Wirtschaft

Unternehmen sind nach einer Analyse der Allianz mit steigenden Haftungsrisiken konfrontiert - insbesondere durch Sammelklagen und Rückrufe. (Foto: dpa/Sascha Steinach)

09.09.2020

Haftungsrisiken für Unternehmen steigen

Ob der Chemiekonzern Bayer oder Volkswagen - mehrere deutsche Konzerne waren oder sind in den USA mit teuren Sammelklagen

Unternehmen sind nach einer Analyse der Allianz mit steigenden Haftungsrisiken konfrontiert - insbesondere durch Sammelklagen und Rückrufe. Vor allem in den USA sprechen die Gerichte Klägern gegen Unternehmen demnach immer höhere Entschädigungssummen zu. Demnach hat sich die durchschnittliche Vergleichssumme der 50 größten US-Gerichtsurteile von 2014 bis 2018 von 28 auf 54 Millionen US-Dollar fast verdoppelt, schreiben die Haftungsexperten des zur Allianz gehörenden Industrieversicherers AGCS in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung.

In Europa ist vor allem eine wachsende Zahl von Produktrückrufen auffällig. Demnach gab es 2019 in der EU 475 Rückrufe allein in der Autoindustrie, elf Prozent mehr als 2018 (428) - und der höchste Wert des vergangenen Jahrzehnts. Zu den steigenden Risiken trägt laut AGCS-Studie die zunehmende Konzentration in der Branche bei. Besondere Bekanntheit hat in dieser Hinsicht der japanische Airbag-Hersteller Tataka erlangt. Dieser belieferte laut AGCS 19 Autohersteller. Nachdem es Berichte über Verletzungen und tödliche Unfälle gegeben hatte, wurden laut Studie von 2002 bis 2015 dann geschätzt 60 bis 70 Millionen Autos zurückgerufen.

Gefahren für Produktsicherheit

Die Corona-Pandemie könnte laut AGCS in zweierlei Hinsicht Auswirkungen auf die Produktsicherheit in der Lebensmittelbranche haben - sowohl positiv als auch negativ. Einerseits könnten höhere Hygienestandards die Kontaminationsrisiken sogar verringern. Doch andererseits könnten die Unwägbarkeiten der Epidemie mit neuen Betriebsabläufen, vorübergehenden Betriebsschließungen, Heimarbeit, weniger behördlichen Kontrollen und Unregelmäßigkeiten in den Lieferketten neue Gefahren für die Produktsicherheit darstellen, warnen die Fachleute des Versicherers.

Als weiteres Risiko für Unternehmen sieht die Allianz zwei ganz unterschiedliche Phänomene: die Protestbewegungen rund um den Globus und Umweltauflagen bis zur Luftqualität in Innenräumen. In letzterer Hinsicht könnte die Pandemie laut Studie direkte Auswirkungen haben: Die Gefahr von Legionellen- und Schimmelbildung habe sich durch die vorübergehende Schließung von Geschäftsgebäuden, Hotels, Fitnessstudios und anderen Einrichtungen während der Pandemie verschärft.
(Carsten Hoefer, dpa)

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