Politik

Immer weniger Schüler besuchen in Bayern den Religionsunterricht. (Foto: Friso Gentsch/dpa)

14.08.2019

Reli - nein danke!

Der Mitgliederschwund in der katholischen und evangelischen Kirche macht auch vor den Schulen nicht Halt - mit deutlichen Auswirkungen auf den Religionsunterricht im Freistaat

Immer weniger Schüler in Bayern besuchen den Religionsunterricht. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums nahmen im gerade abgelaufenen Schuljahr 75 Prozent der 1,25 Millionen Schüler daran teil. Das sind elf Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren. Damals, im Schuljahr 2008/2009, lag der Anteil noch bei 86 Prozent. Auch die Zahl der Religionslehrer sank im gleichen Zeitraum von 20 700 auf 18 700.

Die Gründe liegen auf der Hand: Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche kämpfen seit Jahren mit sinkenden Mitgliederzahlen. Die katholische Kirche muss besonders seit Bekanntwerden des erschütternden Missbrauchsskandals mit zahlreichen Austritten zurechtkommen.

Mehr als 64 000 Katholiken in Bayern kehrten ihrer Kirche allein im vergangenen Jahr den Rücken, wie aus Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht. Die Zahl der Kirchenaustritte im bevölkerungsreichen Freistaat war damit 2018 die höchste aller Bundesländer - und lag noch deutlich über den Austritten im Jahr 2017. Aus der evangelischen Kirche traten im vergangenen Jahr nach Angaben der Landeskirche knapp 28 000 Menschen in Bayern aus.

Zuwachs gibt es bei Muslimen und Orthodoxen

Diese Entwicklung zeigt sich auch an den Schulen. Im Schuljahr 2008/2009 waren nach Angaben des Kultusministeriums noch rund 843 000 Schüler an allgemeinbildenden Schulen katholisch, 333 000 evangelisch, 87 000 waren Muslime und 16 000 orthodox. Rund 122 000 der insgesamt 1,42 Millionen Schüler gehörten damals keiner Religionsgemeinschaft an.

2018/2019 gab es insgesamt etwas weniger Schüler in Bayern - und davon waren nur noch rund 621 000 katholisch und 258 000 evangelisch. Zuwachs gab es bei den Muslimen (119 000) und den Orthodoxen (36 000). 188 000 der insgesamt 1,25 Millionen Schüler gehörten keiner Religion an - dennoch nahmen 60 000 von ihnen an einem Religionsunterricht teil, wie das Kultusministerium mitteilte.

Rund 16 000 Schüler nahmen übrigens im vergangenen Schuljahr am Islamunterricht teil, der allerdings in Bayern - anders als der katholische und evangelische - kein konfessioneller Religionsunterricht im Sinne von Artikel 7 des Grundgesetzes ist. Er sei eine "weltanschaulich-religiös neutrale Islamkunde kombiniert mit Werteerziehung", wie eine Sprecherin des Kultusministeriums erklärte.
(dpa)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (1)

  1. D. G. vor 6 Tagen
    Mir erschließt sich nach wie vor nicht, wie ein Christ, Mitglied in einem Verein der Menschenausbeuter und Traktierer sein mag. Um an einen Gott zu glauben benötigt es keine Organisation, deren einziges Bestreben der Erhalt der Macht der Kirche ist. Um etwas Anderes ist es in mehr als 1500 Jahren nicht gegangen, Macht erhalten, Menschen erniedrigen, ausbeuten und im Bedarf auch noch umzubringen (Fürwahr wahre Christen).

    Und wieso deren Angestellte außerhalb unseres Rechtssystems stehen kann man erst recht nicht nachvollziehen. Warum wurden bei den Herren Kirchenfürsten bis dato keine Hausdurchsuchungen, im Zusammenhang mit dem unglaublichen Missbrauch einer Vielzahl von Kindern, durchgeführt und die Täter sowie die Vertuscher dieser Verbrechen vor Gericht gestellt???

    Kindesmissbrauch sollte, genau wie Mord, niemals verjähren!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Sollen Strafprozesse aufgezeichnet werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2019

Nächster Erscheinungstermin:
29.November 2019

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 30.11.2018 (PDF, 37 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.