Wirtschaft

Ein Münchner Start-up hat in aller Verschwiegenheit eine europäische Rakete getestet. (Foto: Hypersonica)

10.02.2026

Militärische Kräfteverhältnisse ändern: Münchner Start-up testet Hyperschallrakete

Ein deutsch-britisches Start-up hat eine europäische Hyperschallrakete entwickelt und erstmals getestet. Der ohne Sprengkörper ausgerüstete Prototyp HS1 startete am 3. Februar vom norwegischen Weltraumbahnhof Andoya und erreichte eine Geschwindigkeit von Mach 6

Ein deutsch-britisches Start-up hat eine europäische Hyperschallrakete entwickelt und erstmals getestet. Der ohne Sprengkörper ausgerüstete Prototyp HS1 startete am 3. Februar vom norwegischen Weltraumbahnhof Andoya und erreichte eine Geschwindigkeit von Mach 6, wie das 2023 gegründete Unternehmen Hypersonica mitteilte. Das entspricht mehr als 7400 Kilometern pro Stunde. Die Rakete flog demnach 300 Kilometer weit. Bis 2029 soll der Flugkörper serienreif sein.

Mit dem Testflug überrascht Hypersonica. Bisher verfügen nur sehr wenige Staaten - darunter China, Russland und die USA - über Hyperschallraketen oder entwickeln diese. Die Hypersonica-Rakete ist nach Unternehmensangaben mehrere Meter lang und wiegt über eine Tonne. Technische Details machte das Unternehmen nicht publik. Hauptsitz von Hypersonica ist München, eine Tochtergesellschaft sitzt in London.

Hyperschallraketen sind schwer abzuwehren

Russland hat nach Angaben Moskaus im Ukraine-Krieg Hyperschallraketen eingesetzt, die wegen ihrer extrem hohen Geschwindigkeit sehr schwer abzufangen sind. Militärs und Rüstungsexperten debattieren seit Jahren, ob und inwieweit Hyperschallraketen die bisherigen militärischen Kräfteverhältnisse zwischen USA und Europa einerseits und China und Russland andererseits verändern werden. 

Angesichts der europäischen Zweifel an der Verlässlichkeit der USA unter der Regierung von Präsident Donald Trump wollen die Hypersonica-Gründer Europa bis 2029 "die erste souveräne Hyperschall-Fähigkeit" zur Verfügung stellen.

Technische Herausforderung ist die Manövrierfähigkeit

Neu ist die Hyperschalltechnologie nicht, die Wurzeln reichen bis in die 1930er Jahre zurück. Moderne Hyperschallraketen sollen jedoch steuerbar sein. "Der Motor ist nicht so sehr das Problem, die technische Herausforderung besteht darin, mit Hyperschallgeschwindigkeit zu fliegen und gleichzeitig mit hoher Präzision zu manövrieren", sagte Geschäftsführer und Mitgründer Philipp Kerth der Deutschen Presse-Agentur. "Bei der hohen Geschwindigkeit entsteht sehr große Hitze." 

Ziel des Testflugs war es, so viele Daten wie möglich zu sammeln. "Wir sind die erste Firma in Europa, die einen privat finanzierten Hyperschall-Testflug durchgeführt hat." Der Physiker gründete Hypersonica gemeinsam mit dem Luftfahrt-Ingenieur Marc Ewenz, beide haben in Oxford über Hyperschall promoviert.

Vorbild Space X

Hyperschall sei in Europa seit mehr als 30 Jahren vernachlässigt worden, sagte Kerth. "Europa hat keine 20 Jahre Zeit, und wir haben keine 20 Milliarden." US-Milliardär Elon Musk und dessen Raumfahrtunternehmen Space X hätten gezeigt, dass sich die Entwicklungszeit von Raketen sehr stark beschleunigen lasse. 

"Die haben Entwicklungszeit und -aufwand um 80 bis 90 Prozent reduziert", sagte Kerth. "Das übertragen wir jetzt auf den Hyperschallbereich. Für uns ist es ein riesiger Erfolg, in so kurzer Zeit zur Erprobung des ersten Prototyps gekommen zu sein." Nach Unternehmensangaben benötigte Hypersonica neun Monate vom Entwurf bis zum Testflug.
(Carsten Hoefer, dpa)

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