Unser Bayern

Das Schlossareal aus der Luft. (Foto: SZ Photo/Werner Riehm)

07.05.2021

Fürstlich-fränkisches Lustschloss

Als prachtvoll inszenierte Sommerresidenz zog Seehof vor den Toren Bambergs Gäste von nah und fern an

"Gegen Abend um halb sieben langten wir zu Seehof, einem eine Stunde von Bamberg liegenden Fürstlich Bambergischen Lustschlosse an... Das vorzüglichste in demselben ist die schöne Aussicht in den Garten … Es sind in diesem Garten viele Wasserkünste … Das schönste ist ein immerwährender Wasserfall an einer Anhöhe.“ Lobende Worte waren das von Friedrich Nicolai in seiner Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz (1781) – bemerkenswert ist das vor allem, weil sich der Berliner Schriftsteller ansonsten in katholischem Gebiet im aufgeklärten Sinne recht kritisch vor allem im Hinblick auf religiöse Sitten äußerte. Anerkennung zollte er auch dem bereits 1779 verstorbenen Hauptgestalter des Landschlosses, dem Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, Adam Friedrich von Seinsheim, „der Pracht und Vergnügen, kostbare Gebäude, Jagden, Opern, Komödien, Musik liebte“. Tatsächlich hatte Seinsheim selbst seinem Bruder schon 1769 in einem Brief offenbart, dass ihm „Opern die schönste(n) Spectacles“ seien. Gleichwohl war er nicht verschwenderisch, wie Nicolai in einer Anmerkung unter Hinweis auf des Bischofs reichen Nachlass nicht zu erwähnen vergaß.

Das Schloss, „ein reguläres Viereck mit vier Kuppeln auf den Ecken“, zugleich Schloss und Festung auf einer kleinen Anhöhe, erlebte wechselnde Bauherren und Besitzer. Von baufreudigen und jagdlustigen Fürstbischöfen über bayerische Könige zu preußischen und fränkischen Baronen kündet die Liste der Eigner. Zugleich wendete sich die Geschichte des Schlosses wie beim englischen Pendant Downton Abbey vom geistlichen zum weltlichen Repräsentieren bis hin zum Verfall. Einer der letzten Besitzer, familiär mit England verbunden, ertrank ausgerechnet beim Besuch einer der mit seiner Tochter befreundeten Churchill-Töchter 1951 im Schlossweiher.

Bereits im 15. Jahrhundert war am Ort der späteren Sommerresidenz und des Jagdschlosses der Bamberger Fürstbischöfe ein Jagdhaus errichtet worden. Das vierflügelige, einst 48, später 79 Räume umfassende Schlossgebäude mit den markanten eckständigen Türmen und je achteckigen Turmzimmern, wie es sich heute präsentiert, entstand allerdings erst im Auftrag des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (regiert 1683 bis 1693). Der Plan stammte von Antonio Petrini, der Bau wurde 1687 begonnen und 1696 abgeschlossen. Nach dem Auftraggeber wird das Schloss auch Marquardsburg genannt. In seiner vierflügeligen Anlage ähnelt es dem Schloss Johannisburg in Aschaffenburg. Unter Fürstbischof Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein wurden 1746 bis 1753 die fürstbischöflichen Wohnräume und der Festsaal ausgestaltet. Mobiliar wie Konsol- und Jahreszeitentische, Sitzgarnituren und wandfeste Schnitzereien (Supraportenrahmen in Schlaf- und Audienzzimmer, Kaminspiegel- und Supraportenrahmen im Weißen Saal) fertigten auswärtige Kunstschreiner, von welchen der bereits in der Residenz Würzburg tätige Zierratenschnitzer Ferdinand Hundt (1703 bis 1758) sowie der Freskenmaler Giuseppe Appiani (1706 bis 1785) die prominentesten Künstler waren.

Blick zu Residenz und Dom

Einen weiteren wesentlichen Anteil an Bau- und Gartengestaltung hatte der 1693 zum Fürstbischof von Bamberg gewählte Lothar Franz von Schönborn, der einen von seinem Vorgänger begonnenen, noch unfertigen Schlossbau vorfand. Er legte den Grundstein der bis heute erhaltenen Gartenstruktur. Es wurde ein axial auf Schloss Seehof bezogenes 21 Hektar großes Grundstück abgesteckt, das wenige Jahrzehnte später durch große Jagdschneisen mit Blickbeziehung zur Bamberger Stadtresidenz und zum Dom erweitert wurde. Die südlich vorgelagerten Weiher mit dem anschließenden Hauptsmoorwald, der treffliche Jagdgründe versprach, waren wichtige Orientierungspunkte. Die natürliche Erhebung, auf der das Schloss stand, wurde in strenge Terrassen umgeformt, der Garten in sechs große Quartiere eingeteilt. Das Schloss bildet den Zentralort, die Wege sind als Alleen ausgeführt. Eine Kastanienallee von 1797 beginnt an der oberen Schlossterrasse und reicht über die Einfriedungsmauern hinaus bis zur Schweizerei im Osten und zur Fasanerie im Westen.

