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Ernst Ludwig Kirchner malte diesen Eisenbahnzug 1884 auf Papier – im zarten Alter von drei Jahren. (Foto: KirchnerHAUS Museum Aschaffenburg, Karl Heinz Möhn)

04.07.2026

Schmuckstück: Das lange Bemühen um eine Kinderzeichnung

Im Alter von drei Jahren malte Ernst Ludwig Kirchner eine Eisenbahn – die Zeichnung ist jetzt wieder in seinem Geburtshaus

Dass in diesem dreijährigen Kind künstlerisches Talent schlummert, konnte man auch schon bei dieser in Aschaffenburg entstandenen Bleistiftzeichnung einer Eisenbahn erkennen. Dass der kleine Künstler namens Ernst Ludwig Kirchner aber später einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus werden würde, das ließ sich freilich damals noch nicht erahnen. 

Kirchner (1880 bis 1938) erinnerte sich auch als 36-jähriger Künstler an seine frühen Kindheitsjahre in Aschaffenburg: „Als Junge saß ich immer am Fenster und zeichnete, was ich sah; Frauen mit Kinderwagen, Bäume, Eisenbahnzüge etc.“, heißt es in einem Brief von 1916 an den Kunsthis­toriker Botho Graef. Noch 1930 schrieb er über diese Jahre: „Ich bin am Bahnhof geboren. Das erste was ich im Leben sah, waren die fahrenden Lokomotiven und Züge. Sie zeichnete ich, als ich drei Jahre alt war. Vielleicht kommt es von daher, daß mich besonders die Bewegung zum Schaffen anregt.“ Wie wichtig für den Künstler die öffentliche Wahrnehmung dieser frühen Kinderzeichnung von 1884 war, ist daran zu erkennen, dass Kirchner 1935 nach ihrer Vorlage einen Holzschnitt anfertigte.

Jahrelanges Engagement

In Kirchners Geburtsstadt bemühte man sich viele Jahre, die Zeichnung nach Hause zu holen. Die Zeichnung befand sich im Besitz des Schweizer Kirchner-Kenners und Kunsthändlers Eberhard W. Kornfeld. Für den Fall, dass es gelänge, das damals desolate Geburtshaus Kirchners einer würdigen Nutzung zuzuführen, hatte Kornfeld der Stadt Aschaffenburg um die Jahrtausendwende zugesagt, ihr die Zeichnung zu schenken. Doch viele Jahre gingen ins Land, ohne dass etwas geschah. Doch vor etwas mehr als zehn Jahren gelang es tatsächlich, aus dem Geburtshaus ein Museum zu machen. Als man Kornfeld an die Abmachung erinnerte, antwortete dieser freundlich, dass er nach so langer Zeit andere Verfügungen für das Werk getroffen habe. Die Zeichnung blieb in seinem Besitz. Kornfeld starb schließlich kurz vor seinem 100. Geburtstag im Jahr 2023. 

Es sollte noch etwas dauern, bis Bewegung in die Angelegenheit kam. Im Februar 2026, anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Kirchner Museum Davos, kam Brigitte Schad, Leiterin des Kirchner-Haus-Museums, ins Gespräch mit einer langjährigen Mitarbeiterin Kornfelds und erzählte ihr die ganze Geschichte des Bemühens um die Eisenbahnzeichnung. Drei Monate später erhielt der Kirchner-Haus-Verein die Nachricht, dass sich die Kornfeld-Erben entschlossen hatten, dem Verein und dem Museum die Zeichnung zu schenken. Die Freude war groß. Inzwischen befindet sich die Eisenbahnzeichung endlich wieder dort, wo sie entstand. 
Nach kurzem Umbau ist das Kirchner-Haus-Museum in der Ludwigstraße 19 in 63739 Aschaffenburg ab 3. Juli wieder geöffnet. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 14 bis 17 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.kirchnerhaus.com. (BSZ)

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