Wirtschaft

14.05.2010

Die Stärken der deutschen Glasregion stärker bündeln

Neues Netzwerk will den Bayerischen Wald voranbringen

„Geredet ist genug geworden, jetzt muss endlich was getan werden“, sagte Heinz Wölfl (CSU), der Landrat von Regen. Der Ort des Handelns war die Glasfachschule in Zwiesel. Dorthin hatten das Wirtschaftsministerium und die Regierung von Niederbayern rund 40 Unternehmer der Glasbranche, Fachleute und Vertreter von Behörden der Glasregion Bayerischer Wald zu einem „Glasforum“ eingeladen. Anlass zu der Initiative war zum einen das Aus der letzten Glashütte in Riedlhütte (Landkreis Freyung-Grafenau) letztes Jahr und zum anderen das ergebnislose Gerede bei zwei vorangegangenen „Runden Tischen“ mit Kommunalpolitikern aus den betroffenen Bayerwald-Gemeinden.
Konkretes Ziel des Glasforums in Zwiesel war hingegen die Gründung eines Glas-Netzwerks noch in diesem Jahr, für das der Landkreis Regen mit Unterstützung von vorerst rund einem Dutzend interessierter Unternehmen bereits die Vorarbeiten geleistet hat. Aus der Tatsache, dass sich bereits doppelt so viele Unternehmen beteiligen wie die Anschub-Förderung des Bundes verlangt, und dass aktuell über 20 Millionen Euro in Modernisierung von Glasfirmen und der Glasfachschule investiert wurden, zog Wölfl den Schluss: „Glas hat Zukunft!“ Niederbayerns Regierungspräsident Heinz Grunwald verdeutlichte das Ziel, die Stärken dieser deutschen Glasregion besser zu bündeln und nach außen stärker darzustellen, um zu verhindern, „dass die historische Glaskompe-tenz im Bayerischen Wald ab-nimmt. Potenziale gibt es genug!“
Eingeladen, sich an dem Netzwerk zu beteiligen, sind nicht nur Glashütten, die den Werkstoff produzieren, sondern alle Unternehmen, die vor oder nach der Schmelze mit der technischen oder künstlerischen Verwendung oder Weiterverarbeitung von Glas jeder Art zu tun haben. Und dies über die sonst fast „heiligen“ Landkreis- und Bezirksgrenzen hinweg entlang der „Glasstraße Bayerischer Wald/Oberpfälzer Wald“ von Passau bis Weiden. Sitz des Netzwerkes und seines noch zu suchenden Managers soll die angesehene Glasfachschule in Zwiesel sein.
Eine engere Zusammenarbeit mit Forschung und Technologie-Transfer in den bereits gegründeten und geplanten Außenstellen der Fachhochschule Deggendorf in Teisnach, Freyung, Cham und Spiegelau soll die Innovationen bei der Nutzung des Werkstoffs Glas auf hohem Niveau erleichtern und seine Vielseitigkeit noch stärker zum Thema machen. Auch für eine engere Zusammenarbeit mit dem Tourismus – über die bisherige Werbung für die „Glasstraße“ hinaus – sind weitere KooperationsIdeen vorgetragen worden. Damit soll gleichzeitig eine Marketingoffensive in mehreren Bereichen einhergehen. Das Regionalmarketing Niederbayern will die Glasregion zum Schwerpunktthema machen, um das Wirtschaftsgut über die traditionell bekannte Verwendung als Hohl- und Tafelglas hinaus in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.
Dem schlechten und veralteten Image des Bayerischen Waldes soll mit diesen kombinierten Impulsen für eine schöne Urlaubsregion, kompetente Glasregion und innovative Technologieregion begegnet werden. Die Anstöße hierfür sind für den Regierungspräsidenten ein erster Schritt zu einem weiteren wichtigen Ziel: „Das hilft uns bei einem der größten Probleme, die wir im Bayerischen Wald haben, nämlich die qualifizierten jungen Leute in der Region zu halten.“ (Hannes Burger)

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