Im 14. Monitoring der Energiewende gibt die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft einen Überblick über den aktuellen Stand der Ener-giewende in Bayern und Deutschland. Das Monitoring wird jährlich von der Prognos AG für die vbw erstellt und ermöglicht somit Vergleichbarkeit. Es umfasst die Kriterien Versorgungssicherheit, Strompreise, Ausbau der Stromnetze und erneuerbaren Energien sowie Energieeffizienz und die Umweltverträglichkeit.
Der Fortschritt der Energiewende ist nach Ansicht der vbw und dessen Hauptgeschäftsführers, Bertram Brossardt, In diesem Zusammenhanh nannte Brossardt drei wesentliche Kritikpunkte: Zum einen geht ihm der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze nicht schnell genug voran. Ferner seien die Energiepreise zu hoch, weshalb die Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Im internationalen Vergleich zähle Deutschland weiterhin zu den Ländern mit den höchsten Industriestrompreisen.
Auch komme die Transformation nicht recht voran, so sein dritter Kritikpunkt. „Der Rückgang des Primärenergieverbrauchs ist daher kein energiepolitischer Erfolg, sondern Ausdruck einer stagnierenden Konjunktur. Das ist nicht der Weg, auf dem wir klimaneutral werden wollen.“ Insbesondere beim Ausbau der Windenergie und der Netze bleibt Deutschland hinter den Zielmarken zurück. „Die zuletzt gesunkenen Treibhausgas-Emissionen sind maßgeblich Folge der schwachen konjunkturellen Entwicklung und der anhaltenden Produktionsrückgänge in der energieintensiven Industrie.
Trotz aller Kritik, so Brossadt, „wir sind im 14. Monitoring-Jahr auch vorangekommen. Nicht gerade schnell. Doch Schrittgeschwindigkeit ist besser als Stillstand. Mit Blick auf die Bezahlbarkeit leuchtet unsere Monitoring-Ampel zwar weiterhin in warnendem Rot. Zumindest aber die Strompreise für private Haushalte sind gesunken.“ Insgesamt würden die Energiepreise für Industrie und Haushalte aber deutlich über dem Niveau des Vor-Coronajahres 2019 bleiben, so Brossardt.
Kleine Fortschritte lassen sich nach den Worten des vbw-Hauptgeschäftsführers auch beim Ausbau der Erneuerbaren Energien beobachten. Deutschland und gerade Bayern seien bei der Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf einem guten Weg. Die jährlichen Zubau-Ziele würden sogar übertroffen. Dagegen zeige der Blick auf die Windenergie, dass es hier nach wie vor reichlich Luft nach oben gibt. Das gelte für Deutschland und in besonderem Maße für Bayern.
Mit einer Ausnahme stagnierten die Werte hinsichtlich der vier Kriterien Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Erneuerbare und Energieeffizienz sowie Umweltverträglichkeit sowohl in Bayern als auch im Bund. Die Versorgungssicherheit erhielt in Bayern laut Monitoring auf einer Skala zwischen 1 und 3 wie im Vorjahr die Note 2,3 (Bund 2,3). Im Bereich „Erneuerbare und Energieeffizienz“ blieb der Wert bei 1,8 (Bund 2,3), im Bereich Umweltverträglichkeit bei 3 (Bund 1). Lediglich in der Kategorie Bezahlbarkeit registrierte das Monitoring sowohl in Bayern als auch deutschlandweit eine Verbesserung, und zwar jeweils von 3 auf 2,5.
Die Bewertung der Entwicklung in der jeweiligen Kategorie basiert auf den selbstgesteckten Zielen von Bund und Freistaat.
Vorsichtig positiv bewertet Brossardt die aktuelle Versorgungssicherheit. Hier stehe Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin sehr gut da. Diese Stabilität sei aber teuer erkauft – allein die Systemsicherheitsmaßnahmen kosteten 2024 rund drei Milliarden Euro, so der Hauptgeschäftsführer. Kosten, die die gesamte Wirtschaft belasten. Umso wichtiger sei es, strukturelle Lösungen voranbringen. Der dynamische Ausbau von Stromspeichern sei hier ein positives Signal.
Der Kurs der Energiewende stimme, erklärte Brossadt: „Doch es fehlt an Tempo.“ Um schneller voranzukommen, seien die Akteure auf allen politischen Ebenen gefordert. „Brüssel muss die Beihilfevorschriften so schnell wie möglich anpassen. Denn diese verhindern bislang einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis.“ Darüber hinaus dürfe die Bundesregierung in puncto Ausbaugeschwindigkeit auf keinen Fall vom Gaspedal gehen – weder bei den erneuerbaren Energien noch bei den Netzen, erklärte Brossadt.
Zudem müsse Berlin die Kosten weiter eindämmen. Es gelte jetzt, die Stromsteuer dauerhaft auf das europäische Mindestniveau zu senken – und zwar für alle Branchen. „Wenn Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern will – und das ist dringend nötig –, brauchen die hier ansässigen Unternehmen zuverlässig bezahlbare Energie“, stellte Brossardt klar.
Von München erwartet die vbw mehr Rückenwind beim Thema Windenergie. Es müsse eine positivere Grundstimmung, Akzeptanz gegenüber der Windkraft geschaffen werden. „Hier ist“, so Brossadt, „Überzeugungsarbeit dringend nötig.“
Abschließend betonte der vbw-Hauptgeschäftsführer, dass der energiepolitische Weg Deutschlands der richtige sei. „Wir müssen diesen Weg jetzt aber deutlich schneller zurücklegen.“
(Friedrich H. Hettler)
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