Innerhalb der Barockgärten in Deutschland nimmt der Garten von Schloss Seehof eine Sonderstellung ein und erinnert eher an Gärten italienischer Villen oder holländischer Anlagen, als an die sonst üblichen französischen Vorbilder. Orangerien, Brunnen mit Fontänen, Heckentheater, Boskett- und Broderieparterre vervollständigten die Anlage. Die Orangeriegebäude mit dem Memmelsdorfer Tor und den später hinzugefügten Gewächshäusern auf beiden Seiten gehören zu den bedeutendsten Orangeriebauten in Franken. Die ursprüngliche Orangerie ließ Lothar Franz von Schönborn bereits um 1723 errichten. Ab 1733 wurden unter Friedrich Karl, seit 1729 Fürstbischof von Bamberg, mit der Planung von Balthasar Neumann die Orangerien auf der Nordseite des Lustgartens erneuert. Die Bauarbeiten führte Justus Heinrich Dientzenhofer aus. Die großzügige Anlage mit (früher solchermaßen bestückten) Zitronen- und Pommeranzenhäusern, Glas- und Feigenhaus diente zur Überwinterung für die Orangenbäume (1779 waren es an die 3000) sowie andere exotische Pflanzen, darunter auch Ananas (1792 werden 800 Stück erwähnt). Ein Gärtnerhaus und das nach dem früheren Erbauer benannte Franckensteinschlösschen (1867 abgebrochen) als Privatrefugium der Fürstbischöfe vollendeten die Eckseiten im Norden.

Die von Kurfürst Lothar Franz begründeten Gartenanlagen von Schloss Seehof und Schloss Gaibach gehörten mit der des Würzburger Juliusspitals zur Zeit ihrer Entstehung zu den ansehnlichsten in Franken. Der eigentliche Höhepunkt der Gartenkunst in Schloss Seehof wurde jedoch unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim erreicht, der zur Zeit seiner Regentschaft zwischen 1757 und 1779 unter anderem ein nicht mehr vorhandenes Labyrinth einrichten und eine repräsentative Kaskade an der Südseite bauen ließ. Im Mittelpunkt des Gartens steht die 1771 geschaffene, nach der Säkularisierung zunehmend verfallene und 1995 wieder in Betrieb genommene Kaskade. Ihr Programm verkündet den Ruhm des Herkules – stellvertretend für den des Fürstbischofs. Die Planungen durch Johann Michael Fischer begannen 1761, die künstlerische Gestaltung übernahm Ferdinand Tietz. Der Baubeginn war 1764 und die Inbetriebnahme 1771. Ein entsprechendes lateinisches Gedicht der Bamberger Jesuiten von 1764, die „Deliciae hortensis“ oder „Gartenlust der Marquardsburg“, huldigte der Gesamtanlage wie der Neuschöpfung der Kaskade, „wo in des Strudels Bauch … Das Wasser schlagt im Grund, saußt, braußt, und dringt sich durch“. Auch ein Berichterstatter der im benachbarten Coburg gedruckten Zeitschrift Literatur des katholischen Deutschlands von 1776 preist den „Plan voll bezaubernder Aussicht und Anlage“ und empfiehlt, da „die Worte fehlen“: „Man muss das Original selbst sehen.“

Aufwändige Leitungstechnik

Um eine hinreichende Wasserversorgung mit ausreichender Fallhöhe für das Schloss und die Wasserkünste im Garten zu gewährleisten, wurden zuerst eine Wasserleitung und später ein Tunnel angelegt. Es wurden mehrere Quellen genutzt. Die Wasserleitung, die teilweise als Druckleitung ausgelegt war, hatte eine Länge von etwa sechs Kilometern ... (Gerhard Handschuh)

Abbildung:
Die Kaskade mit ihrem aufwändig installierten Wasserspiel ist bis heute der Höhepunkt der Parkgestaltung. Sie wurde zwischen 1983 und 1995 restauriert und rekonstruiert. Zuvor war sie als Blumen- und Sonnenterrasse genutzt, 1952 gar in ein Schwimmbad umfunktioniert worden. Der laufende Betrieb der vergangenen Jahre macht aktuell eine erneute umfangreiche Instandsetzung notwendig. Den ganzen Sommer 2021 über wird man dort kein Plätschern hören können. (Foto: SZ Photo/Martin Siepmann)

Lesen Sie den vollständigen, reich bebilderten Beitrag in UNSER BAYERN, Ausgabe Mai/Juni 2021 (BSZ Nr. 17. vom 7. Mai 2021)

 

 

 

 

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