Wirtschaft

Sehr große Schwierigkeiten bei der Nachwuchssuche hat unter anderem die Tourismusbranche inklusive Hotels und Gaststätten. (Foto: dpa/Patrick Pleul)

30.12.2021

Jede sechste Lehrstelle in Bayern bleibt unbesetzt

Auch die Corona-Pandemie hat am Fachkräftemangel nichts geändert

In Bayern bleibt ein immer größerer Anteil von Lehrstellen unbesetzt. Bei den bayerischen Industrie- und Handelskammern hat sich in diesem Jahr für mehr als jeden fünften Ausbildungsplatz kein Lehrling gefunden, wie der Bayerische Industrie- und Handelskammertag in München berichtet. Nur 78,5 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze wurden am Ende auch besetzt - so wenige wie noch nie. Das teilte der BIHK auf Anfrage mit. Im bayerischen Handwerk sieht es nach Angaben des Handwerkstags mit 18 Prozent unbesetzten Lehrstellen etwas besser aus.

Die bayerische Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) kommt bei ihren Berechnungen auf eine etwas niedrigere Quote von 16 Prozent leer gebliebener Lehrstellen, wie die BA mitteilte. Die Bundesagentur geht jedoch ebenfalls davon aus, dass die Quote der unbesetzt bleibenden Ausbildungsplätze in den vergangenen drei Jahren gestiegen ist.

Die Zahlen von Kammern und Arbeitsagentur unterscheiden sich, da es unterschiedliche Daten gibt: Die Kammern schätzen die Zahlen auf Grundlage von Umfragen und Rückmeldungen ihrer Mitgliedsunternehmen. Die Arbeitsagenturen wiederum werten die bei ihnen gemeldeten Stellen aus. Zum Ende des Ausbildungsjahres 2020/2021 am 30. September waren laut BA 15 609 Ausbildungsstellen in Bayern unbesetzt, auf der anderen Seite hatten 1085 Jugendliche keine Lehrstelle gefunden.

Der Nachwuchsmangel hat sich 2021 erneut verschärft

Klar scheint jedoch, dass sich der Nachwuchsmangel im zu Ende gehenden Jahr erneut verschärft hat. Zwar ist die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze etwas zurückgegangen, doch noch schneller schrumpfte die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger.

Prozentual betrachtet die meisten unbesetzten Stellen gibt es im Bereich Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe mit 37,9 Prozent, wie der BA-Sprecher mitteilte. Sehr große Schwierigkeiten bei der Nachwuchssuche hat auch die Tourismusbranche inklusive Hotels und Gaststätten mit 32,2 Prozent unbesetzten Ausbildungsplätzen.

An dritter Stelle folgen Geologie, Geografie und Umweltschutz mit 30,5 Prozent unvermittelten Lehrstellen. Auch ein Traditionsberuf, den jedes Kind kennt, leidet an gravierendem Nachwuchsmangel: der Schornsteinfeger. Von 59 ausgeschriebenen Lehrstellen in Bayern blieben 18 verwaist.

In manchen Berufen dagegen konnten die Betriebe sogar - zumindest prozentual betrachtet - wieder etwas mehr Lehrlinge gewinnen, laut Arbeitsagentur unter anderem Gartenbauer und Floristen oder manche Bauhandwerker.

Die Schwierigkeiten der Betriebe bedeuten umgekehrt für die Jugendlichen mehr Wahlmöglichkeiten. Nach einer aktuellen BIHK-Umfrage unter 3500 bayerischen Ausbildungsbetrieben wollen drei von vier Unternehmen 2022 genauso viele oder sogar mehr Azubis ausbilden wie 2021. "Für die jungen Menschen in Bayern ist dies ein starkes und positives Signal für hervorragende Karriereperspektiven nach ihrem Schulabschluss", sagte der bildungspolitische Sprecher Hubert Schöffmann.

Obwohl das Schuljahr 2021/22 noch lange nicht zu Ende ist, sind bei der BA-Regionaldirektion bereits wieder sehr viele neue Ausbildungsplätze gemeldet. Stand November waren bei den bayerischen Agenturen 28 833 Bewerberinnen und Bewerber und 63 324 Ausbildungsstellen gemeldet, wie der Sprecher sagte. Das beinhaltet die unvermittelten Lehrstellen des vergangenen Ausbildungsjahres ebenso wie die seit 1. Oktober bereits eingegangenen Neumeldungen.
(dpa)

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