Politik

01.07.2022

Landwirtschaft: Soll Bayern die "Massentierhaltung" beenden und Riesenställe dichtmachen?

Paul Knoblach, Sprecher für Tierwohl der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag, fordert, die „Massentierhaltung“ zu beenden. Seit Jahren kämpft seine Partei gegen Riesenställe, die auch im Freistaat zugenommen haben. Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, widerspricht vehement und warnt davor, eine gute Tierhaltung an der Größe des Bauernhofs festzumachen. Er spricht von einer "vermeintlichen Idylle des vergangenen Jahrhunderts".

JA

Paul Knoblach, Sprecher für Tierwohl der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag

Für uns Grüne gehört die Tierhaltung zur Landwirtschaft. Das meine ich ganz wörtlich: Die Tierhaltung gehört zur Landwirtschaft dazu. Sie hat ihren Platz in unserer bayerischen Kulturlandschaft, sie geht Hand in Hand mit dem Anbau von Feldfrüchten, für den sie wichtigen Dünger liefert. Sie ist ein unverzichtbares Glied in diesem Kreislauf. Ich könnte mir Bayern ohne Tiere, ohne regionale Lebensmittel, nicht vorstellen.

In den vergangenen Jahren wurde aber immer deutlicher, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Aus dem Ausland wird der Preis für tierische Produkte gedrückt und unsere Bäuerinnen und Bauern stehen im weltweiten Wettbewerb um immer geringere Produktionskosten. Ich will nicht akzeptieren, dass „Wachsen oder Weichen“ die einzige Antwort darauf ist.

Ich setze mich für eine Tierhaltung ein, die wirtschaftlich und artgerecht zugleich ist, für eine bäuerliche Landwirtschaft. Die Anzahl der Tiere muss sich an der Fläche orientieren, die zur Verfügung steht. Die Tiere sollten unbedingt ausreichend Platz und Bewegung haben sowie artgerechtes Futter bekommen. Mit einer flächenorientierten Tierhaltung schützen wir außerdem die Umwelt, das Wasser, die Biodiversität und das Klima. Diese Veränderungen sind auf langfristige staatliche Rahmenbedingungen und Unterstützung angewiesen; starke regionale Vermarktungsketten geben hier Stabilität. Damit Tiere nicht zu reinen Produktionsgütern werden.

Wir Grüne wollen viele modern und divers strukturierte, bäuerlich wirtschaftende Höfe in Bayern, die eine ausreichende Unabhängigkeit vom Weltmarkt haben, um Krisen durchzustehen. Dafür existieren in Bayern mit seinen vielen familiengeführten, vielseitig strukturierten Betrieben die optimalen Voraussetzungen. Dieses Potenzial wollen wir nutzen, für eine zukunftsgerichtete bayerische Tierhaltung, die zur Landwirtschaft dazugehört. Wir setzen dabei auf Klasse statt Masse.

 

NEIN

Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands

Massentierhaltung“ ist ein ideologischer Kampfbegriff und daher für eine qualifizierte Diskussion völlig unbrauchbar. Was der eine oder andere Verbraucher schon als Massentierhaltung empfindet, ist für viele Landwirte eher Hobby-Tierhaltung. Wir wollen unsere Nutztiere nach gutem tierschutzfachlichen Standard, mit guter Tiergesundheit und optimaler Versorgung, aber auch unter guten arbeitswirtschaftlichen Bedingungen halten. Das geht nicht in kleinen Hinterhofhaltungen oder in der vermeintlichen Idylle des vergangenen Jahrhunderts. Es braucht Technik, gutes Management und erhebliche Investition.

Wenn Bauernfamilien mit der Tierhaltung Einkommen erwirtschaften wollen, müssen sie in entsprechenden Größenordnungen arbeiten und investieren können. Maßstab darf nicht die Bestandsgröße, sondern muss die Fläche des Betriebs und die Nährstoffbilanz sein. „Einfach mal dichtmachen“ – das ist populistische Show, gräbt unseren Familienbetrieben das Wasser ab und fördert die von externen Investoren getragene flächenungebundene Tierhaltung in anderen Ländern – wir sehen diesen Trend seit einigen Jahren etwa in der Schweinehaltung. Wer etwas für kleine und mittlere Betriebe tun will, muss dafür sorgen, dass im Bau- und Immissionsschutzrecht und in den Vorschriften für die Haltung eben nicht im Jahrestakt neue Auflagen gemacht werden, für die die Investitionen nur von größeren Einheiten gestemmt werden können.

Aber während die Branche selbst seit Jahren mit Hochdruck an der Weiterentwicklung der Tierhaltung arbeitet, bremst die Politik diesen Wandel aus. Betriebe brauchen eine Perspektive. Der Umbau der Tierhaltung muss eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein, sonst wird die Erzeugung ins Ausland verdrängt. Es braucht eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung, ein Finanzierungskonzept und Anpassungen im Bau- und Genehmigungsrecht. Nutztierhaltung war stets das wirtschaftliche Rückgrat der deutschen Landwirtschaft und muss dies bleiben.

 

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