Politik

18.06.2026

Soll man Reservisten in Friedenszeiten zum Dienst verpflichten?

Das Verteidigungsministerium plant, Reservistinnen und Reservisten künftig auch in Friedenszeiten zu Diensten zu verpflichten. Bastian Ernst, Präsident des Reservistenverbands der Bundeswehr und CDU-Bundestagsabgeordneter, unterstützt den Plan. Niklas Wagener, Verteidigungsexperte der Grünen im Bundestag, ist dagegen

JA

Bastian Ernst, Präsident des Reservistenverbands der Bundeswehr und MdB (CDU) 

Aus meiner Sicht sollten Reservistinnen und Reservisten für einen bestimmten Zeitraum im Jahr für verpflichtende Übungen herangezogen werden, um grundlegende Ausbildungen zu absolvieren. Die Realität sieht für viele bereits jetzt so aus, dass sie im Jahr mindestens 14 Tage auf ihren Dienstposten üben. Die Truppenteile müssen verlässlich mit ihren Reservisten planen können, diese Planung schafft auch auf Arbeitgeberseite eine Klarheit, die ohne verpflichtende Elemente bisher nicht vorhanden war. Dabei müssen wir aber genau hinschauen: Es darf etwa nicht sein, dass ein kleines Handwerksunternehmen seine drei Gesellen abgeben muss und im Anschluss in Schwierigkeiten gerät. Es kann aber auch nicht sein, dass wir mit einer Bevölkerung von über 80 Millionen Menschen es nicht schaffen, 200.000 Reservistinnen und Reservisten in Übung zu halten. Die Reserve schützt uns, unsere Art zu leben und zu wirtschaften im Ernstfall. Das sollte in unser aller Interesse sein.
 

NEIN

Niklas Wagener, Verteidigungsexperte der Grünen im Bundestag

Bevor Reservistinnen und Reservisten in Friedenszeiten zu zusätzlichen Diensten verpflichtet werden, sollten wir zunächst die vorhandenen Potenziale ausschöpfen. Viele Menschen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich für den Reservistendienst ausbilden zu lassen, doch in der Praxis scheitert dieses Engagement häufig an langwierigen Verfahren, bürokratischen Hürden und begrenzten Ausbildungskapazitäten. Statt neue Verpflichtungen für bereits Aktive einzuführen, sollte der Fokus daher darauf liegen, mehr Menschen für den Reservistendienst zu gewinnen und ihnen den Zugang zu erleichtern. Sollte die sicherheitspolitische Lage künftig mehr Verbindlichkeit erfordern, muss darüber offen und transparent diskutiert werden. Zusätzliche Pflichten sind jedoch nur dann gerechtfertigt, wenn sie auf nachvollziehbaren Rahmenbedingungen sowie fairen und funktionierenden Strukturen beruhen.
 

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