Wirtschaft

Um den Bildungsstandort Weiden zukunftssicher zu machen, wurde jetzt eine Zielvereinbarung unterzeichnet (von links): Bildungsbüroleiterin Roswitha Ruidisch, Geograf Michael Maier (zuständig für das Bildungsmonitoring), Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Soziologin Julia Lenhart (zuständig für das Bildungsmanagement), Juliane Braun von der Transferagentur Bayern für Kommunales Bildungsmanagement und Florian Neumann, Leiter des Regionalbüros Nord der Transferagentur Bayern für Kommunales Bildungsmanagement. (Foto: Schweinfurth)

03.05.2019

Fachkräfte gewinnen für die heimische Wirtschaft

Die Stadt Weiden und die Transferagentur Bayern für Kommunales Bildungsmanagement wollen gemeinsam Weiterbildungsangebote schaffen

Die Attraktivität einer Region resultiert auch aus den dortigen Bildungsmöglichkeiten. Um diese noch besser dem jeweils aktuellen Bedarf anzupassen, hat jetzt die Stadt Weiden mit der Transferagentur Bayern für Kommunales Bildungsmanagement (Regionalbüro Nord der Europäischen Metropolregion Nürnberg) eine Zielvereinbarung für das Bildungsbüro der nordoberpfälzischen Stadt unterzeichnet. „Fernost überholt uns links, die USA rechts. Da müssen wir den Bildungsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb schon fit halten“, sagte Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (SPD) anlässlich der Vertragsunterzeichnung.

Gerade in Sachen künstliche Intelligenz und Digitalisierung seien die Aus- und Weiterbildungsangebote vor Ort anzupassen. „Eine Stadt hat zwar keinen Einfluss auf die Inhalte der Lehrpläne, die vom jeweiligen Kultusministerium eines Bundeslandes erstellt werden, aber sie kann durchaus eigene Akzente im Ganztagesbereich und bei außerschulischen Lernorten setzen“, erläuterte Florian Neumann, Leiter des Nordbayernbüros der Transferagentur für Kommunales Bildungsmanagement, die Möglichkeiten für Städte und Gemeinden.

Unternehmen formulierten Bildungsbedarf


So ist Oberbürgermeister Seggewiß stolz darauf, dass es vor drei Jahren gelungen ist, den Studiengang E-Commerce an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) am Standort Weiden zu etablieren: „Dieser Bildungsbedarf wurde von unseren Unternehmen formuliert und wir haben darauf reagiert.“ Allerdings waren hierfür auch viel Überzeugungsarbeit und Beharrlichkeit gegenüber den Entscheidungsträgern im entsprechenden Ministerium in München nötig, ließ Seggewiß durchblicken.

Um in Zukunft noch besser auf die Bedürfnisse der Wirtschaft in der Stadt Weiden und dem sie umgebenden Landkreis Neustadt an der Waldnaab eingehen zu können, soll das Bildungsbüro, das als Stabsstelle beim Oberbürgermeister angesiedelt ist, als Koordinator, Vernetzer und Impulsgeber fungieren. So setzt die Stadt Weiden ihr seit einigen Jahren praktiziertes Engagement für die Sicherung von Fachkräften fort. „Damit das gelingt, müssen Bildungsbiografien ein Leben lang gefördert werden“, erklärte Roswitha Ruidisch, die das Bildungsbüro leitet.

Da vor allem die Digitalisierung den Berufstätigen neue Kompetenzen abverlangen wird, sei ein lebenslanges Lernen erforderlich, so Transferagenturleiter Neumann. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sollen durch die Digitalisierung bis 2035 rund 300.000 Jobs wegfallen, aber gleichzeitig etwa 300.000 neue entstehen. Doch für diese neuen Aufgaben müssen die Menschen erst qualifiziert werden.

Mit konzertierten Aktionen – wie es jetzt das Bildungsbüro sein wird – hat man in Weiden bisher gute Erfahrungen gemacht. So konnte die hohe Arbeitslosigkeit, die im März 2004 noch 12,3 Prozent betrug, auf 5,4 Prozent im März 2019 gesenkt werden. Möglich wurde dies durch die sogenannte Arbeitsmarktinitiative, ein Gremium aller wesentlicher arbeitsmarktrelevanter Institutionen und Behörden.

Das Engagement der Stadt in Sachen Bildung strahlt laut OB Seggewiß seit einiger Zeit bereits bundesweit aus. So würden auch aus anderen Regionen Deutschlands junge Menschen zum Studieren an die OTH nach Weiden kommen. Außerdem würden immer mehr Vorlesungen in englischer Sprache angeboten, um die OTH auch international zu positionieren. „Damit werden wir zu einer echten Alternative zu klassischen Uni-Städten. Denn bei uns sind die Lebenshaltungskosten wesentlich geringer und die Natur viel näher“, so der OB.

Voneinander profitieren und Erfahrungen weitergeben


Weiden steht aber mit seinem Bildungsbüro nicht allein auf weiter Flur. Allein in Nordbayern gibt es bereits 30 dieser Büros. Ziel ist es auch, dass diese Büros voneinander profitieren und ihre Erfahrungen weitergeben. „2013/2014 waren es gerade einmal vier Kommunen, die mit kommunalem Bildungsmanagement gestartet sind“, erläuterte Neumann. Er lobte die Stadt Weiden, dass sie das Bildungsbüro nicht nur als Büro, sondern als Stabsstelle eingerichtet hat. Auf diese Weise könnten die unterschiedlichsten Bildungsträger wie Schulen, Hochschule, Kammern, Wohlfahrtsverbände als auch die Kommune selbst perfekt vernetzt werden und ressortübergreifend arbeiten.
Abschließend verwies OB Seggewiß noch darauf, dass zur Fachkräftesicherung auch Zuwanderung nötig ist. Er hofft, dass das entsprechende Gesetz auf Bundesebene bald kommt. Weiden sei schon immer eine offene Stadt gewesen, die Zuwanderer aufgenommen und integriert hat. „Früher kamen sie aus Pommern oder Schlesien, heute aus aller Welt“, so Seggewiß. Er unterstrich, dass zum Beispiel Flachglas Wernberg, eines der großen Unternehmen der Region, einst von einem Zuwanderer aus dem böhmischen Tachau (heute Tachov in der Tschechischen Republik) gegründet wurde.
(Ralph Schweinfurth)

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