Politik

Die Kommunalwahl am 8. März sorgte für Überraschungen, bei den Stichwahlen am 22. März wird’s noch mal spannend. (Foto: dpa, Chromorange, Michael Bihlmayer)

13.03.2026

Und jetzt? Die Tops und Flops der Kommunalwahl

Bayern hat gewählt. Die BSZ zeigt die wichtigsten Trends und Besonderheiten

Bayern hat gewählt. Die BSZ zeigt die wichtigsten Trends und Besonderheiten.

Mehr Stichwahlen:
Der Trend geht klar zur Stichwahl. In den 22 kreisfreien Städten, in denen am Sonntag ein neuer Oberbürgermeister gewählt wurde, gab es nach dem ersten Wahlgang in nur fünf bereits einen Sieger – darunter außer Fürth keine Großstadt. Das sind gerade einmal 23 Prozent. Bei den Kommunalwahlen vor zwölf Jahren setzte sich noch in 74 Prozent der kreisfreien Städte ein Kandidat bereits im ersten Wahlgang durch. Zudem gab es 2014 bei mehr als zwei Drittel der Landratswahlen im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit. Diesmal war dies nur in etwas mehr als der Hälfte der Fall. Der Trend zu Stichwahlen ist auf dem Land etwas schwächer ausgeprägt.

AfD etabliert sich:
Auf den ersten Blick wirkt die AfD wie der große Sieger. Sie kommt in den 96 Landkreisen und kreisfreien Städten auf 12,2 Prozent. In der oberfränkischen Gemeinde Frensdorf wird sie stärkste Kraft, in Ingolstadt Nummer zwei. In der Audi-Stadt sind viele frustriert vom Verbrenner-Aus. Erstmals schaffte es die AfD für die Wahl der Kreistage und der Stadträte der kreisfreien Städte, fast flächendeckend Listen aufzustellen. Doch in vielen Gemeinden oder kleineren Städten scheiterte die AfD bereits im Vorfeld. Sympathisanten kandidierten oft nicht – zu groß die Angst vor einem Rufschaden. Dass der Partei im Freistaat charismatische Persönlichkeiten fehlen, zeigte sich in den Landrats- und Bürgermeisterwahlen: Kein Kandidat erreichte in Landkreisen und Kommunen ab 10 000 Einwohnern eine Stichwahl oder gewann gar aus dem Stand. Landeschef Stephan Protschka hätte sich „ein besseres Ergebnis erhofft“.

Minus für CSU, SPD, Grüne:
Für die CSU ist die Wahl kein Grund zu feiern: Ihr Stimmenanteil in den Landkreisen und kreisfreien Städten sank im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren um 2 Prozentpunkte auf 32,5 Prozent. Das ist das mieseste Kommunalwahlergebnis seit 1952. Doch Parteichef Markus Söder kann dem Votum etwas Gutes abgewinnen: „Wir sind klar die Nummer eins.“ Tatsächlich wird die CSU wohl weiterhin die große Mehrheit der Landräte stellen und hat es in viele OB-Stichwahlen geschafft – nicht so jedoch in München. Und auch in Bamberg scheiterte Ex-Gesundheitsministerin Melanie Huml zum Missfallen Söders bereits im ersten Wahlgang.

Bei den Mandaten nennenswert zulegen konnte die Linke. Die Sozialdemokraten verlieren 1,4 Punkte und kommen auf 12,3 Prozent – ein historisch schlechtes Ergebnis, das sinnbildlich für das verheerende Abschneiden von Münchens OB Dieter Reiter steht. Vor allem in größeren Städten bleiben die Genossen aber eine relevante Kraft, werden wieder zahlreiche Bürgermeister stellen. Die Grünen konnten nur in wenigen größeren Kommunen die Stichwahlen erreichen. Mit 13,6 Prozent (minus 3,9 Punkte) bleiben sie immerhin zweitstärkste Kraft. Die Freien Wähler liegen stabil bei gut 12 Prozent. Die FDP ist dagegen in der Liga der ÖDP angekommen.

Amtsbonus zählt weniger:
Wer als amtierender Landrat oder Bürgermeister noch einmal antrat und keine Skandale am Hals hatte, konnte sich früher seiner Wiederwahl sicher sein. Das gilt nicht mehr. In Kulmbach etwa wurde der amtierende SPD-OB Ingo Lehmann abgewählt. In Erlangen und Aschaffenburg holten CSU-Kandidaten im ersten Anlauf mehr Stimmen als die SPD-Amtsinhaber – in Schweinfurt ist es umgekehrt.

Bürgermeister wider Willen:
In mehreren Gemeinden wie Philippsreut im Bayerischen Wald wurden Einwohner zum Bürgermeister gewählt, obwohl sie gar nicht zur Wahl standen. Dies ist möglich durch eine Besonderheit im Wahlrecht.Fehlt ein Kandidat, können die Bürger jemanden aus dem Ort vorschlagen.
(Tobias Lill)
 

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