Wirtschaft

Die Bilanzsumme der 175 bayerischen VR-Banken stieg 2025 um 2,9 Prozent. (Foto: GVB)

25.03.2026

Bayerns VR Banken: Die Institute sind weiterhin hochprofitabel

Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück

Trotz geopolitischer Spannungen, Zollkonflikten und einer schwachen Konjunktur haben sich die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken im Geschäftsjahr 2025 erfolgreich behauptet. Das operative Ergebnis legte auf 2,2 Milliarden Euro (plus 7,1 Prozent) und damit ein neues Allzeithoch zu, erklärte Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB). Das Ergebnis vor Steuern in Höhe von knapp über 1,8 Milliarden Euro lag leicht über dem Vorjahresniveau von knapp unter 1,8 Milliarden Euro.

„Die genossenschaftlichen Institute sind und bleiben verlässliche Partner für Unternehmen und Privatpersonen – gerade in herausfordernden Zeiten“, betonte Müller im Rahmen der Bilanzpressekonferenz der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Die Bilanzsumme der 175 bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken stieg 2025 um 2,9 Prozent beziehungsweise rund 6 Milliarden Euro auf 216,4 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Bilanzsumme je Institut erhöhte sich auf mehr als 1,2 Milliarden Euro. Die Institute verfügen weiterhin, so der GVB-Präsident, über eine solide Eigenkapitalausstattung. Das Kernkapital wuchs in absoluten Werten von 20,9 auf 22,2 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote ging aufgrund regulatorischer Effekte jedoch geringfügig von 17,2 auf 17,1 Prozent zurück. 

Die Kreditvergabe wuchs nach den Worten von GVB-Vorstandsmitglied Alexander Leißl insgesamt um 3,8 Prozent auf 147,7 Milliarden Euro. Dabei habe sich eine klare Verschiebung bei den Laufzeiten gezeigt: Kurz- und mittelfristige Ausleihungen gingen um 4,9 Prozent zurück, während langfristige Kredite um 5,1 Prozent zulegten. Kundinnen und Kunden würden sich damit zunehmend langfristige Finanzierungskonditionen sichern.

Kreditwachstum

Das Kreditvolumen bei Firmenkunden stieg um 2,8 Prozent von 76,5 auf 78,7 Milliarden Euro und damit langsamer als im Vorjahr. Nach Leißls Einschätzung spiegelt dies die konjunkturelle Schwäche sowie die Zurückhaltung vieler Unternehmen wider. 

„Von einer Kreditklemme kann keine Rede sein“, betonte Leißl. „Solide aufgestellte mittelständische Unternehmen erhalten weiterhin Kredite. Gleichzeitig gewinnt die Risikobewertung angesichts veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen an Bedeutung.“ Die Banken hätten ihre Bewertungsmaßstäbe nicht verschärft; veränderte wirtschaftliche Fundamentaldaten einzelner Unternehmen würden sich jedoch auf die Kreditbeurteilung auswirken.

Deutlich dynamischer entwickelte sich das Privatkundengeschäft. Hier legten die Kredite um 4,7 Prozent von 61,5 auf 64,4 Milliarden Euro zu. Haupttreiber seien Wohnungsbaukredite gewesen.
Das Neugeschäft im Wohnungsbau belief sich 2025 auf rund 17,3 Milliarden Euro und lag damit etwa 30 Prozent über dem Vorjahreswert von 13,3 Milliarden Euro, so Leißl. Damit habe sich das Volumen wieder den Spitzenjahren 2020 bis 2022 angenähert. Allerdings würden Investitionen in Bestandsimmobilien – Renovierung, Sanierung – im Zentrum stehen, weniger der Neubau.
Die bilanziellen Kundengelder erhöhten sich 2025 um 3,4 Prozent beziehungsweise 5,5 Milliarden Euro auf 166,7 Milliarden Euro. Damit lag die Wachstumsrate auf dem Niveau des Vorjahrs. Sichteinlagen stellen weiterhin mit rund 62 Prozent den größten Anteil an den Kundengeldern.

