Unser Bayern

19.02.2010

Die sprechende Gestalt von Wahrheit und Leben

Vor 150 Jahren wurde Thomas Buscher geboren, der als einer der Meister des Historismus gilt

Die Kunstepoche des Historismus mit seinem Stilpluralismus ist bis heute nur zum Teil erschlossen – wohl vor allem deshalb, weil den Künstlern meist zu Unrecht zu wenig kreative Eigenständigkeit angelastet wurde. Die Namen vieler Bildhauer, Maler und Architekten sind vergessen, viele ihrer Werke sind nicht zuletzt durch Kriegszerstörung verloren gegangen, einiges ist aber auch erhalten, ohne dass man sich heute der Urheber bewusst wäre. Das gilt etwa für die vielen Kunstschätze, die Thomas Buscher an über 100 Orten hinterlassen hat – das meiste in Süddeutschland, ein Viertel davon in Franken. An den Künstler (1860 bis 1937), den schon Zeitgenossen als Meister des Historismus rühmten, erinnerte vor drei Jahren erstmals in größerem Stil eine Wanderausstellung – Anlass war sein 70. Todestag. Heuer, zu seinem 150. Geburtstag am 7. März werden zahlreiche Kirchengemeinden, die Buschers Kunstwerke beherbergen, an diesen Geburtstag erinnern. Obendrein ist eine Kunst-Monografie zu seinem Schaffen in Vorbereitung. Thomas Buscher, im tauberfränkischen Gamburg als sechstes Kind eines Steinmetzmeisters geboren, ging nach Lehrabschluss bei seinem ältesten Bruder Karl Anton zu seinem Bruder Clemens nach München – die Residenzstadt zog viele Künstler an. Seit früher Zeit interessierten ihn das Holzbildhauerhandwerk und die sakrale Kunst. Seine religiöse Prägung spiegelt auch der Leitspruch seines Skizzenbuches wider: „Bet und arbeit, Gott hilft allzeit“. Bei Joseph Elsner in München begann er seine Ausbildung als Holzbildhauer, die ihn auch in die Kunstanstalt Markgraff in München und zum Holzschnitzer Maier in Saulgau führte. 1880 nahm Thomas Buscher das Studium der Bildhauerkunst an der Akademie der Schönen Künste bei Prof. Knabl auf und ging mit seinem Bruder Clemens auf einen längeren Studienaufenthalt nach Italien. Eine andere Reise führte ihn noch weiter weg von der Heimat: In der Bildhauerwerkstatt seines Bruders Sebastian in Chicago arbeitete er zwei Jahre lang mit, bevor er sich 1886 endgültig in München niederließ. Zusammen mit Sebastian betrieb er eine Firma, die „Gebrüder Buscher“ bzw. „Buscher Brothers“ mit Sitz in Chicago und München, die sakrale Kirchenausstattungen aller Art anbot. Ferner übernahm er in freier Mitarbeit unter anderem Aufträge nach den Altarentwürfen von Joseph Elsner und betrieb später zeitweise ein gemeinsames Atelier mit dem aus Aschach bei Bad Kissingen stammenden Bildhauer Balthasar Schmitt, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. (Charlotte Baumann-Hendriks)

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