gejagt. Und an den Unis und Schulen zeigte sich, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung Kreisklasse statt Champions League spielt.

Will die FDP Stimme der Jugend bleiben, sollte sie den Klimschutz im Blick behalten

Die FDP stand in der Pandemie anders als Grüne, SPD, Linke und Volksparteien klar für Bürgerrechte ein. Doch deshalb ist den jungen FDP-Wählenden das Erreichen der Pariser Klimaziele keineswegs schnuppe. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder irgendwann auf einem Wüstenplaneten leben. Will die FDP nicht wieder Hoteliers- und Apothekerpartei werden, sondern Stimme der Jugend bleiben, sollte sie dies in der wohl anstehenden sozial-liberal-ökologischen Koalition nicht vergessen. Für dieses Bündnis sind auch viele Jungwähler. Denn ihnen wichtige Forderungen wie eine Cannabis-Freigabe, eine bessere Digitalisierung, ein nicht allein aufs Auto fixierter Verkehr, eine moderne Einwanderungspolitik oder eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre dürften zum Großteil mit der Union nicht umzusetzen sein.

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