Politik

Traktoren und ihre verärgerten Besitzer eroberten die Ludwigstrasse in München. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

22.10.2019

Tausende Landwirte protestieren

Bayerische Landwirte schließen sich zusammen und machen ihrem Ärger Luft. Mit Traktoren fahren sie zu Demonstrationen - eine Belastungsprobe für den Verkehr in mehreren Städten des Freistaats

Tausende Landwirte sind am Dienstag in Bayern mit Traktoren zu Bauernprotesten gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung gefahren. Mit ihren Traktoren sorgten sie zeitweise für Verkehrschaos in den betroffenen Städten. Nach Schätzungen der Polizei demonstrierten rund 2000 Bauern in München, jeweils 1000 in Würzburg und Bayreuth. Die Kundgebungen waren Teil eines bundesweiten Aktionstags der Bauerninitiative "Land schafft Verbindung", der sich innerhalb kürzester Zeit zehntausende Landwirte angeschlossen hatten.

In Würzburg musste der Versammlungsleiter deshalb sogar die Demonstration absagen, bevor sie offiziell begonnen hatte. Rund 800 Traktoren mussten wieder umkehren. Auf den Bundesstraßen 27 und 19, dem Friedrich-Ebert-Ring und einigen weiteren Straßen "ging gar nichts mehr", wie ein Sprecher der Polizei sagte. Selbst Feuerwehr und Rettungswagen kamen in einigen Stadtteilen nicht mehr durch. "Glücklicherweise gab es in dieser Zeit keine medizinischen Notfälle in den betroffenen Bereichen", teilte das Bayerische Rote Kreuz mit.

Mehr Zeit mussten auch Autofahrer in München einplanen. Morgens kam es stadteinwärts auf den Strecken von Freising, Vaterstetten und Germering zu Stau. Rund 1000 Traktoren kamen zur Kundgebung in der Innenstadt, bei der Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) ihre Unterstützung zusicherte. "Keine Frage: Das Agrarpaket der Bundesregierung ist unausgewogen und in Teilen nicht akzeptabel", verkündete Kaniber. Sie werde sich für mehr Wertschätzung, heimische Lebensmittel und die Zukunft junger Landwirte einsetzen.

Nach Ende der Kundgebung in München leitete die Polizei die rund 1000 Traktoren über die Nymphenburger Straße, die Prinzregenten- und die Leopoldstraße aus der Stadt. In diesem Bereich rechnete die Polizei noch länger mit Staus.

Verärgert über stetige Verschärfung der Umweltauflagen

In Bayreuth tuckerten rund 1000 Traktoren von Bindlach bis zur Kundgebung bei der Viehversteigerungshalle in Bayreuth. Auch wenn dort doppelt so viele Landwirte demonstrierten wie erwartet, waren die Bayreuther auf Verkehrsbehinderungen eingestellt: Es gab einen Ersatzfahrplan für Busse, die ab dem frühen Nachmittag wieder normal fuhren. Die Grundschulen organisierten eine Betreuung für Kinder, die wegen des Verkehrschaos nicht gleich nach Hause konnten.

Die seit Jahren unter Einkommensverlusten leidenden Bauern sind vierlorts verärgert, weil EU und Bundesregierung die Umweltauflagen in den vergangenen Jahren stetig verschärft haben. Gleichzeitig stellen alljährlich Tausende von Bauern den Betrieb ein, weil sich die Landwirtschaft immer weniger lohnt.

Die Initiative beklagt außerdem "permanente negative Stimmungsmache" und "Bauernbashing". Das richtet sich vor allem gegen die Vorwürfe von Umweltschützern und Politikern, dass die konventionelle Landwirtschaft schlecht für Natur, Umwelt und Trinkwasser sei.

"Unsere bayerischen Landwirte verdienen keine Pauschalverurteilungen als Tierquäler, Subventionsempfänger oder Umweltsünder", sagte der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag im Hinblick auf die Proteste. Auch Politiker der Freien Wähler, SPD und AfD zeigten Verständnis für die Sorgen der Landwirte.

Die Hauptkundgebung fand in Bonn statt. Von der Protestbewegung überrascht wurde nicht zuletzt der Deutsche Bauernverband, der an der Organisation der Demonstrationen nicht beteiligt war.

In Bayern hatte in den vergangenen Monaten auch die öffentliche Debatte über das Volksbegehren "Rettet die Bienen" für zusätzliche Verstimmungen unter vielen Landwirten gesorgt. Sie monierten, dass sie in der Diskussion oft als Alleinverantwortliche für das Artensterben dargestellt wurden. Um das Verhältnis zu den Bauern wieder zu entspannen, beschloss die Staatsregierung nicht nur das Volksbegehren, sondern in einem "Versöhnungsgesetz" auch Hilfen für die Landwirte. Zuletzt betonte CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder auch auf dem CSU-Parteitag, dass seine Partei auf ein gutes Verhältnis mit den Landwirten angewiesen sei.
(Mirjam Uhrich, dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

„Die Bundesregierungskoalition hat noch schnell Reformen angekündigt, ehe sie sich in die Berliner Sommerpause verabschiedete. Eine Sommerpause übrigens, die sich die Wirtschaft nicht leistet. Unternehmer und Manager sind stets am Sprung“, sagt Bertram Br

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.