Politik

"Das können wir nicht machen." Tatsächlich? Wadephuls kaltschnäuzige Äußerung über deutsche Touristen im Nahen Osten und deren Evakuierung ist deplatziert. (Foto: dpa/NurPhoto, Contini)

02.03.2026

Keine Rückholung von Dubai-Touristen: blamabel für Deutschland

Während Wadephul empathiefrei seine Hände in den Schoß legt, signalisieren andere Staaten tatkräftige Hilfe. Deutschland sollte seine Staatsbürger nicht im Stich lassen. Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Hat er das wirklich gesagt? Evakuierungen deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus dem Nahen Osten, so hat es Deutschlands Außenminister Johann Wadephul verkündet, „werden wir nicht machen können.“ So viel Kaltschnäuzigkeit lässt einen echt ratlos zurück. Zumal der Minister dann auch noch andeutet, die Menschen, die dort ihren Urlaub verbringen, seien selbst schuld. Schließlich habe das Auswärtige Amt seit sechs Wochen vor Reisen in diese Region gewarnt. Aktuell sitzen wegen des Irankriegs rund 30.000 Deutsche in Dubai und anderen Gegenden des Nahen Ostens fest. Die Flughäfen dort sind geschlossen.

Während Wadephul empathiefrei seine Hände in den Schoß legt, signalisieren andere Staaten tatkräftige Hilfe: Großbritanniens Außenministerin Yvette Cooper sagte, sie arbeite an staatlich organisierten Evakuierungen; auch seien Eingreiftruppen in die Region entsandt worden.

Keir Starmer sagt: „Es ist meine Pflicht, britische Leben zu schützen.“ Solche Sätze würde man von deutschen Spitzenpolitikern auch gern hören

Laut Cooper befinden sich 300.000 britische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger allein in der Golfregion. Der britische Premier Keir Starmer verkündete: „Es ist meine Pflicht, britische Leben zu schützen.“ Solche Sätze würde man von deutschen Spitzenpolitikern auch gern hören. Tschechien schickt zwei Militärflugzeuge in den Nahen Osten, um seine Bürger in Sicherheit zu bringen. Ein Flieger soll in Ägypten landen, der andere in Jordanien.

Für Wadephul ist es nicht der erste Fettnapf. Ende vergangenen Jahres hatte der CDU-Politiker für Kopfschütteln auch in den eigenen Reihen gesorgt, als er bei einer Syrienreise kundtat, man könne dort nicht „würdig“ leben. Zuvor hatte seine eigene Partei erklärt, Geflüchtete aus Syrien sollten nach Beendigung des Bürgerkrieges in ihr Land zurückkehren, um am Wiederaufbau mitzuwirken.

Klar kann kein Land nun bei Rückholungen Wunder vollbringen, und natürlich wäre es besser, die Leute machten woanders Ferien. Aber Sprüche à la „selbst schuld, wir haben’s euch ja gesagt“ darf sich Deutschlands Chefdiplomat gern sparen. 

 

Update zum Artikel: Mittlerweile hat Wadepuhl seine Meinung revidiert. Nach Veröffentlichung des BSZ-Kommentars sagte er: "Wir haben zusammen ein Ziel: Wir wollen Deutsche nach Hause bringen.“ Darum schickt der Minister Krisenteams, u.a. nach Oman und Doha. Vulnerable Gruppen sollen zuerst raus. Mehr dazu lesen Sie hier.

Kommentare (1)

  1. Backmagic vor 3 Tagen
    Warum sollte man auch nur einen einzigen Cent dafür aufgeben, in dem Land sterben bei jedem noch so unwichtigen Bauprojekt dutzende Menschen der untersten Schichten, das ist auch vorab den Urlaubern völlig egal. Das wird ignoriert und weg gelacht. Aber es passt in die aktuelle Mentalität Gewinne privatisieren und Verluste der Allgemeinheit aufzubürgen. Auch die Argumentation das wäre nur Neid von jedem der sich den so tollen Dubai Urlaub nicht leisten kann? Im Ernst, wer das wirklich denkt für den gibt es wohl keine Hoffnung mehr. Ich erwarte aber dass wenigstens die Kosten für die Rückholung 1 zu 1 in Rechnung gestellt werden. Geld ist ja nach eigener Aussage genug da. Man kann es sich ja leisten. Wie wäre den der nächste Urlaub mal in Nordkorea? Kein Riskio dabei, Wadepuhl muss die ja dann retten kommen.
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