Politik

22.05.2020

Urlaubsgutscheine: Unausgegorene Idee

Ein Kommentar von Jürgen Umlauft

In der Corona-Krise hat Markus Söder erheblich an Ansehen gewonnen. Das zeigen seine aktuellen Beliebtheitswerte nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland. Trotz Ausnahmesituation wirkten sein konsequenter Ansatz zur Pandemie-Bekämpfung und sein vorsichtig tastender Weg zurück Richtung Normalität schlüssig und durchdacht. Offenbar tritt der CSU- und Regierungschef jetzt aber in eine Phase ein, in welcher der alte Söder wieder zum Vorschein kommt. Ein Söder, den die schnelle Schlagzeile reizt und dem populistische Anwandlungen nicht fremd sind.

In diese Kategorie passt seine Idee, an Familien mit geringem Einkommen Gutscheine zu verteilen oder ihnen Steuervorteile zu gewähren, wenn sie ihren Sommerurlaub in Deutschland, noch besser in Bayern, verbringen. Mancher fühlt sich schon an den Rohrkrepierer Ausländermaut erinnert. Juristisch könnte da was dran sein, denn europarechtskonform klingt der Vorschlag nicht. Es würde Söder wohl auch nicht gefallen, wenn Italien seinen Bürgern eine Kaufprämie nur für italienische Autos gewähren würde oder Österreich den seinen einen Rabatt auf österreichisches Bier.

Wie würde es Söder gefallen, wenn die Österreicher Rabatt auf österreichisches Bier gewährten?

Unausgegoren ist der Vorschlag auch deshalb, weil Söder statt der Gutscheine in Erwägung zieht, die Urlaubsausgaben von der Steuer absetzen zu lassen. Für die angesprochenen Geringverdiener wäre das eine ziemlich theoretische Hilfe. Wer ohnehin fast keine Steuern zahlt, profitiert von einer solchen Entlastung bestenfalls im Cent-Bereich. Ein Familienurlaub in Deutschland lässt sich davon nicht finanzieren. Umgekehrt würde vielleicht ein Schuh daraus: Steuererleichterungen für Hoteliers, die vergünstigten Familienurlaub ohne Herkunftsnachweis anbieten.

Doch auch dann würde die als pfiffig gedachte Kombination aus sozialer Wohltat und Hilfe für die von Corona gebeutelte Tourismusbranche nicht die gewünschte Wirkung entfalten. Denn die Hoteliers brauchen Unterstützung wegen der aktuellen Verluste. Die Buchungen für die Sommersaison laufen nämlich auch ohne staatliche Hilfe gut. Außerdem: Wer auf japanische Reisegruppen spezialisiert ist, wird nicht über Nacht Familienhotel. Und würden Ballermann-Billigurlauber in ein Wellnesshotel im Bayerischen Wald passen? Auf diese Gäste ist man dort auch in Krisenzeiten nicht scharf.

Kommentare (1)

  1. Zitrone am 22.05.2020
    Eine Schnapsidee. Jetzt kommen auch wieder die alten Forderungen weg mit dem Soli für alle, Kaufprämien für Audi, BMW, Mercedes, dabei wäre jetzt gerade die finanzielle Solidarität der oberen Zehntausend wichtig. Hinter der weissblauen Maske steckt doch nur wieder der alte Söder. Schade.
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