Politik

Ein Traum, der Wirklichkeit werden könnte: emissionsfreies Fahren. Wasserstoff kann dabei helfen. (Foto: Getty Images/designalldone)

07.06.2019

Punkten mit Clean Economy

Bayern will den Energieträger Wasserstoff groß rausbringen – gute Idee. China und Japan tun das längst

Clean Economy: Damit will Ministerpräsident Söder jetzt klimapolitisch von sich reden machen. Einer der Kernpunkte dabei ist der Ausbau des Energieträgers Wasserstoff. Kein schlechter Plan, schließlich gewinnt dieser emissionsfreie Energieträger weltweit immer mehr an Bedeutung. Während die deutsche Fahrzeugindustrie noch nicht mal beim Thema E-Mobilität top ist, geht die Reise in China, Japan und Korea eindeutig Richtung Wasserstoffmobilität. Ablesen lässt sich das daran, dass die Volksrepublik bis Ende 2020 sämtliche staatlichen Subventionen für E-Autos auslaufen lässt und diese in den Wasserstoffbereich lenkt.

Immerhin: In Bayern gibt es bereits Unternehmen, die im Bereich Wasserstoff aktiv sind. Zum Beispiel die Hydrogenious Technologies GmbH aus Erlangen. Das Spin-Off der Uni Erlangen hat ein Verfahren entwickelt, wie das Knallgas Wasserstoff ungefährlich transportiert und gelagert werden kann. Das Team um Firmenchef Daniel Teichmann bindet über eine chemische Reaktion den leicht brennbaren Wasserstoff an ein Öl. Damit kann Wasserstoff problem- und gefahrlos als Treibstoff für Autos, Busse, Lastwagen, Lokomotiven oder Schiffe eingesetzt werden. Derzeit liefert das Unternehmen eine Anlage nach Finnland. Diese soll dort Wasserstoff für eine Tankstelle sicher transport- und lagerfähig machen. „Auch in Erlangen wird nächstes Jahr eine Wasserstofftankstelle mit unserer Technik ausgerüstet“, sagt Teichmann der Staatszeitung.

BMW ist noch zurückhaltend

Chinesische, japanische und koreanische Autohersteller sind bereits auf die fränkische Firma aufmerksam geworden. Er habe bereits Anfragen von dort erhalten, berichtet Teichmann.

BMW findet Söders Vorstoß zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zwar grundsätzlich gut, ist aber noch etwas zurückhaltend. Ein Sprecher verweist darauf, dass Wasserstoff von US-amerikanischen Behörden nicht als Zero-Emission-Technologie anerkannt werde. Der Einsatz einer so kostenintensiven Technologie ergebe aber nur Sinn, „wenn sie weltweit als lokal emissionsfreie Antriebstechnologie anerkannt wird“.

Dennoch entwickelt BMW zusammen mit Toyota das elektrische Fahren mit Brennstoffzellen bereits seit 2013. Man wolle ja irgendwann ein „adäquates Kundenangebot“ machen können, betont der Unternehmenssprecher.

Zu den führenden Herstellern von Brennstoffzellen in Bayern zählt die Proton Motor Fuel Cell GmbH aus Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck). Seit über 20 Jahren ist man dort auf Wasserstoff-Brennstoffzellen spezialisiert. Aktuell plant das Unternehmen die Inbetriebnahme eines Fertigungsroboters für bis zu 5000 Brennstoffzellen pro Jahr.

Ein landesweites Netzwerk wäre hilfreich

Ein großer Vorteil von Wasserstoff liegt darin, dass er auch zur Energiespeicherung verwendet werden kann. Wenn bei Sonnenschein die Solarzellen glühen oder es kräftig pustet und die Windräder wirbeln, muss der überschüssige Strom also nicht mehr abgeregelt oder verschenkt werden. Via Power-to-gas-Technologie kann der Strom zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werden. Bei Bedarf wird der Wasserstoff über Brennstoffzellen oder die Verbrennung in Kraftwerken dann wieder in Strom umgewandelt. Ein solches Projekt gibt es etwa im oberfränkischen Arzberg. Dort kooperiert die Erlanger Firma Hydrogenious Technologies mit Covalion – dem Energiespeicherspezialisten der ebenfalls in Erlangen ansässigen deutschen Tochtergesellschaft des französischen Kerntechnikunternehmens Framatome.

Der Altöttinger CSU-Landtagsabgeordnete Martin Huber geht davon aus, dass die Umwelttechnik und Ressourceneffizienz in Deutschland, wozu auch die Wasserstoffwirtschaft gehört, bis zum Jahr 2025 ein Marktvolumen von 730 Milliarden Euro erreicht. Mehr als doppelt so viel im Jahr 2016. Das Potenzial, so Umweltexperte Huber, sei „gigantisch“.

Hilfreich beim CSU-Plan einer Clean Economy könnte die Schaffung eines landesweiten Wasserstoff-Netzwerks sein. So könnte Bayern den bestehenden Wasserstoff-Clustern in Hamburg, Hessen und Köln den Rang ablaufen. (Ralph Schweinfurth)

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Kommentare (1)

  1. Horsi vor 6 Tagen
    Das in München ansässige Unternehmen H2-Industries ist ebenfalls in der Entwicklung von flüssigen, organischen Wasserstoffträgern (Liquid Organic Hydrogen Carrier) engagiert. Schwerpunkt ist derzeit die Schiffsindustrie mit Projekten für emmissionsfreie Binnenschifffahrt und zur Fertigung der ersten vollelektrischen Luxusjacht mit LOHC-Technologie.

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