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Im Barock wurden im Langhaus die gotischen Gewölberippen abgeschlagen, um den Deckenmalereien Platz zu geben. Diese wurden im Laufe der Baugeschichte mehrfach restauriert und zum Teil auch übermalt. (Foto: Rolf Sturm)

10.07.2020

Architektonischer Kirchenschatz

Die renovierte Klosterkirche Windberg zeigt das markante Miteinander der Baustile zwischen Romanik und Barock

Im vergangenen Jahr gab es in Bayern 13 Feiertage, die Stadt Augsburg gönnte sich dank ihres Friedensfestes im August sogar 14 – genau wie eine kleine Gemeinde am Rande des Bayerischen Walds. Der zusätzliche, freilich nicht ganz offizielle Feiertag fiel dort auf den 12. Mai. An diesem Sonntag wurde nach über zwei Jahren Sanierungszeit der erste Gottesdienst in der Pfarr- und Klosterkirche der Prämonstratenserabtei Windberg gefeiert. Wohin man auch blickte: zufriedene Gesichter.

Ursprünglich war nur geplant, der Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt einen neuen Anstrich zu verpassen. Doch bei genauerem Hinsehen war das eine zum anderen gekommen – und schließlich stand eine Rundumerneuerung der Kirche an. Denn Dach und Fassaden waren zwar zwischen 2002 und 2004 saniert worden, eine umfassende Renovierung der gesamten Kirchenanlage hatte aber zuletzt in den Jahren 1966 bis 1972 stattgefunden. Viel Zeit, die seither vergangen war – was man dem Kircheninneren allmählich auch ansah. Ein Auszug aus der Mängelliste: Feuchteund Salzbelastung der Putzoberflächen, Pilzbefall an Ausstattungsgegenständen, Verschmutzung der Wände und Raumschale durch Konvektionsheizung, statische Schäden an Emporen und Kanzel, Schäden am Steinboden und Boden des Gestühls. Kurz: Das Kircheninnere war alles andere als in einem guten Zustand.

Im Januar 2017 rückten die Bautrupps an, brachten St. Mariä Himmelfahrt für mehr als drei Millionen Euro auf Vordermann. Die Arbeiten unter der Gesamtleitung des Staatlichen Bauamts Landshut hatten zwei Schwerpunkte: Bestandssicherung und damit Beseitigung der Schäden sowie Modernisierung durch die Installation neuer Technik. So wurde etwa statt der früheren im Mittelgang hängenden Kronleuchter eine neue LED-Beleuchtung eingebaut, mit der sich über ein computergesteuertes Pult verschiedene Atmosphären bei den Gottesdiensten erzeugen lassen. Der neue Beichtstuhl kann sowohl für die anonyme Beichte als auch für ein offenes Beichtgespräch genutzt werden. Das Laiengestühl erhielt ein neues Podest. Die Wärmeversorgung ist an die Fernwärme des Klosters angeschlossen.

Zur Verbesserung des Raumklimas und der Trockenlegung der feuchten Wände wurde eine warmwassergeführte Wandtemperierung installiert, der Altarraum erhielt eine Fußbodenheizung. Sowohl die Hauptorgel als auch die Chororgel wurden generalüberholt, neu gestimmt und intoniert. Ein eigener Wettbewerb wurde für die künstlerische Ausstattung des Altarraums ausgelobt. Sie beinhaltet unter anderem die Gestaltung von Altar und Ambo aus Adneter Marmor, von Sedilien, Vortragekreuz, Oster- und Altarleuchter, der Verehrungsorte des heiligen Norbert und der heiligen Maria, und in Zusammenhang mit der Neugestaltung des Tauforts die Deponierung der heiligen Öle.

Die Gesamtkosten der umfangreichen Arbeiten betrugen 3,05 Millionen Euro. Davon wurden vom Freistaat Bayern im Rahmen der staatlichen Baupflicht 1,1 Millionen Euro direkt finanziert. Weitere staatliche Fördermittel in Höhe von 400 000 Euro standen für den denkmalpflegerischen Mehraufwand zur Verfügung. Von dem auf die Kirche entfallenden Restbetrag in Höhe von 1,55 Millionen Euro trugen die Diözese Regensburg und die kleine Pfarrgemeinde Windberg die Hauptanteile. Die Gemeinde Windberg und der Bezirk Niederbayern beteiligten sich ebenfalls am kirchlichen Finanzierungsanteil.

Lange Gründungsphase

Zum Festgottesdienst im Mai 2019 kamen zahlreiche Persönlichkeiten aus Kirche und Staat – wie schon gut 850 Jahre zuvor, als die Klosterkirche 1142 erstmals feierlich geweiht worden war. Jenes Jahr gilt gemeinhin als die Geburtsstunde von Kloster Windberg. Aber auch wenn ein konkretes Gründungsdatum existiert, sollte besser von einem Gründungsprozess gesprochen werden, der sich über mehrere Jahrzehnte hinzog und im Kern von 1125 bis 1146 dauerte.

