Politik

Dieses Bild spricht Bände: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (links) und Bundeskanzler Friedrich Merz haben ernsthafte Differenzen. (Foto: dpa/Geisler-Fotopress, Frederic Kern)

16.08.2026

Schwarz-rotes Sommergrummeln über Steuern und Klima

Beim Start in die Ferienzeit sorgte der Kanzler höchstpersönlich für Wirbel. Die Aufregung legte sich in der Sonne, doch die ruhigeren Tage enden bald. Wie kommt die Koalition dann wieder an den Start?

Komplett außer Dienst ist ein Kanzler nie, auch im Urlaub nicht. Für einige Augusttage macht sich Friedrich Merz aber gerade öffentlich rar, auch wenn er sich etwa über die Lage beim großen Waldbrand in Nordrhein-Westfalen erkundigte. In der schwarz-roten Koalition ist es vergleichsweise ruhig, nachdem der CDU-Chef selbst mit einer Reihe von Personalrochaden internen Unmut ausgelöst hatte. Es köcheln aber mehrere strittige Fragen, und auch in der mitregierenden SPD schwelt Unzufriedenheit über die Lage.

Für akutes sommerliches Grummeln sorgt Kritik aus Unionsreihen an den Plänen von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) für eine Steuerreform. Ärgerlich und befremdlich seien die anhaltenden Vorwürfe, sagte SPD-Fraktionsmanager Dirk Wiese den Zeitungen der Funke-Mediengruppe und verlangte mit Blick auf gemeinsame Koalitionsbeschlüsse: "Im Zweifel muss der Kanzler ein Machtwort sprechen. Die Absetzbewegungen müssen jedenfalls jetzt ein Ende haben."

Differenzen bei Steuerreform 

Klingbeil plant Entlastungen vor allem für kleine und mittlere Einkommen in zwei Stufen 2027 und 2028 um insgesamt zehn Milliarden Euro. Dafür sollen die Reichensteuer für sehr hohe Einkommen erhöht und Steuervergünstigungen gestrichen werden. Unionspolitiker monierten zu wenig Entlastung und wandten sich auch dagegen, einen Steuervorteil für Beschäftigte zu streichen - wozu es laut Finanzministerium aber eine schwarz-rote Verständigung gegeben hatte.

Die SPD-Seite macht jetzt auch Druck für bessere Vorkehrungen zum Schutz vor Hitze, Niedrigwasser und weiteren Folgen des Klimawandels. Dafür brauche es "eine gesamtstaatliche Kraftanstrengung", heißt es in einem Papier von SPD-geführten Ministerien, über das zunächst der "Spiegel" berichtete. Noch in dieser Wahlperiode solle dafür auch eine Grundgesetzänderung auf den Weg gebracht werden. Die CDU hat da aber schon Skepsis deutlich gemacht.

Rumoren in der SPD

In der SPD rumort es angesichts schwacher Umfragewerte auch weiter, was die Aufstellung und Ausrichtung der Partei anbelangt. Der Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September, Steffen Krach, sagte im Deutschlandfunk: "Wir müssen, glaube ich, insgesamt zu einem Kurswechsel kommen." Er forderte erneut, geplante Kürzungen beim Wohngeld zu stoppen. Krach mahnte zugleich: "Wir werden mit internen Personaldebatten niemanden überzeugen. Wir werden die Menschen wieder überzeugen mit Inhalten."

An der SPD-Basis kamen zuletzt Rufe nach einem Sonderparteitag auf - und Aufforderungen an Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas, sich zwischen ihren Funktionen als Parteivorsitzende und ihren Ministerjobs zu entscheiden. 

"Schlecht durchgeführte Regierungsumbildung"

In der CDU hallt Ärger über die Vorgehensweise nach, wie Merz Ende Juli gleich mehrere Posten in Partei, Fraktion und Kabinett umbesetzte. "Jetzt haben wir mit den Reformen doch gerade erst gezeigt, dass die Bundesregierung es kann. Und dann wird das mit so einer schlecht durchgeführten Regierungsumbildung einfach weggewischt", monierte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". 

Das zielt vor allem auf die Umstände, wie der Kanzler dessen Bruder Patrick Schnieder (CDU) als Verkehrsminister schasste und wegen eines Rückziehers des vorgesehenen Kandidaten dann nicht direkt einen Nachfolger präsentieren konnte. Als Ressortchef ist inzwischen Steffen Bilger (CDU) im Amt und gleich stark präsent - nicht nur wegen der Krisenlage durch das Niedrigwasser in mehreren Flüssen. Immer noch offen ist aber die Nachfolge für den Posten der Staatsministerin für Sport im Kanzleramt, den Merz ebenfalls neu besetzen will.

Ende der Sommerruhe naht

Ob sich die Wogen geglättet haben, dürfte sich auch zeigen, wenn die engere CDU-Führung am 24. August zur Präsidiumssitzung zusammenkommt. Ohnehin ist es mit der Sommerruhe in der letzten Augustwoche vorbei, in der Klausuren des Kabinetts und der schwarz-roten Fraktionsspitzen folgen. In den Blick rückt auch die heiße Phase vor den drei Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September. Die Zustimmung für die Koalitionspartner im Bund bleibt vorerst schwach. In einer Umfrage des Insa-Instituts für die "Bild am Sonntag" kommt die Union aktuell auf 20 Prozent, die SPD auf 12 Prozent.
(Christian Andresen, Stefan Heinemeyer und Sascha Meyer - alle dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll es auf alle Waren 19 Prozent Mehrwertsteuer geben?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

„Die Bundesregierungskoalition hat noch schnell Reformen angekündigt, ehe sie sich in die Berliner Sommerpause verabschiedete. Eine Sommerpause übrigens, die sich die Wirtschaft nicht leistet. Unternehmer und Manager sind stets am Sprung“, sagt Bertram Br

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.