Politik

Ein Gang im Kinderkrankenhaus St. Marien in Landshut. (Foto: dpa/Armin Weigel)

24.12.2022

Krankenhäuser brauchen Geld – großes Finanzloch befürchtet

Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft wirft Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor, die Kliniken im nächsten Jahr in die Existenznot zu treiben

Die bayerischen Krankenhäuser fürchten im nächsten Jahr tiefrote Zahlen. Die Erlöse der Patientenbehandlung werden die inflationsbedingten Kostensteigerungen nach Einschätzungen der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) bei weitem nicht ausgleichen können. Das erklärte jetzt BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen.

Krankenhäuser und Krankenkassen haben sich demnach für das kommende Jahr darauf geeinigt, dass die Kosten je Behandlung um 4,37 Prozent steigen dürfen. Im zu Ende gehenden Jahr 2022 waren lediglich 2,32 Prozent erlaubt, weit unter der Inflationsrate.

"Damit ist es den Kliniken nicht ansatzweise möglich, die Inflationskosten aus 2022 und 2023 auszugleichen", sagte Engehausen. Viele Krankenhäuser sind schon seit Beginn der Corona-Pandemie in finanziell schwieriger Lage. Engehausen warf Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor, die Kliniken im nächsten Jahr in die Existenznot zu treiben.

Engehausen: Druck, mehr Behandlungen vornehmen zu müssen wird zunehmen

Die Krankenhausgesellschaft hätte demnach gerne vereinbart, die Behandlungskosten pro Patient stärker zu erhöhen, einhergehend mit einer niedrigeren Zahl der Behandlungen. Diese im Gesetz bislang ausdrücklich vorgesehene Möglichkeit wurde laut Engehausen kurzfristig vom Bund untersagt. Laut BKG wird den Kliniken in Bayern damit eine dreistellige Millionensumme entgehen.

"Wir befürchten nun, dass die Kliniken nächstes Jahr unter verstärktem Druck stehen, zur wirtschaftlichen Existenzsicherung mehr Behandlungen durchführen zu müssen", sagte Engehausen. Von Seiten der Kassen gibt es ohnehin seit langem Kritik, dass die Krankenhäuser zur Verbesserung der Finanzlage zu viele eigentlich überflüssige Operationen ansetzen.

Klinik-Manager wiederum beklagen, dass die Häuser einerseits wirtschaftlich arbeiten sollen und andererseits ihre Preise nicht marktwirtschaftlich selbst festlegen können, sondern einem rigiden und mit immenser Bürokratie verbundenen Regelkorsett unterliegen.

Tarifrunde steht an

Im nächsten Jahr steht eine neue Tarifrunde an: "Aber für Gehaltsentwicklungen haben wir keinerlei Gegenfinanzierung für 2023 über die laufenden Betriebskosten", sagte Engehausen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft beziffert die drohende Unterfinanzierung für alle Krankenhäuser bundesweit auf etwa 15 Milliarden Euro. Nach einer alten Faustregel entfällt auf Bayern bei Finanzdingen in etwa ein Sechstel der bundesweiten Summe. Einen Teil des Klinikdefizits soll ein Hilfsfonds des Bundes von bis zu 6 Milliarden Euro ausgleichen. Als Lichtblick bewertete Engehausen 100 Millionen Euro Zuschuss, die die Staatsregierung den Krankenhäusern zahlen will. (Carsten Hoefer, dpa)

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