Politik

Manche Händler sind kreativ. (Foto: dpa/Martin Schutt)

08.01.2021

Über 5000 Einzelhändler in Bayern müssen aufgeben

Endlich erlaubt die Staatsregierung die Abholung von Ware in den Geschäften – leider erst drei Wochen nach Weihnachten

Endlich erlaubt Bayern das sogenannte Click and Collect. Das Bestellen von Waren online oder telefonisch, um diese dann direkt beim Einzelhändler abzuholen, war in anderen Bundesländern bereits gestattet. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte sich massiv dafür eingesetzt, den Händlern eine Perspektive zu geben. Zu einem bestimmten, vorher festgelegten Zeitpunkt kann die Kundschaft jetzt ihre Bestellung abholen – mit FFP2-Maske.

Für den Sporthändler Udo Siebzehnrübl aus Altötting kommt das zu spät. Denn das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft ist bereits durch. Noch Anfang der Woche wollte er seine fünf Filialen in Oberbayern am kommenden Montag trotz Lockdown-Verlängerung öffnen, um so auf die Verzweiflung im Einzelhandel aufmerksam zu machen. Davon rückte er ab, weil rechte Gruppen die Aktion für ihre Zwecke instrumentalisieren wollten.

Jetzt holt der Händler seine Azubis und geringfügig Beschäftigten in seine Geschäfte, um Bestellungen zu bearbeiten. In den BayWa-Bau- und Gartenmarkt im Nürnberger Norden wiederum muss kein zusätzliches Personal kommen, um Click and Collect umzusetzen. „Es sind immer zehn Leute da, weil wir nach wie vor für die Handwerker geöffnet haben“, erklärt Filialleiter Erwin Dressendörfer.

Lockdown kostet pro Tag 150 Millionen Euro Umsatz

Für den Einzelhandel in Bayern mit seinen über 400.000 Beschäftigten in 55.000 Unternehmen und einem Jahresumsatz von über 110 Milliarden Euro – somit eine der größten und bedeutendsten Branchen – ist Click and Collect ein Lichtblick. Denn laut Handelsverband Bayern (HBE) kostet jeder Lockdown-Tag 150 Millionen Euro Umsatz. Bisher ging man davon aus, dass rund 5000 Einzelhandelsgeschäfte nicht überleben werden. Trotz Click and Collect „werden es deutlich mehr sein“, befürchtet HBE-Sprecher Bernd Ohlmann. Er freut sich zwar über die neue Möglichkeit, sieht darin aber nur einen Strohhalm für die Händler.

Dagegen profitiert der Online-Handel nach wie vor. Von den 3 Milliarden Euro Umsatz, die im Weihnachtsgeschäft ausgegeben wurden, sind laut Ohlmann 40 Prozent an Amazon gegangen. Auch Zalando, Otto.de und Ebay hätten enorm profitiert.

Weil das alles an die Substanz der Händler geht und die Verpächter der Ladenflächen kaum zu Zugeständnissen bei den Mieten bereit sind, macht sich der Bayerische Städtetag Gedanken über die Zukunft der Innenstädte. Eine Tagung im Sommer soll den Kommunen Handlungsoptionen aufzeigen.

Klar ist, dass Kaufhäuser, wenn sie nicht überleben, nicht so einfach nachgenutzt werden können. Ob dann in die ehemaligen Warenhäuser Volkshochschulen oder Stadtbibliotheken einziehen, bleibt abzuwarten. Zumindest wären diese Einrichtungen dann wieder in innerstädtischen Lagen vertreten.

Die Politik muss ihre Hilfen für die Einzelhändler jedenfalls verbessern. Auch deshalb, weil viele Händler sich auf die Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Anfang September verlassen haben, dass der Einzelhandel bei einem erneuten Lockdown nicht wieder geschlossen werden darf. Daraufhin orderten die Händler Ware fürs Weihnachtsgeschäft, auf der sie jetzt sitzen.
(Ralph Schweinfurth)

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Kommentare (1)

  1. Günter vor 1 Woche
    Wie die Zahlen gezeigt haben, wird das insolvente Einzelhandelsgeschäft spätestens einem Monat nach Schließung, durch einen Familienangehörigen neu geöffnet.
    Damit sind die Schulden um Überbrückungshilfen nicht mehr vom Schuldner zu holen und das Geschäft läuft schuldenfrei weiter.
    Ergo, viel Lärm um nichts.

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