Wirtschaft

Eine Zelle des neuen Brennstoffzellen-Moduls hält Martin Schultz (links) in der Hand, der zusammen mit Stefan Schmitz (rechts) das Bamberger Bosch-Werk leitet. Tausend Zellen ergeben ein Modul mit zehn Kilowatt Leistung. (Foto: Töpfer)

04.01.2019

Bosch fertigt in Bamberg Brennstoffzelle

Vorserienproduktion für neues Geschäftsfeld startet dieses Jahr

Das Bamberger Bosch-Werk, das mit seinen 7500 Beschäftigten gut zur Hälfte vom Dieselmotor abhängt, will sich mit der Produktion von Brennstoffzellen ein neues Geschäftsfeld erschließen. Das Dieselgeschäft ist seit Monaten rückläufig und kostet Arbeitsplätze.

Berichte, wonach die Beschäftigtenzahl in Bamberg in den nächsten zehn Jahren von aktuell 7500 auf 5000 sinken wird, will der kaufmännische Werksleiter Martin Schultz auf Nachfrage unserer Zeitung „absolut nicht bestätigen“. Im vergangenen Jahr sei die Mitarbeiterzahl um 200 reduziert worden und auch im kommenden Jahr könne sich der Abbau in dieser Größenordnung bewegen. Was danach komme, könne man „definitiv nicht sagen“. Man werde aber „mit Sicherheit keinen Beschäftigungsaufbau sehen“.

Rückläufiges Dieselgeschäft

Schultz bestätigte, dass das Dieselgeschäft seit Monaten rückläufig ist. Das Bamberger Bosch-Werk stellt Komponenten für die Diesel-Hochdruckeinspritzung, für die Benzin-Direkteinspritzung und auch Zündkerzen her und ist Leitwerk für 22 Werke rund um den Globus. 2018 wurden gut 80 Millionen Euro in Maschinen und Anlagen investiert, ein Jahr zuvor waren es 90 Millionen. Dieses Jahr werden die Investitionen weiter zurückgehen. Schultz: „Wir müssen uns vorsichtiger aufstellen.“

Das Werk setzt noch viele Jahre auf gute Geschäfte mit dem Verbrenner, will parallel dazu aber zukunftsträchtige Alternativen finden. Ein zehnköpfiges „Zukunftsteam“ analysiert Möglichkeiten, wie das Werk von der autonomen, vernetzten, elektrifizierten Mobilität profitieren kann. Dabei rückt nun das Thema alternative Energiespeicher in den Mittelpunkt. Mit 60 Beschäftigten soll ab Mitte des Jahres auf 700 Quadratmetern die Produktion stationärer Brennstoffzellen starten. Es ist das erste Produkt aus Bamberg, das nichts mit dem Auto zu tun hat. Ausgenommen Ladestationen für E-Autos, die auch mit der neuen Brennstoffzelle versorgt werden können. Weitere Einsatzorte: Rechenzentren, Fabriken, Kliniken, Häuser, Städte. Kleine Kraftwerke, die überall platziert werden können, betrieben mit Wasserstoff oder Gas. Der Wirkungsgrad soll bei 60 Prozent liegen. Ein Modul schafft zehn Kilowatt elektrische Leistung, ist etwas größer als ein Kühlschrank, kann beliebig mit weiteren Modulen gekoppelt werden. „Das System in Serie bringen, das ist unser Job“, sagt Stefan Schmitz, der technische Werksleiter in Bamberg. Und Schultz kann sich vorstellen, dass, wenn alles klappt, in einigen Jahren einige Hundert Mitarbeiter in diesem Bereich arbeiten.

Mit Wirkungsgrad und Preis will man punkten

Nun gibt es Brennstoffzellen schon seit Jahrzehnten, was ist neu in Bamberg? Das Produkt selbst wird neu sein (Schmitz: „Das Produkt gibt es noch gar nicht“) und vor allem bei Wirkungsgrad und Preis will man punkten. Das Aufbringen extrem dünner keramischer Schichten auf die Zellen ist eine Bamberger Spezialität. „Das kann nur Bosch“, sagt eine Projektmitarbeiterin.

Hintergrund der technischen Offensive ist eine Kooperation mit dem britischen Technologie-Spezialisten Ceres Power (Horsham), an dem sich Bosch mit vier Prozent beteiligt hat. Die Briten seien führend in der Entwicklung der Festoxid-Brennstoffzellen-Technologie (SOFC), so Bosch. Bis 2035 werde der Energieverbrauch weltweit um 30 Prozent steigen. Dieser erhöhte Strombedarf könne nicht mehr nur mit großen, zentralen Kraftwerken abgedeckt werden. Bei SOFC werden Erdgas oder Wasserstoff durch eine elektrochemische Reaktion im Inneren der Brennstoffzelle, im sogenannten Stack, in Elektrizität umgewandelt. In das neue Projekt hat das Bamberger Werk bislang einen einstelligen Millionenbetrag investiert. 2020 soll über die Serienproduktion entschieden werden.

Gewerbesteuer wird Bosch in Bamberg wohl auch die nächsten Jahre nicht bezahlen. Obwohl der Konzern mit über 400 000 Mitarbeitern und 78 Milliarden Euro Umsatz im letzten Jahr einen operativen Gewinn (Ebit) von 5,3 Milliarden Euro ausweisen konnte, gingen Bamberg und die anderen deutschen Standorte steuermäßig leer aus. „Das betrifft alle Werke“, sagt Schultz. Hintergrund dafür sind Milliardenverluste in der inzwischen aufgegebenen Photovoltaik-Sparte, die Bosch verrechnen kann. (Roland Töpfer)

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