Politik

Die SPD versprach jenen, die nur hart genug ackern, Wohlstand und deren Kindern Aufstieg durch Bildung. (Foto: dpa)

27.03.2026

Krise der SPD: Arbeiterpartei ohne Arbeiter

Es ist tragisch: Wohl erstmals in ihrer Geschichte ist die SPD weder Arbeiter- noch Volkspartei. Zuletzt hatten die einfachen Leute dagegen das Gefühl, dass sich die Genossen um alle kümmern, nur nicht um sie. Natürlich hatte die SPD aus Arbeitersicht auch Erfolge wie den Mindestlohn oder das Tariftreuegesetz – doch statt Erreichtes im Wahlkampf zu betonen, lehnten weite Teile der Partei die von vielen Arbeitern gewollte härtere Migrationspolitik und die Bürgergeldreform ab. SPD-Chef Lars Klingbeil hat recht, wenn er sich nun stärker auf die Nöte der Arbeitnehmer fokussieren will. Ein Kommentar von Tobias Lill

Der Weg zur Volkspartei war lang für die SPD. Im Kaiserreich trat sie als Partei für die Arbeiter an, um deren erbärmliche Lebensumstände zu verbessern. Erst 1959 wurde sie mit dem Godesberger Programm zur Volkspartei und öffnete sich für alle Schichten. Kernklientel blieben jedoch Normal- und Geringverdiener. Doch fast sieben Jahrzehnte später ist die SPD so weit vom Status einer Volkspartei entfernt wie Donald Trump vom Friedensnobelpreis. In Baden-Württemberg erreichten die Genossen mit 5,5 Prozent einen Tiefstwert. Und im Freistaat hat die SPD nun mit München nach Nürnberg auch ihre zweite Herzkammer verloren.

Die Arbeiter sind zur AfD übergelaufen

Das Tragische: Die SPD ist derzeit weder Volks- noch Arbeiterpartei. Vier von zehn Arbeiterinnen und Arbeitern wählten zuletzt AfD, die SPD musste sich in dieser Gruppe bei der Bundestagswahl mit 12 Prozent zufriedengeben. Einst passte zwischen Malochern und SPD kein Blatt. Die Partei versprach jenen, die nur hart genug ackern, Wohlstand und deren Kindern Aufstieg durch Bildung. Zuletzt hatten die einfachen Leute dagegen das Gefühl, dass sich die SPD um alle kümmert, nur nicht um sie. Obwohl zehntausende Industriearbeitsplätze verloren gingen, schaffte es Ex-Kanzler Olaf Scholz nicht, einen Industriestrompreis einzuführen. Geschlechtergerechte Sprache oder Turbo-Einbürgerungen sind manchen Sozialdemokraten auch jetzt noch wichtiger als die Nöte der Wirtschaft.

Dass Hartz IV ausgerechnet dann als neues Bürgergeld stark erhöht wurde, als Millionen Flüchtlinge kamen, sorgte an Werkbänken für Unmut. Denn während die Abzüge auf den Gehaltsabrechnungen steigen, leben gut die Hälfte der Syrer und Ukrainer von Sozialleistungen. Natürlich hatte die SPD aus Arbeitersicht auch Erfolge wie den Mindestlohn oder das Tariftreuegesetz – doch statt Erreichtes im Wahlkampf zu betonen, lehnten weite Teile der Partei die von vielen Arbeitern gewollte härtere Migrationspolitik und die Bürgergeldreform ab. SPD-Chef Lars Klingbeil hat recht, wenn er sich nun stärker auf die Nöte der Arbeitnehmer fokussieren will. Nur so kann die Partei wieder Wahlen gewinnen.

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