Politik

Er sorgt für aufsehen: Comedian Dieter Nuhr. (Foto: dpa, Sven Simon, Malte Ossowski)

03.07.2026

Männergewalt: Überflüssiger Shitstorm

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Hilfe, ein Kabarettist sagt was Blödes, und ganz Deutschland hyperventiliert – jedenfalls der mediale Teil. Comedian Dieter Nuhr hat sich gegen die pauschale Verurteilung von Männern als „strukturell irgendwie doof“ und gefährlich gewandt. Kontext war das Thema Femizide – also Morde an Frauen, die vorsätzlich deshalb getötet werden, weil sie Frauen sind. Wobei die Einordnung als „Femizid“ diffizil ist: Definiert man als Motiv Frauenhass, waren es im Jahr 2023 null Fälle. Wenn aber – weiter gefasst – alle vorsätzlichen Tötungsdelikte an Frauen gemeint sind, zählt das Bundeskriminalamt 360 Fälle.

Fakt bleibt natürlich: Jede getötete Frau ist eine zu viel. Genau das hat Nuhr übrigens gesagt. Leider folgte die eigenartige Aussage, dass es „zur Sicherheit“ nicht schlecht wäre, „wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst einmal kennenlernt“. Ein doofer Altherrensatz, der eine ziemlich verquaste Moral offenbart und zudem irrelevant ist, weil Tötungen fast immer Beziehungsdelikte sind. Nuhr hier aber eine Täter-Opfer-Umkehr zu unterstellen, ist daneben. Diverse Medien wüteten, Nuhr habe „nichts verstanden“ und sei „kein Komiker mehr“.

Der Aufschrei wäre wohl leiser ausgefallen, wenn Nuhr nicht bereits früher mit seiner Abneigung gegen die  Identitätspolitik aufgefallen wäre


Der Aufschrei wäre wohl leiser ausgefallen, wenn Nuhr nicht bereits öfter mit einer Abneigung gegen die sogenannte Identitätspolitik aufgefallen wäre. Also seiner Skepsis gegenüber Genderdebatten, Klima-Aktivismus und übertriebener Political Correctness.

Liberal? Ist passé. Inzwischen ist per se suspekt, wer die „richtigen“ Anliegen aufs Korn nimmt. Wer diese aber hochhält, genießt Immunität, selbst bei fragwürdigster Einseitigkeit. Gewalt, die von muslimischen Männern ausgeht? Ein Tabuthema, auch wenn Fachleute noch so oft davor warnen. Kritik am Islam gilt als rechtspopulistische Sünde. Trotz fraglos vorhandener muslimischer Denkmuster, Frauen, Homosexuellen und Juden Rechte abzusprechen. Westliche Männer wiederum dürfen pauschal als Frauengefährder verunglimpft werden. Das ist Verblendung auf höchstem Niveau.

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