Kloster Windberg wurde am gleichnamigen, ursprünglichen Sitz der Grafen von Bogen errichtet – jener Grafen, deren weiß-blaue Wecken auf Umwegen rund ein Jahrhundert später an die Wittelsbacher fielen und bis heute das bayerische Staatswappen prägen.

Reste der Burg im Klosterarreal

Die späteren Grafen von Bogen hatten bereits um 1100 dem Benediktinerkloster Oberaltaich ins Leben geholfen. Graf Adalbert oder auch Albert II. ließ nach überstandener Krankheit eine Kapelle bei Windberg bauen, die der Regensburger Bischof Hartwig I. 1125 weihte. Auf Drängen von mehreren Seiten überließ Albert II. – zunächst wenig angetan von einer weiteren Klostergründung – mehreren Geistlichen seine Burganlage in Windberg für eine Klostergründung und ließ sich in Bogen nieder. Die Grundmauern der Burg finden sich noch heute im Klosterbereich. Die lose Windberger Priestergemeinschaft, schon zuvor betraut mit Seelsorge, Lehr- und Verwaltungsarbeiten, wurde spätestens ab 1140 als feste Ordensgemeinschaft in den Prämonstratenserorden aufgenommen. Warum gerade die Prämonstratenser? Darüber wird in der Geschichtswissenschaft gerätselt, die Literatur dazu füllt ein ganzes Regal. Fest steht nur, dass es irgendwann wohl eine Verbindung gab zwischen Graf Albert II. und Norbert von Xanten, der im nordfranzösischen Prémontré 1121 einen Orden gegründet hatte.

Als eigentliche Geburtsstunde für Kloster Windberg betrachtet die Geschichtswissenschaft jedenfalls das Datum 21./22.Mai 1142, als der Olmützer Bischof Heinrich Zdik den Chorraum der dreischiffigen Klosterkirche weihte – einer Klosterkirche, die zu diesem Zeitpunkt allerdings noch im Entstehen war. Gebaut war nur ein Torso, das Presbyterium lediglich mit einem Notdach versehen. Immerhin: Drei Altäre in den Apsiden standen schon. Langhaus und Portale waren etwa um 1230 fertiggestellt. Mitte des 13. Jahrhunderts kam der Turm hinzu.

An der Weihe nahm Graf Albert II. von Bogen teil. Der böhmische Herzog Vladislav II., der Bischof Heinrich Zdik begleitete, sicherte die Dotation des Klosters mit Zustiftungen der böhmischen Ortschaften Schüttenhofen und Albrechtsried. Das Kloster wurde zu Ehren der Jungfrau Maria geweiht, 1146 von Papst Eugen III. bestätigt und zur Abtei erhoben. Nach Ausbau der Kirche erfolgte am 28. November 1167 ihre Einweihung durch den Olmützer Bischof Johannes IV.

Seelsorge bis nach Böhmen

Bereits unter Abt Gebhard, 1141 aus dem rheinländischen Doppelkloster Bedburg bei Kleve nach Windberg gekommen, erlebten Kloster und Kirche Jahrzehnte des Aufschwungs. 1147 wurde auf Bitten von Hedwig, der Witwe Graf Alberts II., ein Frauenkonvent gegründet, der bis ins 18. Jahrhundert hinein bestand. Auch eine berühmte Schreibschule entstand unter Gebhards Leitung. Von Windberg aus betrieben die Prämonstratenser weit in den Bayerischen Wald bis nach Böhmen hinein Seelsorge. Die Chorherren betreuten die Pfarreien St. Englmar, Viechtach (1616 eingetauscht für das näher gelegene Hunderdorf), Albertskirchen bei Waltendorf und die böhmischen Pfarreien Albrechtsried und Schüttenhofen. Die Kirche und der Meierhof in Sossau, eine Schenkung der Grafen von Bogen, wurden zum wirtschaftlichen Standbein des Klosters. Bereits um 1300 entwickelte sich in der Kirche die Wallfahrt zu „Unser Lieben Frau von Sossau“. Als einer der ältesten Marienwallfahrtsorte in Bayern erlebte Sossau seine Blüte im Barock.

Windbergs Blütezeit war das 15. Jahrhundert: Die Klosterkirche erhielt ein gotisches Gewölbe, Klostergebäude wurden neu errichtet, die Mönche schwärmten nach ganz Europa zum Studieren aus. Schöne Zeiten – die sich politisch bedingt rasch änderten. Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde das Kloster 1504 schwer in Mitleidenschaft gezogen ... (Tobias Nagler)

Lesen Sie den vollständigen, reich bebilderten Beitrag in der UNSER BAYERN, Ausgabe Juli/August 2020 in der BSZ Nr. 28 vom 10. Juli 2020

Abbildung: Ein Seitenaltar, in dem unter anderem Reste von Glasflitter als Teil der Erstfassung zu finden sind. (Foto: Rolf Sturm)

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