Politik

Peter Boehringer, Mitglied der AfD Bundestagsfraktion in der 19. Legislaturperiode, aufgenommen am 05.10.2017 im Bundestag in Berlin. Foto: Michael Kappeler/dpa

30.01.2018

Peter Boehringer kämpft für deutsches Gold und gegen den Euro

An diesem Mittwoch konstituiert sich der Haushaltsausschuss des Bundestages. Der designierte Vorsitzende kommt aus den Reihen der AfD

Peter Boehringer (48) fährt gerne vorneweg. Nicht nur mit dem Rennrad. In seinem Lebenslauf führt der studierte Kaufmann und Informatiker ein Buch über die "gesellschaftlichen Auswirkungen von Information Highways" auf. Er hat es 1994 veröffentlicht. Boehringer schreibt später über sein eigenes Buch, dies sei zum Teil "visionär im Hinblick auf Anwendungs-Möglichkeiten hoher Bandbreiten". Mehr Aufsehen erregte Boehringer allerdings mit seinem Titel von 2015, "Holt unser Gold heim. Der Kampf um das deutsche Staatsgold".

Boehringer stammt aus Baden-Württemberg, hat im Rheinland gelebt, war beruflich unter anderem in den USA unterwegs und wohnt heute in München. Vor seinem Einzug in den Bundestag war er Autor und Vermögensberater. Er hat zwei Kinder. Wer ihn erlebt, stellt schnell fest: Der Mann mit der randlosen Brille neigt zumindest in seiner Rolle als Politiker nicht zu ausgelassener Fröhlichkeit. Er scheint oft in Eile, spricht schnell und mit vielen Nebensätzen.

Die AfD ist seine zweite Partei. 2004 trat Boehringer in die CSU ein - "weil ich den EU-Beitritt der Türkei verhindern wollte", wie er heute sagt. Vier Jahre lang blieb er bei den Christsozialen. Zu denen, von denen er sich damals in seinem Wirken behindert fühlte, zählt er den heutigen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Flüchtlingszuwanderung: Boehringer spricht von einer "Invasionswelle"

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingszuwanderung 2015 gibt Boehringer ein Interview. Er spricht von einer "Invasionswelle", die von den politisch Verantwortlichen hätte verhindert werden müssen. Er sagt: "Die bestechlichen, karrieregeilen Politiker spielen alle mit, Frau Merkel allen voran, obwohl der Druck von unten von der Parteibasis riesig ist." Heute sagt er über das, was er "die völlige Aufgabe der Grenzen" nennt: "Da konnte man nicht von Dummheit ausgehen". Deshalb "muss ich immer noch von Vorsatz ausgehen".

Auf die Frage, wer denn seiner Ansicht nach diesen "Vorsatz" gefasst habe, sagt Boehringer: "Die Antwort muss ich Ihnen schuldig bleiben." Er sagt, es sei auf jeden Fall falsch, dass ihn manche als "Verschwörungstheoretiker" bezeichneten. Aus seinen Vorbehalten gegenüber muslimischen Zuwanderern macht er dagegen kein Geheimnis. Er warnt vor einer "Islamisierung" und sagt: "Es wäre einfacher, Christen, Säkulare oder Atheisten zu integrieren."

Früher war Boehringer bei der CSU

Boehringer bezeichnet sich selbst als "nationalliberal". Im Januar 2012 schreibt er einen Nachruf auf den Wirtschaftswissenschaftler Roland Baader. Boehringer sagt, Baader sei sein Mentor gewesen und ein "unerbittlicher Marktwirtschaftler". Dass einige seiner Parteifreunde der AfD eine sozialere Ausrichtung geben wollen, sieht Boehringer trotzdem nicht als Problem. Er sagt, ohne die Kosten für Eurorettung und Flüchtlingsintegration "könnten wir uns ganz viele Sozialausgaben leisten".

Dass der Euro-Gegner Boehringer erst Mitte 2015 zur AfD kam, überrascht. Schließlich ist der Kampf gegen die Eurorettungspolitik von Anfang an Teil der Partei-DNA gewesen. Boehringer sagt, Parteigründer Bernd Lucke habe die Probleme des Währungsraums zwar korrekt analysiert, daraus aber nicht die richtigen Schlüsse getreten. Der von Lucke geforderte Austritt Griechenlands aus dem Euro sei nicht ausreichend, "Deutschland muss austreten". Die damalige Co-Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, habe ihn im Frühjahr 2015 angesprochen. Er habe sich daraufhin entschlossen, in die Partei einzutreten. Luckes Niedergang sei damals schon absehbar gewesen.

Peter Boehringer ist überzeugt, dass die Gemeinschaftswährung Euro keine Zukunft hat. Er sagt: "Wenn wir die Eurorettung einstellen, wird er innerhalb eines Tages Geschichte sein". Und: "Es wird ganz schrecklich, dieser Crash."
(Anne-Beatrice Clasmann, dpa)

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