Wirtschaft

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat sich beim Wasserstoff Mobilitätstag in Pfeffenhausen verschiedene Wasserstofffahrzeuge angesehen – darunter auch einen Linienbus. (Foto: StMWi, K. Huber)

08.05.2026

Bayern will Wasserstoffmobilität voranbringen

Neues Förderprogramm für Nutzfahrzeuge aufgelegt – auch der Bund und Nordrhein-Westfalen fördern

Mit einem neuen Förderprogramm für wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge setzt der Freistaat einen weiteren Impuls, um den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Gang zu bringen. Auf Anfrage der Staatszeitung erklärt eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministeriums, dass neue Nutzfahrzeuge der Klassen N1, N2 sowie N3 mit bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Mehrkosten gefördert werden. Diese drei Fahrzeugklassen umfassen gemäß EU-Richtlinie alle Nutzfahrzeuge – von leichten (zulässige Gesamtmasse bis zu 3,5 Tonnen), über mittelschwere (zulässige Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen bis zu 12 Tonnen), bis zu schweren Nutzfahrzeugen (zulässige Gesamtmasse von mehr als 12 Tonnen). Fixe Förderobergrenzen je Fahrzeugklasse sollen in separaten Förderaufrufen bekannt gegeben werden. werden. Linienbusse sowie die Umrüstung würden im folgenden Förderaufruf nicht gefördert.

Henne-Ei-Problem auflösen

„Wir gehen gezielt das Henne-Ei-Problem an. Beim Aufbau einer Basisinfrastruktur von H2-Tankstellen haben wir bereits deutlich vorgelegt – jetzt bringen wir auch die Fahrzeuge auf die Straße“, gab letzten Donnerstag Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bei der Veranstaltung „Erleben der H2-Mobilität“ im Wasserstoff Technologie-Anwenderzentrum in Pfeffenhausen (Landkreis Landshut) bekannt.

Er betonte, dass der Freistaat den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft mit der Förderung von Wasserstofftankstellen und Elektrolyseuren unterstützt. Laut der Ministeriumssprecherin sind insgesamt 29 Vorhaben zum Aufbau von Wasserstofftankstellen bewilligt. Acht Tankstellen seien bereits in Betrieb, weitere Projekte befänden sich in unterschiedlichen Phasen der Umsetzung.

Die Kosten für die Implementierung einer Wasserstofftankstelle sind der Sprecherin zufolge schwankend. Die meisten würden sich im Bereich zwischen 1,5 und 3,5 Millionen Euro bewegen. Bislang habe der Freistaat öffentliche H2-Tankstellen mit bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben gefördert. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sei eine Erhöhung um 10 Prozent möglich. Für betriebsinterne Tankstellen gebe es bis zu 40 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben als Förderung. Für KMU sei eine Erhöhung um 10 Prozent beziehungsweise 20 Prozent möglich. Allerdings solle die Zuwendungssumme für ein einzelnes Projekt 2 Millionen Euro nicht überschreiten. Zuwendungen für denselben Empfänger pro Förderaufruf seien auf maximal 20 Prozent der Gesamtausstattung begrenzt.

Auch der Bund vergibt Fördergelder

Zusätzlich zu den bayerischen Zuwendungen fördert der Bund laut Ministeriumssprecherin aktuell im Rahmen der „Förderrichtlinie für Maßnahmen der Marktaktivierung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff“ und Brennstoffzellentechnologie Phase II (Schwerpunkt Nachhaltige Mobilität)“ die Errichtung von Wasserstofftankstellen und die Anschaffung von wasserstoffbetriebenen Nutzfahrzeugen. Diese Bundesmittel sind mit den bayerischen Landesmitteln kombinierbar. Die Bewerbungsfrist für die Bundesmittel läuft bis 30. Juni 2026. Details hierzu gibt es beim Projektträger Jülich, der Teil der Forschungszentrum Jülich GmbH ist (https://www.ptj.de/foerdermoeglichkeiten/nip/hrs_nfz_2026).

Außer Bayern und dem Bund fördert auch Nordrhein-Westfalen die Wasserstoffmobilität. Dort wird aber nur die Anschaffung emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge mit bis zu 60 Prozent der zuwendungsfähigen Investitionsmehrausgaben (Förderhöchstbetrag 300.000 Euro pro Fahrzeug) unterstützt.

Bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) indes ist man skeptisch, ob der Wasserstoffeinsatz im Mobilitätsbereich so zielführend sein wird. „Hubert Aiwanger weckt unerfüllbare Erwartungen an den Einsatz von Wasserstoff in der Mobilität“, sagt Constantin Zerger, Bereichsleiter Energie und Klimaschutz, der Staatszeitung. Es sei möglich, dass Wasserstoff für schwere Nutzfahrzeuge oder Spezialfahrzeuge in Zukunft eine Rolle spielen kann, jedoch mache die Batterietechnik so schnelle Fortschritte, dass mittlerweile fast jedes Fahrzeug als elektrifizierbar gilt.

Keine eierlegende Wollmilchsau

Vor allem ist Wasserstoff gerade keine „eierlegende Wollmilchsau“, weder in der Energiepolitik noch in der Verkehrspolitik, betont Zerger. Er verweist darauf, dass aus erneuerbaren Energien erzeugter Wasserstoff nur begrenzt verfügbar und im Vergleich zur direkten Nutzung von erneuerbarem Strom in elektrischen Antrieben immer teurer bleiben wird. Das ergebe sich alleine schon aus den Effizienzverlusten von Strom in Wasserstoff.

„Grüner Wasserstoff wird eine wichtige Rolle spielen, aber dafür muss sein Einsatz auf die Bereiche fokussiert werden, in denen es keine guten Alternativen gibt“, so Zerger. Dies seien zum Beispiel Hochtemperaturprozesse oder der stoffliche Einsatz in der Industrie. „Wer wie Aiwanger von einem flächendeckenden Einsatz im Verkehr schwadroniert, macht den Menschen was vor und verschwendet Steuergeld“, unterstreicht der DUH-Bereichsleiter.

Ob das so ist, wie es die Deutsche Umwelthilfe einschätzt, bleibt abzuwarten.
(Ralph Schweinfurth)

INFO: Hy2B Wasserstoff GmbH
Die Hy2B Wasserstoff GmbH im Wasserstoff Technologie-Anwenderzentrum im niederbayerischen Pfeffenhausen liefert über ihren 5 Megawatt starken Elektrolyseur nicht nur Wasserstoff für die Busse des Münchner Verkehrsverbunds im Landkreis Ebersberg. Sie sorgt mit ihrer Produktion von grünem Wasserstoff auch für Stabilität im Stromnetz. Denn überschüssiger Solarstrom muss nicht mehr abgeregelt werden, sondern wird für die Wasserstoffproduktion verwendet.

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