Politik

Wasserkraftwerk der ehemaligen Isar-Amper Werke (heute eon Bayern) von 1904 an der Isar im Mühltal in Strasslach. (Foto: Robert B. Fishman, dpa)

27.07.2018

Wetterunabhängig und rund um die Uhr

Die Energiewende braucht die Wasserkraft dringend – vor allem kleine Anlagen stehen aber vor großen Herausforderungen

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung im Freistaat ist seit 2010 von 25,9 Prozent auf 43,3 Prozent in 2016 gestiegen, so Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU). Doch ohne Wasserkraft würde die Energiewende nicht funktionieren, wie jüngst erst wieder ein Gutachten der Bergischen Universität Wuppertal zeigt. Denn sie erzeugt wetterunabhängig rund um die Uhr CO2-freien Ökostrom.

Vor allem der „kleinen Wasserkraft“ – also Anlagen, die weniger als ein Megawatt Strom pro Jahr erzeugen – kommt dabei eine große Bedeutung zu. Durch einen geringeren Netzausbau und einen stabilen Netzbetrieb reduziert ihr Bestand die Kosten um rund eine Milliarde Euro gegenüber einem Szenario ohne diese Anlagen, heißt es in der Wuppertaler Kurzstudie. „Damit sie diese Vorteile aber auch ausspielen kann, sollte die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode Rahmenbedingungen schaffen, die den Erhalt und den Ausbau der kleinen Wasserkraft sichern“, erklärt Hans-Peter Lang, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke.

Es wird immer schwieriger, Wasserkraftwerke zu betreiben

Doch davon ist man zur Zeit im Freistaat weit entfernt. So moniert Fritz Schweiger, erster Vorsitzender der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB), dass immer mehr Herausforderungen überwunden werden müssen, um Wasserkraftwerke betreiben zu können. Zähe Bewilligungsverfahren, viele Gutachten und Mindestwasservorgaben für den Fischbestand gehören dazu. Das alles kostet die kleinen Wasserkraftbetreiber sehr viel Geld.

„Wir benötigen auch in Bayern Bedingungen, die den Erhalt und den Ausbau der kleinen Wasserkraft sichern“, betont der Ex-Landtagsabgeordnete Hermann Steinmaßl (CSU), dritter VWB-Vorsitzender und Altlandrat des Landkreises Traunstein. Er und Schweiger sind darum froh, dass das Thema Mindestwasser ökologisch und ökonomisch neu angegangen wird. Über ein Konsultationsverfahren will das Umweltministerium herausfinden, wie viel Wasser durch eine Anlage fließen muss, damit sich einerseits die Stromerzeugung rentiert und andererseits die Fische sich weiterhin frei bewegen können. Wie das Verfahren ablaufen wird, ist allerdings noch nicht klar.

„Wir wundern uns, mit welcher Akribie von den Naturschutzverbänden und teilweise auch von den Behörden die Erhöhung der Durchgängigkeit für die Fische an kleinen Wasserkraftwerken gefordert wird, während die für unseren Wasserhaushalt viel wichtigeren Maßnahmen, wie die Ausweisung neuer Wasserschutzgebiete und die Umsetzung strengerer Maßnahmen zur Verhinderung der Überdüngung unserer Böden, sträflich vernachlässigt werden“, sagt Detlef Fischer, Geschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft.

Frank Pöhler, Geschäftsführer der Bayerischen Elektrizitätswerke GmbH aus Augsburg, verweist darauf, dass die Wasserkraft viele gesellschaftliche Zusatzaufgaben unentgeltlich übernimmt, etwa beim Hochwasserschutz, der Stützung der Flusssohlen und des Grundwasserspiegels oder bei der ökologischen Gewässerentwicklung. Darum meint er: „Hier wäre eine stärkere politische Unterstützung oft wünschenswert.“ (Ralph Schweinfurth)

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