Politik

17.06.2021

Rente mit 68 – eine sinnvolle Idee?

Um das Rentenalter ist ein Streit entbrannt. Die Rentenzeit kann nicht immer länger werden, wenn der Anteil der Arbeitszeit am Leben immer kürzer wird, erklärt Axel Börsch-Supan, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftministeriums. Hubert Aiwanger erteilt einer Erhöhung des Rentenalters eine strikte Absage. Ihm werde bei diesen Plänen der Bundesregierung Angst

JA

Axel Börsch-Supan, Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik

Rente mit 68? Im Gutachten des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium steht dies mit keinem Wort. Dort steht, dass die finanzielle Belastung des demografischen Wandels auf möglichst viele Schultern verteilt werden muss. Und dass ein „Regelrentenalter“, sei es nun 65, 67 oder 68, der Lebenswirklichkeit nicht entspricht, sondern man mehr Flexibilität benötigt.

Mit den Baby-Boomern geht ein sehr geburtenstarker Jahrgang in Rente, sodass die Zahl der Rentner sprungartig ansteigt. Zudem haben die Baby-Boomer wenige Kinder bekommen, sodass es auch weniger Einzahler in die Rentenversicherung geben wird. Mehr Ausgaben, aber weniger Einnahmen, das kann nicht gut gehen. Alle Stellschrauben, die die Rentenversicherung hat, müssen bedient werden, damit keine überdreht wird. Die Beiträge müssen sanft ansteigen und die Steuerzuschüsse müssen ansteigen, um die Einnahmen anzuheben. Zudem dürfen die Renten nicht mehr so stark steigen, damit die Ausgaben unter Kontrolle bleiben. 

Und schließlich der springende Punkt: Die Rentenzeit kann nicht immer länger werden, wenn der Anteil der Arbeitszeit am Leben immer kürzer wird.

Also muss man das Rentenalter erhöhen, wenn – aber auch nur wenn – die Lebenserwartung immer weiter steigt. Ganz konkret: Steigt die Lebenserwartung weiter so, wie es das Statistische Bundesamt voraussagt, müsste man 2042, also in 21 Jahren, das durchschnittliche Rentenalter um ein weiteres Jahr erhöhen.

Das kann man nicht von allen verlangen. Es ist auch unsinnig, allen ein gleiches Regelrentenalter vorzuschreiben. Stattdessen ist mehr Flexibilität geboten. Viele sind gesund, andere nicht.Einige lieben ihre Arbeit, andere nicht. Bewusst fordert der Beirat keine Rente mit 68, sondern ein „Rentenfenster“, in dem flexibel in Rente gegangen werden kann, dessen Mitte sich aber an der Lebenserwartung orientiert, von der wir alle hoffen, dass sie weiter steigen wird. 
 

NEIN

Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler und bayerischer Wirtschaftsminister

Jeder, der 45 Jahre gearbeitet hat, hat seinen Dienst geleistet. Den CDU-Plänen, das Rentenalter auf 68 Jahre anzuheben, erteilen die Freien Wähler eine klare Absage. Statt das Renteneintrittsalter in Deutschland immer weiter nach hinten zu verschieben, wollen wir eine zukunftsgerichtete Stabilisierung des Rentenniveaus.

Bei diesen Plänen der Bundesregierung wird uns Angst. Wenn die 70-Jährigen durch über 50 Jahre Erwerbstätigkeit unser Sozialsystem retten müssen, ist es schlecht bestellt um Deutschland. Dann müssen wir Staatsausgaben an anderer Stelle hinterfragen. Höchste Zeit, dass die Freien Wähler als vernünftiges Korrektiv in den Bundestag kommen.

Im Mittelpunkt der Stabilisierung des Rentenniveaus steht hierbei die Erweiterung des klassischen Drei-Säulen-Modells um Wohneigentum als vierte Säule. Von Bundesseite aus muss der Erwerb und der Bau von Immobilien stärker gefördert anstatt belastet werden.

Außerdem setzen die Freien Wähler, um der sich verändernden Wertschöpfung in Deutschland Rechnung zu tragen, auf die Einführung einer Automatisierungsgutschrift bei börsennotierten Aktiengesellschaften. Diese wird auf die ausgeschütteten Dividenden berechnet und direkt als Rentenpunkte allen Rentenversicherten gleichmäßig auf ihren individuellen Rentenkonten gutgeschrieben.

Wir wollen sicherstellen, dass es zu keiner weiteren Absenkung des Rentenniveaus und zu einer wachsenden Altersarmut kommt. Das Bauen, Kaufen und Abbezahlen einer Immobilie ist deshalb eine der besten Investitionen in den eigenen Ruhestand.

Das Leben in den eigenen vier Wänden muss wieder für die breite Bevölkerung möglich und erstrebenswert werden. Derzeit wohnen nur 42 Prozent der Deutschen in eigenen Häusern und Wohnungen, die Mehrzahl wohnt in Miete. Dieses Verhältnis muss umgedreht werden.

Kommentare (1)

  1. Wolpi333 am 23.06.2021
    habe es nicht so mit den freien Wählern,
    muss mir aber jetzt doch noch einmal das Parteiprogramm ansehen.
    In diesem Punkt mit der Rente hat Herr Aiwanger recht,
    und er sieht auch gleich in die Zukunft, die schon da ist, mit "KI"
    werden viele Arbeitsplätze nicht mehr benötigt, gerade in der Verwaltung,
    es werden viele Arbeitslos werden, da macht es Sinn, sich zu überlegen wer dann die Sozalleistungen bezahlt. Auf die Freiwilligkeit bei der Industrie braucht man da nicht zu hoffen,
    Der Ansatz die Roboter zu besteuern, bzw, deren Arbeitsleistung ist ja nicht neu, aber es gehört auch umgesetzt, nicht nur darüber gelabert, wie es die Politiker und die Lobbyisten gerne machen.
    Daran können wir Herrn Aiwanger jetzt messen - ob er es auch umsetzt, unabhängig von der Rente, es betrifft alle Sozialleistungen, die mit dem Arbeitslohn zusammenhängen.
    Und er muss gleichzeitig die Schlupflöcher schließen, die es noch im Steuerrecht gibt, wodurch sich die Vielverdiener zusätzlich die Taschen stopfen, auf kosten der Allgemeinheit und dem Rest der Steuerzahler.
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