Flugdrohnen oft unbekannter Herkunft gefährden zunehmend die Sicherheit im Land. Sie stören den Flugverkehr, spionieren Militäreinrichtungen und kritische Infrastruktur aus und könnten für Anschläge aus der Luft eingesetzt werden. Zur Abwehr hat Bayern nun eine eigene Polizeieinheit geschaffen.
Man sieht sie nicht mit dem bloßen Auge, man hört sie auch nicht, aber sie ist doch da auf dem Bildschirm der Drohnenjäger der Bayerischen Polizei. Langsam nähert sich das feindliche Flugobjekt der hochrangig besetzten Veranstaltung am Fliegerhorst Erding. Der Ministerpräsident ist gekommen, dazu der Innenminister, einige Abgeordnete und eine ganze Reihe Polizeiführungskräfte. Mit dem Surren in der Lautstärke eines ausgewachsenen Hornissenschwarms steigt nun die Abwehrdrohne der Bayerischen Polizei auf. Mit spektakulären Flugmanövern stellt sie den inzwischen sichtbaren Angreifer und mit einem kräftigen Stoß aus kurzer Distanz bringt sie ihn ins Torkeln und schließlich vor den Augen der Gäste zum Absturz.
Das neue Drohnenabwehrzentrum
Die Demonstration gehört zum Programm der Eröffnungsfeier für das neue bayerische Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum, kurz DKAZ. Vor gut einem halben Jahr, nach Drohnenvorfällen über dem Oktoberfest und am Münchner Flughafen, der deshalb zweimal mehrere Stunden lahmgelegt war, hatte der Ministerrat dessen Errichtung beschlossen. Bayern fühlte sich herausgefordert von Hobbydrohnenpiloten, die sich nicht um Flugverbotszonen scherten, aber auch von mutmaßlich von Russland initiierten professionellen Attacken auf kritische Infrastruktur.
„Wer meint, uns herausfordern zu müssen, bekommt die Antwort des Staates und der Polizei“, sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nun bei der Eröffnung des DKAZ. Man lasse sich nicht einschüchtern. „Drohnen, die die Sicherheit gefährden, müssen erkannt werden – und im Zweifel auch abgeschossen“, stellt Söder klar. „Holen wir die Dinger runter, die uns gefährlich sind.“
Am DKAZ bündelt der Freistaat seine Kompetenzen in der Drohnenabwehr, sorgt für die modernste technische Ausrüstung der Polizei und bildet die nötigen Fachkräfte aus. Im Endausbau sollen in Erding gut 100 Menschen arbeiten, landesweit wurden schon rund 500 Polizisten für komplexe Sondereinsätze, aber auch für den flächendeckenden Schutz vor möglichen Drohnenattacken ausgebildet.
Schutz für Großveranstaltungen
Unter den Bundesländern ist Bayern das erste mit einem eigenen Drohnenabwehrzentrum. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht das nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu einer entsprechenden Einrichtung des Bundes.
Man müsse eigene bayerische Kompetenzen aufbauen, denn die Bundespolizei wäre sonst mit der Vielzahl an Einsätzen überfordert, erklärt Herrmann. Zum Schutz größerer Veranstaltungen wie dem Oktoberfest oder dem Katholikentag in Würzburg an diesem Wochenende, aber auch zur Absicherung von Staatsbesuchen gehöre Drohnenabwehr inzwischen zum Standard. Es gehe darum, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, konsequent zu handeln und damit die Menschen bestmöglich zu schützen. Besonders wichtig ist Herrmann, dass mit den neuen Fähigkeiten der Polizei Hobbypiloten genauso abgeschreckt werden wie „feindselig“ gesinnte Angreifer aus dem Ausland.
Im DKAZ laufen dafür alle verfügbaren Informationen zusammen. Die Expertinnen und Experten dort sondieren den rasant wachsenden Drohnenmarkt nach Innovationen, testen Geräte, erarbeiten Einsatztaktiken und forschen gemeinsam mit der Industrie an Neuerungen und bestmöglicher Abwehrtechnik, erläutert der Vizepräsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Michael Libionka. Bayern sei zwar kein Kriegs- oder Krisengebiet, dennoch nutze man für Einsatzstrategien zur Drohnenabwehr auch Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine. Es gehe darum, technisch und taktisch möglichst immer auf dem neuesten Stand zu sein.
Modernste Technik im Einsatz
Mit dem neuesten Hightech-Equipment ausgerüstet sind die Spezialkräfte der Polizei zur Drohnenabwehr, die Großveranstaltungen schützen sollen und landesweit bei akuten Gefahren angefordert werden können. Um die Flächenpräsenz sicherzustellen, werden auch regionale Polizeieinheiten mit einer Grundausstattung zur Drohnenabwehr ausgerüstet.
Das Arsenal des DKAZ ist vielseitig, aber so richtig in die Karten schauen lassen sich die Drohnenjäger bei der Präsentation in Erding nicht, der Feind könnte ja mitschauen. Neben dem Rammen einer feindlichen Drohne zeigen sie noch, wie sie eine solche per Funk kapern und gegen den Willen des eigentlichen Piloten zum Landen bringen. Beschrieben wird noch, wie Drohnen mit Netzen eingefangen oder mit Störsendern zum Absturz gebracht werden können. Dafür postieren sich mit futuristisch wirkenden Abwehrkanonen ausgerüstete Spezialkräfte vor den Gästen. Eindruck macht das schon. Aber ob und wie wirkungsvoll die Geräte schon in der Praxis funktioniert haben, bleibt an diesem Tag offen. Die Polizei intensiviert inzwischen ihren Kampf um Bayerns Lufthoheit. (Jürgen Umlauft)
Kommentare (0)
Es sind noch keine Kommentare vorhanden!