Politik

Der FC Ingolstadt wird noch immer gesponsert. Audi spart gerade woanders ein. (Foto: dpa, Matthias Bald)

30.10.2026

Sponsoren, wo seid ihr?

Sport und Kultur sind überall auf Geldgeber angewiesen

Audi macht gerade mit Negativschlagzeilen von sich reden. Zum einen, weil Audi-Chef Gernot Döllner ein Werk in Georgia plant. Und sich dafür auch noch öffentlich bei US-Präsident Donald Trump bedankte – rechtzeitig vor den US-Vorwahlen. Zum anderen wegen Einsparungen beim Sponsoring, die Kultur- und Sportveranstaltungen in Ingolstadt treffen. Unter anderem fallen dort die Weihnachtskonzerte in diesem und im kommenden Jahr wegen der Sparbeschlüsse aus. Die Audi Sommerkonzerte werden 2027 ausgesetzt und die Konzertreihe Jazz im Audi Forum entfällt ab kommendem Jahr. Zudem werden die Partnerschaft mit der Kammerphilharmonie Ingolstadt und die finanzielle Unterstützung der Audi Jugendchorakademie beendet.

Der schwächelnde Automobilhersteller erwägt auch, seine Anteile am FC Bayern zu verkaufen. Das Sponsoring für den Fußballverein soll aber weitergehen. Ebenfalls fortgeführt wird die Partnerschaft zwischen dem FC Ingolstadt 04 und Audi, bis Ende 2027. Wie es danach weitergeht, ist offen.

BMW kürzt kein Sponsoring

Beim Münchner Konkurrenten BMW, der ebenfalls wegen der schlechten Branchensituation sparen muss, schaut es besser aus. „Wir bleiben verlässlicher Partner in der Kultur und im Sport“, teilt das Unternehmen mit. Dazu gehöre das Sponsoring von „Oper für alle“ in München, die Profi-Tennis- und Golfturniere BMW Open sowie BMW International Open. BMW wolle damit „etwas an die Gesellschaft zurückgeben“, innerhalb derer sie wirtschaftlich erfolgreich tätig ist.

Der Stuttgarter Premiumhersteller Mercedes-Benz kann es sich ebenfalls noch leisten, auf Kürzungen beim Sport- oder Kultursponsoring zu verzichten. Doch Kürzungen innerhalb der schwächelnden Autobranche sind beim Sponsoring künftig nicht auszuschließen.

Finanzsektor hat noch Geld

Vor allem der Finanzsektor gibt noch üppig Geld für Sponsoring aus. Glücklich, wer solche Gönner hat. So bleibt zum Beispiel die Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach weiterhin Hauptsponsor des Poetenfests in Erlangen, die Sparda-Bank unterstützt die dortigen Schlossgartenkonzerte. Die Sparkasse Aschaffenburg Miltenberg bleibt nach wie vor Hauptsponsor der Fränkischen Musiktage Alzenau, dem ältesten Musikfestival der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main.

Auch in der IT-Branche wird noch gut verdient. So bleibt die Datev, der in Nürnberg ansässige bundesweite IT-Dienstleister für Steuerberater, Titelsponsor des Internationalen Comic-Salons Erlangen. Der Rechenzentrumsbetreiber Noris Network mit Datacentern in Nürnberg, München, Ingolstadt und Hof unterstützt etwa eine staatliche Berufsschule in Fürth mit gehosteten Serverdiensten. Auch in anderen bayerischen Städten scheint die Sponsoringwelt noch weitgehend in Ordnung zu sein. Das ergaben Recherchen der Staatszeitung in Coburg, Fürth, Hof, Memmingen, München, Nürnberg, Regensburg, Rosenheim und Würzburg.

Massive Kostensteigerungen seit der Corona-Pandemie

Dennoch: Die seit der Corona-Pandemie massiv gestiegenen Kosten für Kulturveranstaltungen machen vielen Kommunen zu schaffen, trotz Sponsoring. „Die Kosten für den Bühnenbau sind bei einem unserer Festivals von 2019 zu 2026 um 107 Prozent gestiegen“, sagt Andreas Franke, Pressesprecher der Stadt Nürnberg.

Zusätzlich hätten sich in Nürnberg die Kosten für Straßensperrungen aufgrund von Sicherheitsanforderungen um 165 Prozent erhöht. Diese Mehrkosten ließen sich nicht durch Sponsorengelder kompensieren. Anderen Städten dürfte es ähnlich ergehen. Sponsoren in spe sind also überall willkommen.
(Ralph Schweinfurth)
 

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