Politik

Was Männer sollen und was sie wollen: Braucht’s zur Klärung dieser Fragen einen Männerrat? (Foto: dpa/PantherMedia, Denis)

03.10.2026

Was Männer heute sein dürfen: Münchner Psychologe plant Männerrat

Der Münchner Psychologe Max Schwarz will noch im Oktober einen Männerrat gründen. Er möchte auch traditionelle Vorstellungen von Stärke, Heldentum und Ehre wieder als legitime Optionen zulassen – doch selbst unter Männergruppen ist der Vorstoß umstritten

Es gibt sie noch: Männer, die bewundert werden möchten für ihren Bizeps, ihren Porsche oder ihr siebenstelliges Jahreseinkommen. Wenige trauen sich, das offen zuzugeben, sagt der Münchner Psychologe Max Schwarz. Es widerspricht der Political Correctness und stößt in bestimmten Kreisen auf Befremden. Das will der 44-Jährige ändern. Deshalb ist er dabei, einen Männerrat zu gründen. Doch unter Männern ist sein Vorstoß umstritten.

Schwarz hat kein Problem mit Begriffen wie „Heldentum“ und „Ehre“, Konzepte, die viele als aus der Zeit gefallen ansehen. Schwarz betont: „Wir sind keine Traditionalisten oder Reaktionäre.“

„Wir sind keine Traditionalisten oder Reaktionäre“

In etlichen Gruppen bundesweit treffen sich Männer, die es abturnt, welches Männerbild in der Werbung zum Tragen kommt: toughe Typen mit Waschbrettbauch. Immer mehr Männer möchten ihre weiche Seite entdecken. Schwarz findet das okay. Was ihn aber stört: dass die meisten Männergruppen ausschließlich dieses Feld beackern.

Er plädiert für eine Art Rollback und dafür, diese Begriffe wieder zuzulassen – für Männer, die sich damit identifizieren. Männer, so glaubt er, lebten ohne dieses Tabu besser: „Wobei wir nicht auf Kosten von Frauen besser leben wollen.“ Und meint sogar, dass sein Männerrat helfen könnte, die Spaltung der Geschlechter zu überwinden, die durch die Diskussion über „toxische Männlichkeit“ vertieft wurde.

Ist das so? Der Deutsche Frauenrat jedenfalls ist nicht glücklich über Schwarz’ Männerrat-Initiative. Es gebe bereits eine Interessenvertretung auf Bundesebene, so der Frauenrat, und zwar das 2010 gegründete „Bundesforum Männer“. Dieses Bundesforum möchte sich nicht gegenüber der geplanten Konkurrenz positionieren.

Braucht’s das echt: Männerhäuser als Schutzräume?

Es verweist darauf, dass man sich selbst als der gleichstellungspolitische Dach- und Interessenverband für Jungen, Männer und Väter in Deutschland betrachtet.

Der Leiter von „MUC MEN“, einer Münchner Männergruppe, die Männern im Sinne von Schwarz zu „gesunder Männlichkeit“ verhelfen möchte, hat inzwischen genug Mitstreiter, um den Männerrat gründen zu können. Noch im Oktober soll das geschehen.

Der Kölner Psychologe Michael Klein, der sich mit Männerfragen beschäftigt, findet das gut. Er verweist darauf, wie sich der Deutsche Frauenrat und das Bundesforum Männer finanzieren. Beide hingen am „politischen Geldtropf“, sagt er. „Darum sind sie nicht unabhängig.“ Den Ansatz von Schwarz hält er für nachvollziehbar: „Jungs sind verwirrt, was sie heute noch sein dürfen.“ Als Mann stark zu sein, sich als Beschützer zu sehen, könne eine legitime Option für Männer sein. Es sei wichtig, dass wieder das gesamte Spektrum an Optionen, Mann zu sein, gelebt werden darf.

Der Traumatherapeut Martin Braun aus Nürnberg verhilft seinen Geschlechtsgenossen dazu, über innere Vorgänge zu sprechen. Er bietet seit acht Jahren Mentoring für hochsensible und hochbegabte Männer an. Lange sei ihr Innenleben eine Blackbox für die Betroffenen gewesen, sagt er: „Darüber haben sie nicht geredet, im Gegensatz zu Frauen.“ Wenig thematisiert wurde vor allem, was Rollenstereotype mit Männern machen können. Internalisierte Rollenbilder stereotyper Männlichkeit könnten problematisch sein, Lebenswege und Beziehungen erschweren. Es könne enorm helfen, darüber mit anderen zu sprechen.

„Jungs sind verwirrt, was sie heute noch sein dürfen“

Experten wie Braun begleiten Männer, damit sie in ihre Blackbox hineinsehen können. Ihm ist es darüber hinaus ein Anliegen, darauf aufmerksam zu machen, was gesellschaftlich mit Blick auf Männer im Argen liegt. Völlig unterbelichtet sei das Thema Gewalt gegen Männer. Braun wünscht sich mehr Schutzräume für Männer – als Pendant zu Frauenhäusern.

Eine Gruppe, die Männern bei der Selbstsuche und nach Konflikten wie einer Trennung hilft, trifft sich seit zehn Jahren in Wuppertal. „Was Mann gut tut“, nennt sich der Verein. Vereinsvorstand Andreas Dittmar bezweifelt indes, dass es einen bundesweiten Männerrat braucht. Auch er verweist auf das bereits existierende Bundesforum.

Im Wuppertaler Verein wird darüber diskutiert, was thematisch gerade für Männer in der Region relevant ist. „Die Bedarfe ändern sich“, so Dittmar. Die Vereinsmitglieder haben unterschiedliche Probleme. Der eine war lange verheiratet und steckt nun mitten in der Trennung. Der andere ist alleinerziehend. Der dritte bangt um seinen Job. In den Gruppen begleiten sich die Männer durch schwierige Situationen. Steht die Entscheidung über das Sorgerecht der Kinder an, ist das für alle Männer beängstigend. Groß sei die Furcht, so Dittmar, dass man seine Kinder aufgrund eines richterlichen Beschlusses kaum noch sehen darf. (Pat Christ)

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