Politik

12.12.2019

Sommerferien: Ist die Sonderregelung für Bayern noch angemessen?

Süden gegen Norden. Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (FW) gegen Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD). Wer hat recht im Streit um die Sommerferien?

JA

Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Kultusminister

In der Bevölkerung hält sich hartnäckig das Gerücht, die Sommerferien in Bayern seien deshalb so spät, weil die Kinder bei der Kartoffelernte helfen müssten. Das ist natürlich Quatsch.
Trotzdem: Bayern wird seinen späten Sommerferientermin von Ende Juli bis Mitte September nicht aufgeben. Und das hat gute Gründe. Die Ferienregelung im deutschen Schulwesen basiert auf langfristigen und gut eingespielten Prozessen. Die konkreten Ferienpläne stimmen wir seit vielen Jahren in der Kultusministerkonferenz zwischen den Ländern erfolgreich ab.

In einem Punkt waren und sind wir uns einig: Die Sommerferien sollen sinnvoll gestaffelt sein, auch um das Reiseaufkommen zu entzerren. Dass Bayern mit Baden-Württemberg den spätesten Termin einnimmt, liegt daran, dass wir uns in unserer Ferienordnung an den christlichen Feiertagen orientieren. Anders als die nördlichen Bundesländer haben wir in Bayern deswegen an Pfingsten zweiwöchige Ferien. Danach brauchen die Schulen aber noch ausreichend Zeit für Unterricht, Prüfungen, Schul- und Unterrichtsprojekte. Gerade bei diesen letzten Notenerhebungen wollen wir unsere Schülerinnen und Schüler nicht unnötig unter Druck setzen. Und natürlich brauchen auch die Schulverwaltungen noch Spielraum für die Erstellung der Jahreszeugnisse.

Um all das entsprechend auf den Weg zu bringen, beginnen die Sommerferien in Bayern später als in anderen Bundesländern.

Von unserer gleichmäßigen, pädagogisch sehr sinnvollen Verteilung der Ferien über das Jahr hinweg profitieren alle: Die Schülerinnen und Schüler haben gleichbleibend feste Orientierungspunkte und einen ausgewogenen Wechsel von Schulunterricht und unterrichtsfreier Zeit. Und die Lehrer haben die Möglichkeit, Prüfungen sinnvoll über das Jahr zu verteilen. Für Bayern hat sich die Ferienregelung bewährt. Die Schulfamilien können sich somit an einem stabilen zeitlichen Rahmen für das Schulleben orientieren.

NEIN

Ties Rabe (SPD), Hamburger Bildungssenator

1964 verständigten sich die Kultusminister darauf, dass die Sommerferien immer zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen. Bayern und Baden-Württemberg setzten dabei das Privileg durch, konstant immer in den letzten sechs Wochen in die Ferien zu gehen, während alle anderen Länder mit ständig veränderten Ferienzeiten „rollieren“ müssen.

Nun kann man solche Privilegien und die Selbstverständlichkeit ihrer Inanspruchnahme bestaunen. Doch der Änderungsbedarf hat andere Ursachen: Seit 2017 verwenden viele Bundesländer im schriftlichen Abitur gleiche oder sehr ähnliche Aufgaben. Das zwingt zu identischen Abiturterminen in allen Bundesländern – meistens im März. Das Problem: Hamburg, Berlin, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern beginnen meistens sehr früh mit den Sommerferien, mittlerweile sogar ab dem 18. Juni und damit früher, als 1964 vereinbart. Hamburg hat zudem – ähnlich wie Bayern – Mai-Ferien, die den Zeitraum des Abiturs zusätzlich einengen. Das bereitet erhebliche Probleme: Kollisionen der Abiturabläufe mit den Mai-Ferien, zu kurze Vorbereitungszeiten und Korrekturzeiten sind an der Tagesordnung.

Die Lösung ist einfach: Wenn Hamburg künftig frühestens am 1. Juli mit den Sommerferien beginnt, bleibt genug Zeit für das Abitur. Da im Durchschnitt der letzten Jahre höchstens zwei Länder pro Jahr vor dem 1. Juli begannen, würden geringe Verschiebungen ausreichen, um das Dilemma zu lösen. Aber Politik hat nicht nur eine Sachebene, sondern auch eine Marketingebene – mit aufgeregten Medien, Millionen scheinbar Betroffener und Politikern wie dem bayerischen Ministerpräsidenten.

Muss Bayern also sein Privileg aufgeben? Das wäre zwar freundlich, fair und solidarisch – aber diese Eigenschaften scheint Bayern nicht so wichtig zu finden, und die wenigsten Länder verbinden sie mit Bayern. Deshalb die gute Nachricht: Um die Probleme und die eigentliche Ursache des Streits zu lösen, wäre Bayerns Solidarität nicht einmal nötig. Nur etwas Sachlichkeit in der Diskussion.

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Kommentare (2)

  1. voa zua am 19.12.2019
    Never change a winning system.
    Wieso sollten wir ohne Not die eingespielten Pfade verlassen, bloß weil sich HH feste Ferienzeiten wünscht. Dann macht doch...!? Und zur nicht vorhandenen bayerischen Solidarität erwähne ich nur unsere zahlreich verletzten Polizisten, die beim G20-Gipfel in HH dort ihren Kopf hingehalten haben, wo sich andere Polizeien nicht hintrauten...
    Etwas weniger Polemik wäre besser.
  2. Bitte??? am 18.12.2019
    Die Sachlichkeit in der Diskussion sieht laut Herrn Rabe folgendermaßen aus:

    Bayern sind nicht freundlich, fair und solidarisch!

    Der macht genau das, was er den Anderen vorwirft. Wie hanebüchen ist das denn?

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