Wirtschaft

Nicht nur Neuschwanstein ist schön. Auch die Nürnberger Burg fasziniert ausländische Besucher. Das kann ein weicher Standortfaktor sein, der zum Investieren einlädt. (Foto: dpa)

02.06.2017

Chinesische Investoren sollen Franken lieben lernen

Damit die von Abwanderung geprägten Räume Bayerns eine Chance haben, fordert der Vorsitzender des Fränkischen Bunds ein Umsteuern der bayerischen Ansiedlungspolitik

Wer zahlt, schafft an. Das gilt auch bei Unternehmensansiedlungen. Genau deshalb fordert Joachim Kalb, Erster Vorsitzender des Fränkischen Bunds, ein Umsteuern der bayerischen Ansiedlungspolitik. „Die Agentur Invest in Bavaria, die internationale Investoren anwirbt, sich mit ihren Firmen im Freistaat niederzulassen, muss komplett von München nach Nürnberg verlegt werden“, erklärt Kalb der Staatszeitung. Denn nur so könnten die von Abwanderung und wirtschaftlicher Verödung geprägten Problemräume in Nord- und Ostbayern wieder auf die Beine kommen.

„Was passiert denn, wenn eine Gruppe chinesischer Investoren in München am Flughafen landet. Sie besteigen einen Bus, den die Regierung von Oberbayern sponsert, und werden dann zu den Schönheiten Oberbayerns kutschiert. Das habe ich selbst schon miterlebt“, so der Vorsitzende des Fränkischen Bunds. Er sagt das völlig ohne Groll, denn es sei ja klar, dass diejenigen, die die Kosten übernehmen auch bestimmen können, wohin die Reise geht.

Bringt weder etwas für Oberbayern, noch für Franken


„Aber das bringt nichts, weder für das prosperierende Oberbayern, noch für Franken“, so Kalb. Noch mehr Arbeitsplätze in und um das sowieso schon überhitzte München zu bringen, sei ebenso kontraproduktiv, wie potenziellen Investoren den Rest Bayerns vorzuenthalten. „Die Chinesen müssen in Nürnberg landen und dann mit dem Bus durch die Fränkische Schweiz oder andere fränkische Regionen, auch durch die Oberpfalz, fahren, damit sie sehen, wie toll es da ist und dass sich ein Investment abseits der Metropole München auch lohnt“, erläutert Kalb. In der Landeshauptstadt sei man ja schließlich in zwei Stunden, wenn man dort am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen will.

Kalb untermauert seine Kritik mit konkreten Zahlen. So sind laut Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) 2016 rund 2500 Arbeitsplätze durch die Tätigkeit von Invest in Bavaria generiert worden. „Zwei Drittel davon in Oberbayern. Das geht schon jahrelang so“, moniert der Vorsitzende des Fränkischen Bunds.

Investoren anlocken


Wenn keine Investoren nach Franken oder andere Problemräume Bayerns kommen, seien die Bemühungen der Behördenverlagerungen durch Heimatminister Markus Söder (CSU) umsonst. Denn die überschaubare Anzahl an Arbeitsplätzen, die auf diese Weise in die Provinz kommen, zögen kaum nennenswerte Sekundäreffkte nach sich. „Aber immerhin kümmert sich Söder um Franken und Seehofer unterstützt das. Anderen bayerischen Ministerpräsidenten war das ja jahrzehntelang egal“, betont Kalb. In diesem Zusammenhang kritisiert er Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU): „Die konterkariert Söders Anstrengungen, weil sie die Kampagne der Landeshauptstadt unterstützt, wer eine Fachkraft für München wirbt, bekommt eine Prämie.“

Hauptursache für die von Abwanderung geprägten Regionen Frankens sind Kalb zufolge aber vorrangig die Franken selbst: „Es gibt auf Landesebene keinen Sprecher, der sich für das Frankenland einsetzt.“ Angepasste Politiker aus Nordbayern würden im Bayerischen Landtag kaum die Interessen Frankens vertreten. Dabei gäbe es viel zu fordern. So sei zum Beispiel die als „Franken-Sachsen-Magistrale“ betitelte Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Dresden nach 20 Jahren immer noch nicht elektrifiziert. Auch im Tourismus sei einiges zu tun. Die Region um Bamberg sei aufgrund ihres kooperativen Ansatzes gut aufgestellt, während im Fichtelgebirge wegen überkommenem Kirchturmdenken der Entscheidungsträger nichts vorwärts gehe.

Auch das schnelle Internet müsse Kalb zufolge als erstes in den ländlichen Räumen zur Verfügung stehen, damit das von Zuzugsdruck, Verkehrsproblemen und exorbitanten Mieten geprägte München entlastet wird.

Selbstbewusster auftreten


„Damit die Franken in München selbstbewusster auftreten, müssen sie sich aber mit ihrer Heimat identifizieren. Das hat nichts mit dumpfem Hurrapatriotismus zu tun, der uns als Fränkischer Bund immer unterstellt wird. Es geht knallhart um Struktur- und Wirtschaftspolitik“, unterstreicht Kalb. Vor allem müssten die fränkischen Industrie- und Handelskammern sowie die fränkischen Handwerkskammern viel stärker gemeinsam für Franken kämpfen. „Dass Würzburg sich nicht der Metropolregion Nürnberg zugehörig fühlt, ist aufgrund des Namens verständlich. Warum tauft man sie dann nicht um in Metropolregion Franken?“, fragt Kalb rhetorisch.
Doppelnamen einführen

Psychologie sei entscheidend. Darum wäre es laut Kalb gut, wenn man wie bei anderen Bundesländern mit Doppelnamen (Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz) den Freistaat in „Bayern-Franken“ umbenennen könnte. „Bayern gibt sich zwar nach außen föderal, ist aber nach innen der zentralistischste Staat in ganz Europa, noch schlimmer als Frankreich“, so der Chef des Fränkischen Bunds.
(Ralph Schweinfurth)
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