Wirtschaft

Der Freistaat ist seit Jahren Spitzenreiter beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Deren Anteil an der bayerischen Stromerzeugung lag 2024 bereits bei über 75 Prozent. Diese Entwicklung treibt die bayerische Staatsregierung laut Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger konsequent weiter voran. (Foto: dpa/epd-bild, Detlef Heese)

17.04.2026

Elektrifizierung senkt Energiebedarf

Wie Bayern und Deutschland den hohen Preisen entgegenwirken können

Den Ausbau erneuerbarer Energien weiter ambitioniert voranzutreiben, ist nach Ansicht des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die Voraussetzung dafür, die Energieversorgung hierzulande zukunftssicher aufzustellen. Das stärke die Resilienz und die heimische Wertschöpfung. Außerdem reduziere es fossile Abhängigkeiten.

„Die Elektrifizierung ist ein wichtiger Baustein der Energiewende, aber sie allein reicht nicht aus, um das Energiesystem zukunftsfähig zu machen. Den Ansatz des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft sehe ich deshalb deutlich breiter: Energiepolitik darf nicht einseitig auf Elektrifizierung verengt werden, sondern muss technologieoffen bleiben“, sagt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) der Staatszeitung.

Verschiedene Wege

Im Freistaat zeige sich schon heute, dass verschiedene Wege funktionieren. Über 20 Prozent der Wärme kämen aus fester Biomasse. Sie ist laut Aiwanger ein heimischer, erneuerbarer Energieträger, der gerade in ländlichen Regionen eine wichtige Rolle spielt. Auch in Gewerbe und Industrie ersetzt dem Minister zufolge Holzenergie vielerorts bereits Erdöl und Erdgas.

Er betont für den Verkehrssektor, dass sich nicht alles elektrifizieren lasse. Luftfahrt und Schwerlastverkehr blieben auf Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe angewiesen. Auch der Verbrennungsmotor werde deshalb noch lange Teil der Realität sein. „Wichtig ist mir deshalb: Wir dürfen den Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu heizen oder zu fahren haben. Elektrifizierung kann Effizienz bringen, sie reicht aber nicht aus, um das Energiesystem allein zu tragen oder jetzt kurzfristig für spürbare Entlastung zu sorgen“, so Aiwanger.
Er stimmt dem BDEW zu, dass Wasserstoff eine zentrale Rolle spielt. Der Hochlauf müsse jedoch deutlich schneller und konsequenter erfolgen, gerade für die Industrie und den Schwerlastverkehr sowie für alle Bereiche, die nicht elektrifizierbar seien.

Eine pauschale Senkung der Stromsteuer erachtet Aiwanger zwar grundsätzlich richtig, sie bleibt aber eine Gießkannenmaßnahme, die nicht wirklich diejenigen erreicht, die es benötigen, wie etwa Autofahrer, Pendler oder das Transportgewerbe.

Aiwanger fordert stärkere Entlastung

„Ich fordere deshalb eine deutlich stärkere Entlastung bei den Kraftstoffpreisen. Eine Senkung der Energiesteuer um wenige Cent reicht nicht aus. Auch die CO2-Bepreisung von rund 17 Cent pro Liter muss spürbar reduziert werden“, so der Minister. Ziel müsse sein, die Spritpreise wieder unter 2 Euro zu bringen – im Alltag möglichst in Richtung 1,80 Euro. Gleichzeitig brauche es konsequentes Handeln. Steuerliche Entlastungen müssten umgesetzt werden, und das Kartellamt sollte die Mineralölkonzerne stärker kontrollieren. „Die sogenannte 12-Uhr-Regel hat sich in der Praxis nicht bewährt und sollte wieder abgeschafft werden“, sagt Aiwanger.

„Eine Elektrifizierung bei der Mobilität und der Wärme ist überfällig, denn es senkt die Kosten für die Nutzer, reduziert unsere Abhängigkeit von Gas und Öl und ermöglicht die Erreichung der Klimaziele. Den Forderungen des BDEW stimme ich da voll zu“, sagt Martin Stümpfig, Sprecher für Energie und Klimaschutz der Grünen im Landtag, der Staatszeitung. Trotz des stark gestiegenen Gaspreises seien die Strompreise weitaus weniger gestiegen als die Preise an den Tankstellen.

Anreize für den Umstieg aufs E-Auto schaffen

„Das liegt daran, dass wir in den ersten drei Monaten dieses Jahres rund 70 Prozent unseres Strombedarfs über erneuerbare Energien decken konnten und diese massiv preisdämpfend wirken“, so Stümpfig. Im Wärme- und Verkehrsbereich seien aber die Anteile von fossilen Energien noch über 80 beziehungsweise 90 Prozent und eine Verteuerung schlage voll auf die Verbraucher durch. „Da müssen wir Anreize schaffen, damit ein Umstieg auf E-Autos und Wärmepumpe leichtfällt“ betont der energiepolitische Sprecher.

Die größte finanzielle Last tragen ihm zufolge Fahrer von Verbrennern, wie der Verband Transport & Environment (T&E) in einer Studie errechnet hat. Konkret beziffert dieser die Kosten pro 100 Kilometer für einen durchschnittlichen Benziner auf 14,20 Euro – ein Anstieg um 3,80 Euro infolge des Iran-Konflikts. Die Kosten für das Laden eines Elektroautos liegen hingegen bei rund 6,50 Euro pro 100 Kilometer, was lediglich einem Plus von 0,70 Euro entspricht. Das liege auch daran, dass ein Elektroauto viermal so effizient sei wie ein Verbrenner.

Anreize statt Gießkanne

„Deshalb ist ein Herumdoktern an Symptomen, wie es die Bundesregierung nun mit Milliarden Steuergeldern per Gießkanne macht, falsch. Es braucht klare Anreize zum Umstieg auf erneuerbare Energien, eine Senkung der Stromsteuer und Förderungen zum Umstieg auf Bus und Bahn durch eine Verbilligung des Deutschlandtickets“, so Stümpfig. 

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, betont, dass Deutschland seinen Energiebedarf immer noch zu fast 80 Prozent durch fossile Energieträger deckt. Über eine fortschreitende Elektrifizierung auf Basis erneuerbarer Energien würden in vielen Bereichen deutlich höhere Wirkungsgrade erzielt und der Energiebedarf deutlich gesenkt werden können.

Prozesse, die man auf Strom umstellt, sind laut Andreae deutlich effizienter, da bei der Nutzung von Strom sehr viel weniger Energie verloren gehe als bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe.
(Ralph Schweinfurth)
 

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