Politik

Griechenland steht derzeit als Urlaubsziel hoch im Kurs. Das Foto zeigt ein Flugzeug vor Korfu. (Foto: dpa/Chromorange, M. Bihlmayer)

17.04.2026

Korfu statt Thailand: Wie der Irankrieg auch das Urlaubverhalten beeinflusst

2026 sollte ein Rekordjahr für die Reisebranche werden. Doch der Angriff von USA und Israel hat für erhebliche Einbußen gesorgt. Fällt der Sommerurlaub jetzt für viele flach? Die Fachleute haben dazu eine klare Meinung

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran wirkt sich auch stark auf die Urlaubsplanung der Deutschen aus. Reiseanbieter berichten von einem deutlichen Rückgang der Buchungen, von Stornierungen und viel Beratungsbedarf. Dabei ging die Branche Anfang des Jahres noch von einem Rekordjahr aus. Kann es das trotzdem noch werden?

Laut dem Reisemarktforschungsunternehmen TDA ging der Umsatz der deutschen Reisebranche in der zweiten Märzwoche – also kurz nach Ausbruch des Iran-Krieges – im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent zurück. Das ist nachvollziehbar, schließlich spürten viele die Auswirkungen des Krieges wegen der gestiegenen Spritpreise unmittelbar am eigenen Geldbeutel. Auch das Flugbenzin verteuerte sich seitdem enorm. Das dürfte laut Deutschem Reiseverband bald auch zu höheren Flugticketpreisen führen.

Darüber hinaus sorgten die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für die Golfregion für Verunsicherung – nicht nur in Bezug auf geplante Reisen in die unmittelbar vom Krieg bedrohten Länder. Denn die Golfstaaten sind auch Drehkreuze für viele Urlaubsreisen nach Asien und in den Süden.

Viele Fragen

Die Reiseanbieter wurden und werden entsprechend mit vielen Fragen konfrontiert. Beim ADAC Nordbayern, der auch mehrere Reisebüros betreibt, fragte man laut einem Sprecher am häufigsten: „Kann meine gebuchte Reise stattfinden? Habe ich das richtige Zielgebiet gewählt? Welche Airline ist die richtige für meine Reise?“

Das Thema Sicherheit auf Reisen habe auch schon vor 20 Jahren eine Rolle gespielt, sagt Harald Pechlaner, Inhaber des Lehrstuhls für Tourismus an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Damals sei es aber eher darum gegangen, wie man nach Naturkatastrophen oder Anschlägen die Menschen wieder sicher nach Hause bringt. „Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Krisen, die sich überlagern.“ Da sei es als Privatperson schwer, den Überblick zu behalten. Rechtlich am besten abgesichert sei man mit einer Pauschalreise.

Geplante Pauschalreisen in die Golfregion wurden von den Anbietern aufgrund der Reisewarnungen abgesagt. Die Kundinnen und Kunden konnten ohne Probleme die Reise stornieren oder umbuchen. Viele wählen inzwischen auch sogenannte Flextarife. Damit lässt sich selbst noch kurz vor Reiseantritt entscheiden, ob man die Reise tatsächlich antritt, storniert oder umbucht. Davon waren gerade kurz nach Kriegsausbruch Reisen in die – an den Iran angrenzende – Türkei betroffen.

Mittelmeer gefragt

Laut Dertour, einem der größten deutschen Reiseunternehmen, herrscht aktuell auch Zurückhaltung bei Flugreisen nach Indonesien, Zentralvietnam oder Thailand. Ohne Drehkreuz im Nahen Osten müssen diese Ziele direkt angesteuert werden, was sich preislich stark auswirkt. Mehr Nachfrage gibt es dagegen bei Zielen im westlichen Mittelmeer: die Kanaren, Balearen, das spanische Festland, Portugal und Italien. Auch Griechenland ist gefragt. Und wer Zeit auf dem amerikanischen Kontinent verbringen will, wählt aktuell lieber Kanada als die USA – wohl aus Unzufriedenheit mit der Politik des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Trotz der momentanen Zurückhaltung bei Buchungen ist die Branche vorsichtig optimistisch. „Die Erfahrung aus früheren Krisen zeigt: Tourismus ist eine sehr resiliente Branche – sobald Stabilität zurückkehrt, kehrt auch die Reiselust der Menschen zurück“, erklärt ein Sprecher des Deutschen Reiseverbands.

Ein wichtiger Grund für den Optimismus: Viele Deutsche haben ihren Sommerurlaub bereits im vergangenen Jahr gebucht – und nicht storniert. Bei Dertour rechnet man wieder mit einem baldigen Anstieg der Nachfrage. Eine Sprecherin rät, jetzt zu buchen, bevor die Preise weiter ansteigen und das Angebot knapper wird. Am besten mit einem Flextarif – damit kann man auf jede Krise reagieren. (Thorsten Stark)

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