Politik

In Teilen der Union kursieren Spekulationen über Hendrik Wüst (CDU) als möglichen Nachfolger von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). (Foto: dpa/Rolf Vennenbernd)

28.05.2026

Merz unter Druck: Union tuschelt über Reservekanzler Wüst

Stockende Reformen, Iran, Ukraine: Der Kanzler muss sich mit Krisen und Kriegen herumschlagen. Sein Image ist schwer angekratzt. Wartet ein anderer schon auf seine Chance?

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gerät gut ein Jahr nach Amtsantritt zunehmend unter Druck. Neben stockenden Reformvorhaben mit dem Koalitionspartner SPD und internationalen Krisen wie dem Iran-Konflikt und dem Krieg in der Ukraine sieht sich der Kanzler nun auch Spekulationen über seine politische Zukunft ausgesetzt. Im Mittelpunkt steht dabei Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).

Auslöser sind Berichte, wonach in Teilen der Union über mögliche Alternativen zu Merz gesprochen werde. Der „Stern“ und die „Bild“-Zeitung berichten unter Berufung auf führende CDU-Kreise über Gedankenspiele zu einem möglichen Kanzlerwechsel. Konkrete Planungen gebe es demnach allerdings nicht.

Merz-Umfeld weist Spekulationen zurück

Das Umfeld des Kanzlers reagierte scharf auf die Debatte. Auf Anfrage bezeichneten Vertraute die Spekulationen als „naive Idee“ und „gefährliche Lust an der Zündelei“. Wer Personalfragen aufwerfe, schwäche die politische Mitte und spiele der AfD in die Hände, hieß es.

Merz selbst ging bei einem CDU-Termin in seiner Heimatstadt Arnsberg nicht auf die Debatte ein. An seinen Ambitionen ließ der Parteichef jedoch keinen Zweifel: „Deutschland hat die Kraft für einen neuen Aufbruch. Und ich bin persönlich mit aller Kraft entschlossen, diesen Aufbruch mit meiner Regierung auch zu ermöglichen“, sagte er.

Wüst als möglicher „Einwechselkanzler“?

In politischen Kreisen werden neben Wüst auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) als mögliche Alternativen genannt. Ein kurzfristiger Wechsel gilt allerdings als unwahrscheinlich – nicht zuletzt, weil Merz selbst den Weg für eine Kanzlerneuwahl freimachen müsste und auch die SPD zustimmen müsste.

Wüst selbst hält sich öffentlich bedeckt. Der NRW-Regierungschef gilt in Teilen der Union als möglicher Kanzlerkandidat der Zukunft – auch wegen seiner Regierungserfahrung und seines vergleichsweise geräuschlosen Bündnisses mit den Grünen in Nordrhein-Westfalen. (dpa)

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