Wirtschaft

Wann der Sprit günstiger wird, ist nicht zu sagen. (Foto: dpa/SNS, Steven Mohr)

08.04.2026

An den Tankstellen könnte es etwas günstiger werden

Die Waffenruhe im Iran-Konflikt lässt Öl- und Gaspreise deutlich fallen

Die vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg hat bei den Anlegern weltweit für enorme Erleichterung gesorgt - vor allem dank des Einbruchs der Ölpreise. Es gibt jedoch nach wie vor Warnungen vor einer erneuten Eskalation und hohen Kosten für die deutsche Wirtschaft.

Ölpreise: Die Ölpreise sackten prozentual zweistellig ab. Sie sind derzeit der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni fiel kurz nach der Ankündigung um bis zu 16 Prozent auf 91,70 US-Dollar. Am Morgen stieg der Kurs der Referenzsorte des weltweiten Ölmarkts wieder, lag aber mit 95,12 Dollar immer noch rund 13 Prozent unter dem Niveau vom Vortag. Der Preis der US-Sorte WTI zur Lieferung im Mai fiel am Morgen noch etwas stärker.

Beide Ölsorten kosten trotz des Rückgangs aber immer noch rund ein Drittel mehr als vor Beginn der Angriffe Israels und der USA auf den Iran und dessen Gegenschlägen auf Staaten in der Region Ende Februar. Wichtig für die globalen Märkte ist vor allem, dass der Iran die Straße von Hormus nun wieder für den Schiffsverkehr öffnen will. Die Meerenge ist einer der global wichtigsten Transportwege - nicht nur für Rohöl und Gas. 

Börsen: Der deutsche Leitindex Dax schnellte bis zum Mittag um 4,5 Prozent auf 23.960 Punkte in die Höhe und erreichte das Niveau von Anfang März. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx stieg um 4,6 Prozent. In Asien ging es am stärksten an solchen Börsen nach oben, die zuvor am meisten unter dem Ölpreisanstieg gelitten hatten. So gehörten die Leitindizes in Japan und Südkorea mit Gewinnen von gut fünf und fast sieben Prozent zu den Spitzenreitern. 

Spritpreise: Bei den Spritpreisen zeichnete sich eine Trendwende ab. Zwar erhöhten die meisten Tankstellen in Deutschland am Mittwochmittag ihre Preise noch einmal. So verteuerte sich im bundesweiten Durchschnitt Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilte. Die Durchschnittspreise waren aber nach der Anhebung niedriger als am Vortag zur gleichen Tageszeit - bei E10 um knapp 3 Cent, bei Diesel sogar um gut 3 Cent.

Kurz nach Mittag kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro. Der Anstieg am Mittag war der bisher niedrigste seit Einführung der 12-Uhr-Regel. Sie besagt, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen. Preissenkungen sind jederzeit möglich. 

Entlastungen: Vizekanzler Lars Klingbeil lädt Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Energiepreis-Krisengipfel am Freitag ein. Es würden Maßnahmen geprüft, wie Verbraucher möglichst zielgenau entlastet werden können, hieß es. 

Der SPD-Chef hatte zum Beispiel Entlastung über eine Mobilitätsprämie angeregt und deren Finanzierung über eine Übergewinnsteuer. Außerdem wirbt er für einen flexiblen Preisdeckel für Sprit. Unionsfraktionsvize Sepp Müller sagte, die Lage sei komplex und volatil und gebe keinen Grund für voreilige Kurskorrekturen. Ein Waffenstillstand sei noch kein tragfähiger Frieden. 

Ein einzelner Zwischenfall wie etwa ein Angriff auf einen Tanker könne ausreichen, um die mühsam erreichte Stabilität zu kippen, sagte Müller. Beim Ölpreis seien jederzeit Ausschläge nach oben möglich. Zudem seien die Bedingungen für die Schiffspassage durch die Straße von Hormus noch völlig unklar. DIW-Chef Marcel Fratzscher plädiert für eine Energiekostenpauschale. 

Schifffahrt: Der Verband Deutscher Reeder (VDR) nennt die Lage weiter angespannt, solange Details der Feuerpause nicht vorlägen und Sicherheit nicht gewährleistet sei. Reedereien prüften fortlaufend, ob eine Durchfahrt der Straße von Hormus möglich sei. Der internationale Schifffahrtsverband Bimco riet Reedereien zunächst davon ab, die Straße von Hormus zu durchfahren, ohne sich vorab mit dem Iran und den USA abzustimmen. 

Nach Angaben des VDR sitzen seit Ausbruch des Kriegs Ende Februar mehr als 2000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Darunter seien mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien. 

Erdgaspreis: Der Preis für europäisches Erdgas ist deutlich gesunken. Die maßgeblichen Future-Kontrakte fielen um bis zu 20 Prozent. An der Börse in Amsterdam sank die Notierung für den richtungsweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zuletzt um 17 Prozent auf 44,13 Euro je Megawattstunde. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran vor mehr als fünf Wochen war der Gaspreis auf bis zu 74 Euro geklettert.

Grundsätzlich habe sich bisher wenig geändert, betonte Tom Marzec-Manser, Europa-Direktor für Gas und Flüssiggas (LNG) beim Beratungsunternehmen Wood Mackenzie. Entscheidend sei die Wiederinbetriebnahme von Katars Ras Laffan, sagte er mit Blick auf den weltgrößten LNG-Hub, der durch Angriffe beschädigt wurde.

Inflationsraten: "An den Finanzmärkten ist Aufatmen angesagt", schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Mit dem Waffenstillstand bleibe vorerst eine weitere Eskalation aus. Vor allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen dem Experten zufolge Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode bleiben wird. Die Notenbanken könnten im Falle einer nachhaltigen Entspannung der Ölpreise von befürchteten Zinsanhebungen absehen.

Konjunktur: Im Falle einer Einigung zwischen den USA und dem Iran wären die realwirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs aus Sicht von VP-Bank-Experte Gitzel überschaubar. Zwar belasteten die hohen Energiepreise die Weltwirtschaft im ersten Halbjahr, doch bei einer Entspannung der Situation könnte der globale Konjunkturverlauf im weiteren Jahresverlauf wieder zu seinem ursprünglichen Pfad zurückkehren. Noch aber bleibe abzuwarten, wie die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien verlaufen werden.
(dpa)
 

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