Der Trend zur Geldanlage an den Kapitalmärkten hält laut Müller an. So legte das Provisionsergebnis von 1,4 auf 1,44 Milliarden Euro zu. Ebenso stieg der Zinsüberschuss von 3,5 auf 3,8 Milliarden Euro – auch aufgrund von Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Damit liegen sowohl der Zinsüberschuss als auch das Provisionsergebnis auf einem neuen Allzeithoch, freute sich der GVB-Präsident.

An der Goldrallye der vergangenen Wochen hätten auch die Kunden der bayerischen VR-Banken teilgenommen, so Müller. Die Provisionserträge aus dem Geschäft mit Devisen, Sorten und Edelmetallen seien um fast 60 Prozent gestriegen. 

Trotz leicht verbesserter Konjunkturerwartungen mahnte Müller zur Zurückhaltung. „Das zarte Pflänzchen der Erholung muss gepflegt werden. Ohne Reformen, spürbaren Bürokratieabbau, steuerliche Entlastungen, wettbewerbsfähige Energiekosten und mehr unternehmerische Freiheit wird nachhaltiges Wachstum nicht gelingen.“ Kritisch sieht er es, dass die Konjunktur derzeit in erheblichem Maße von staatlichen Investitionen getragen wird.

Gegen den digitalen Euro

Entlastungen forderte Müller auch für die Kreditwirtschaft: „Ich begrüße es sehr, dass inzwischen über ein eigenständiges Kleinbankenregime diskutiert wird. Der bisherige ’One-size-fits-all-Ansatz’ stößt an seine Grenzen. Regulierung muss sich konsequent an tatsächlichen Risiken und an Proportionalität orientieren.“ Ein Diskussionspapier von BaFin und Bundesbank schlägt eine Zäsur in der bisherigen Praxis der Bankenregulierung vor. Statt gleicher Regeln, unabhängig von Größe und Geschäftsmodell, verfolgt das Papier unter bestimmten Bedingungen eine Ausnahme kleinerer Banken von zahlreichen Regulierungskomplexen.

Nachholbedarf sieht der GVB-Präsident zudem bei der Altersvorsorge. Anlegerinnen und Anleger in Deutschland profitieren seiner Ansicht nach bislang zu wenig von den Chancen der Kapitalmärkte – insbesondere mit Blick auf die Altersvorsorge. Deshalb fordert der GVB Nachbesserungen bei den aktuellen Konzepten der Bundesregierung. „Das Altersvorsorgedepot kann ein wirksames Instrument sein, um die Altersvorsorge zukunftsfähig zu machen – aber nur, wenn es richtig ausgestaltet ist. Im aktuellen Entwurf bremsen zu niedrige Förderbeträge und die geplante Besteuerung in der Auszahlungsphase den neuen Ansatz in der Altersvorsorge aus.“ Einen derzeit diskutierten Kostendeckel lehnt der GVB ebenfalls ab. „Der diskutierte Preisdeckel bei der privaten Altersvorsorge ersetzt Wettbewerb durch staatliche Vorgaben. Dadurch wird das Produkt komplex und unattraktiv“, so Müller.

Große Chancen erkennt Müller im europäischen Bezahldienst Wero. Ziel sei es, die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern zu verringern. Inzwischen nutzen fast 50 Millionen Menschen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und den Beneluxstaaten Wero. 

Kritisch äußerte sich der GVB-Präsident zum digitalen Euro: „Notenbanken dürfen keine konkurrierenden Zahlungssysteme zu privatwirtschaftlichen Lösungen aufbauen. Ein digitaler Euro darf nicht mehr sein als ein digitales Abbild des Bargeldes und keinesfalls die Finanzstabilität gefährden.“ (Friedrich H. Hettler)
 

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