Politik

02.09.2021

Soll für die Gastro in Bayern die Pflicht zur Erhebung von Kontaktdaten fallen?

In NRW müssen Besucher von Restaurants, Kneipen oder Veranstaltungen keine Kontaktzettel mehr ausfüllen oder sich per App einchecken. Thomas Geppert vom Verband Dehoga Bayern fordert diesen Schritt auch für Bayern. Dazu sei es noch zu früh, meint dagegen Christina Haubrich von den Landtags-Grünen


JA

Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Bayern

Hinter dem Gastgewerbe liegen eineinhalb mehr als herausfordernde Jahre. Dem Gastgewerbe wurde in der Corona-Pandemie des Öfteren vonseiten der Politik ein „Sonderopfer“ abverlangt und das, obwohl das Gastgewerbe bei Anwendung der Schutz- und Hygienekonzepte nachweislich nie Pandemietreiber war.

Ganz im Gegenteil! Das Gastgewerbe schafft mit seinen hervorragenden Hygienekonzepten geschützte Räume. Die Problematik, dass sich die Menschen unkontrolliert im privaten oder öffentlichen Raum treffen, haben wir in den Sommermonaten dagegen eindrücklich auf Bayerns Straßen beobachten können. Daher fordern wir auch endlich die Öffnung von Clubs und Diskotheken.

Das Gastgewerbe hat in allen Hygienefragen sehr früh und vorbildlich reagiert und so auch bei der Gästeregistrierung unter anderem auf digitale Anwendungen gesetzt, wie etwa auf das von uns gegründete und mitentwickelte Darfichrein. Mit dieser digitalen Anwendung, aber auch mit dem analogen Abfragen von Kontaktdaten haben Gastronomen und Hoteliers schnelle und zuverlässige Wege geschaffen, um neben den Hygienevorschriften für den Gast ein sicheres Umfeld zu schaffen.

Da das Infektionsgeschehen im Gastgewerbe jedoch verschwindend gering war, mussten diese Daten von den Gesundheitsämtern nur in seltenen Fällen abgefragt werden. Jetzt, da der Weg aus der Corona-Krise durch Impfungen geebnet ist, sollten wir uns mutig und entschlossen Schritt für Schritt aus der Krise bewegen.

Jede Maßnahme im Kampf gegen die Pandemie muss permanent auf ihre Verhältnismäßigkeit überprüft werden. Die Gästeregistrierung in Restaurants und Kneipen gehört dazu und kann aus unserer Sicht bei konsequenter Anwendung der 3G-Regel entfallen. Es wurde bislang in den seltensten Fällen auf Gästelisten zugegriffen. Und dies wird sich weiter reduzieren.


NEIN

Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen

Wir betreten gerade neues Terrain in Sachen Corona. Restaurant- oder Kinobesuche werden für geimpfte, genesene und getestete Personen möglich bleiben – obwohl die Inzidenzen deutlich steigen. Angesichts des deutlich geringeren Erkrankungsrisikos von geimpften und genesenen Personen muss der Inzidenzwert differenzierter betrachtet werden – und zwar zusammen mit anderen Indikatoren.

Deshalb halte ich es für den falschen Zeitpunkt, jetzt auch noch die Kontaktnachverfolgung abzuschaffen. Erst wenn die Erfahrungswerte zur 3G-Regel ausgewertet wurden, kann über diesen Schritt diskutiert werden. Denn wir wissen, dass die Schnelltests bei Weitem nicht alle Infektionen erkennen. Doch ohne Kontaktnachverfolgung können nach einer nachträglich festgestellten Infektion die Kontaktpersonen nicht mehr informiert und getestet werden. Das kann gerade bei größeren Zusammenkünften in Innenräumen schnell zum Risiko für viele Menschen werden. Erst im Juni hat die Leopoldina erklärt, warum die digitale Kontaktnachverfolgung auch bei hohen Immunisierungsraten beibehalten werden sollte.

Es stimmt, dass die Kontaktnachverfolgung bisher nicht perfekt funktioniert hat. Aber neben technischen Problemen einiger Apps lag dies vor allem auch an den völlig unzureichenden Ressourcen unserer Gesundheitsämter. Seit Beginn der Pandemie reden wir Grünen uns den Mund fusselig, dass da dringend personell, finanziell und in Bezug auf Digitalkompetenz aufgestockt werden muss. Doch passiert ist bislang kaum etwas. Also rackern sich unsere Gesundheitsämter mit einer Menge an Kontakten ab, die bei höheren Infektionszahlen rasend schnell entstehen und alle in kürzester Zeit nachverfolgt und kontaktiert werden müssen. Das übersteigt schnell die Kapazität unserer von der Staatsregierung seit Jahren ausgebluteten Gesundheitsämter – und genau hier müssen wir ansetzen.

Kommentare (1)

  1. Susamarie am 06.09.2021
    Die Bayerische Staatsregierung muss sich jetzt, nachdem alle vulnerablen Gruppen geschützt sind und alle ein Impfangebot erhalten haben, wieder zurücknehmen. Das bloße Ansteigen der Inzidenzen ist zu beobachten, die Krankenhausampel noch sinnvoll. Ansonsten sollten wir nun zur Normalität - ohne 3G übergehen, wie es auch Dänemark macht. Nach Delta werden neue Varianten kommen. Corona wird nicht mehr verschwinden und wir samt der Staatsregierung müssen nun wieder in eine Normalität kommen. Um die Spaltung in der Gesellschaft zu überwinden und die unredliche Art, wie mit diesem Thema leider immer wieder fern verschiedener wissenschaftlicher Stimmen Politik gemacht wird, muss nach den Bundestagswahlen eine ordentliche Evaluation erfolgen. Unsere Demokratie ist in einem besorgniserregenden Zustand.
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