Politik

Das neue Konzept startet bei den Abi-Prüfungen 2026. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

01.07.2020

Mehr Prüfungs-Wahlmöglichkeiten für G9-Abiturienten

Bayern kehrt zum neunjährigen Gymnasium zurück. Nun ist auch klar, wie die Abiturprüfungen in ein paar Jahren aussehen

Abiturienten des neuen neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern haben in Zukunft mehr Möglichkeiten und Freiheiten bei der Wahl ihrer Prüfungsfächer. Es bleibt bei fünf Prüfungsfächern, es wird aber deutlich mehr Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten geben als derzeit am G8. Dieses Konzept für die Abiturprüfung ab dem Jahr 2026 stellte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Mittwoch gemeinsam mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern in München vor.

Neu ist beispielsweise, dass künftig zwei Naturwissenschaften oder auch zwei gesellschaftswissenschaftliche Fächer als Prüfungsfächer gewählt werden können. Deutsch und Mathematik bleiben grundsätzlich verpflichtende Prüfungsfächer. Drittes verpflichtendes Abiturfach wird das künftig individuell wählbare sogenannte Leistungsfach.

Piazolo betonte, man bleibe bei einer breiten Abiturprüfung. Man stärke aber die individuelle Profilbildung, die Naturwissenschaften, die digitale Bildung, Medienkompetenz und die politische Bildung.

Die Regeln für die neuen Abiturprüfungen, die erstmals für die jetzigen Siebtklässler, also für's Abi 2026 gelten, im Einzelnen:

FÜNF FÄCHER:
Es bleibt auch weiterhin bei insgesamt fünf Prüfungsfächern - drei Fächer schriftlich, zwei Fächer mündlich.

DEUTSCH UND MATHEMATIK:

Die beiden Fächer bleiben grundsätzlich verpflichtende Prüfungsfächer. Aber: Eine dieser beiden Prüfungen kann künftig - anders als bisher - mündlich abgelegt werden. Und: In bestimmten Fällen kann eine der beiden Prüfungen ersetzt werden. Wenn Schüler eine Naturwissenschaft als Leistungsfach gewählt haben und eine weitere Naturwissenschaft als Prüfungsfach wählen, können sie damit das Mathe-Abi ersetzen. Und wenn Schüler eine Fremdsprache als Leistungsfach haben und eine weitere als Prüfungsfach wählen, können sie auf die Abi-Prüfung in Deutsch verzichten (Substitutionsregel).

LEISTUNGSFACH:
Für die Oberstufe können Schülerinnen und Schüler ein Leistungsfach frei wählen. Das können - je nach Angebot an den jeweiligen Schulen - im Prinzip alle Fächer sein, bis hin zu Sport, Musik und Kunst. Klar ist nun: Dieses Leistungsfach wird neben Deutsch und Mathe das dritte verpflichtende Abiturprüfungsfach.

FREMDSPRACHEN UND NATURWISSENSCHAFTEN:
Künftig können Schülerinnen und Schüler auch in zwei Naturwissenschaften oder in zwei Fremdsprachen ihr Abitur ablegen. Mindestens eine Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft muss als Abiturprüfungsfach gewählt werden.

POLITISCHE BILDUNG:
Künftig können auch zwei Fächer aus dem gesellschaftswissenschaftlichen Bereich (Geschichte, Politik und Gesellschaft, Geografie, Wirtschaft und Recht) Prüfungsfächer sein - mindestens ein Fach aus diesem Bereich ist weiterhin verpflichtend.

Philologenverband, Direktorenvereinigung, Landes-Eltern-Vereinigung und der Landesschülersprecher nannten die neuen Regelungen einen sehr guten Kompromiss. Das neue Abitur biete beides: vertiefte allgemeine Bildung, aber auch mehr individuelle Wahlmöglichkeiten und Profile.

Zum Vergleich: Am G8 sind Mathe und Deutsch verpflichtende Prüfungsfächer, dazu mindestens eine Fremdsprache, genau ein gesellschaftswissenschaftliches Fach und ein weiteres Fach nach Wahl.

Piazolo erneuerte seine Ankündigung, dass es für die Verlängerung des Gymnasiums auf neun Jahre, die neue Oberstufe und das neue Abitur eine vierstellige Zahl zusätzlicher Lehrerstellen brauchen werde. Die Zahl der Lehrer werde in den nächsten Jahren also sukzessive wachsen.

Unklar ist aber noch, ob an allen Gymnasien in Bayern beispielsweise alle Leistungsfächer regelmäßig angeboten werden können. Der Vorsitzende der Direktorenvereinigung, Walter Baier, hat hier Zweifel. Piazolo aber betonte: "Das Ziel ist es, gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen, auch beim Abitur." Das neue Konzept solle deshalb nach Möglichkeit bei großen und kleinen Gymnasien gleichermaßen funktionieren. "Das wird nicht ganz leicht sein in der Umsetzung", räumte der Minister ein. "Aber das ist das Ziel."
(dpa)

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