Politik

Mario Voigt (CDU), Ministerpräsident von Thüringen, sitzt im Plenarsaal des Thüringer Landtags. Ein Misstrauensvotum der AfD-Fraktion gegen ihn scheiterte. (Foto: dpa, Martin Schutt)

04.02.2026

Thüringen: AfD scheitert mit Sturzversuch gegen Ministerpräsidenten

Aufatmen bei der Regierung des Nachbarbundeslands Thüringen: Nach dem Entzug seines Doktortitels übersteht CDU-Ministerpräsident Voigt ein Misstrauensvotum. Ein Angriff von AfD-Fraktionschef Höcke scheitert

Nach der Aberkennung seines Doktortitels hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) ein von der AfD losgetretenes Misstrauensvotum überstanden. AfD-Fraktionschef Björn Höcke trat dabei selbst als Kandidat für den Posten des Regierungschefs an - und scheiterte im Landtag in Erfurt deutlich. Es ist innerhalb von fünf Jahren bereits das zweite Misstrauensvotum, das die AfD erfolglos gegen einen Thüringer Regierungschef startete.

Höcke erhielt in einer geheimen Abstimmung 33 Ja-Stimmen, eine mehr als die AfD hat, die im Landtag mit 32 Abgeordneten die größte Fraktion stellt. 51 Abgeordnete stimmten mit Nein, es gab eine Enthaltung. Da die Koalition nur 44 Stimmen hat, müssen auch Linke-Abgeordnete wie angekündigt gegen den AfD-Rechtsaußen gestimmt haben. Für einen Sturz von Voigt wäre eine absolute Mehrheit von 45 Stimmen nötig gewesen. Der 48-Jährige, der seit Ende 2024 Deutschlands einzige Brombeer-Koalition führt, bleibt damit im Amt.

Erst Rücktrittsforderung und dann Misstrauensvotum

Auslöser für den Misstrauensantrag war eine Entscheidung der Technischen Universität (TU) Chemnitz, Voigt den Doktortitel wegen Mängel in seiner Dissertation zu entziehen. "Ich halte die Entscheidung der TU Chemnitz für falsch und deswegen gehe ich als Privatperson dagegen vor", bekräftigte Voigt in einer Rede im Landtag. Er hatte der TU Chemnitz bereits zuvor vorgeworfen, Bewertungskriterien im laufenden Verfahren geändert zu haben. 

Höcke hatte nach dem Entzug der Doktorwürde Voigts Rücktritt gefordert - dann beantragte seine Fraktion das Misstrauensvotum. Der AfD-Partei- und Fraktionschef begründete den Antrag in seiner Rede im Landtag mit einem Vertrauensverlust des Regierungschefs. "Es geht um Vertrauen und es geht um Glaubwürdigkeit." Höcke verwies auf andere Politiker, die nach Plagiatsvorwürfen in ihrer Doktorarbeit zurückgetreten seien - er nannte unter anderem die ehemaligen Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan.

"Showveranstaltung", "Schmierentheater"

Vertreter der Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD kritisierten das Agieren der AfD im Landtag als "Showveranstaltung" oder "Schmierentheater". CDU-Fraktionschef Andreas Bühl warf Höcke vor, das Misstrauensvotum zur Bühne für sich selbst zu machen. "Sie verlangen Macht, ohne dass sie dieses Land zusammenhalten können." Im Landtag bleiben durch das Agieren der AfD wichtige Beratungen und Entscheidungen auf der Strecke, sagte BSW-Fraktionschef Frank Augsten. Seine Fraktion sei es leid, "sich ständig mit ihren durchsichtigen Showeinlagen auseinanderzusetzen." Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Christian Schaft, warf der AfD vor, das Vertrauen in Institutionen und die Demokratie zu untergraben.

Höcke scheiterte schon einmal vor fast fünf Jahren

Der Landesverfassung zufolge kann das Parlament dem Ministerpräsidenten "das Misstrauen nur dadurch aussprechen, dass er mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt". Auf dem Wahlzettel stand nur Höcke. Der AfD-Rechtsaußen war bei einem Misstrauensvotum seiner Fraktion bereits 2021 gegen den damaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) gescheitert. 

Im Thüringer Landtag bestehen schwierige Mehrheitsverhältnisse mit einem Patt zwischen Koalition und Opposition. Voigts Brombeer-Koalition verfügt über 44 von 88 Stimmen. Die Thüringer AfD wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet. (dpa)
 

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