Wirtschaft

Axel Bartelt (links), Regierungspräsident der Oberpfalz, und Landrat Franz Löffler (zweiter von links) sowie Bürgermeister Franz Reichold (rechts) lassen sich von Stefan Kulzer von Roding Automobile GmbH die Technik des Roadster Roding erläutern. (Foto: LRA Cham/Friedrich Schuhbauer)

05.04.2019

Heimat international tätiger Familienunternehmen

Der Landkreis Cham ist ein dynamischer Wirtschaftsstandort, der allerdings noch einen erheblichen Ausbau der Verkehrs- und Breitbandinfrastruktur braucht

Obwohl der Landkreis Cham nicht direkt an der Autobahn liegt, hat er sich in den letzten Jahren – wie die gesamte Oberpfalz – wirtschaftlich hervorragend entwickelt. „Die Arbeitslosigkeit liegt regelmäßig bei rund 2 Prozent, was quasi Vollbeschäftigung bedeutet“, sagt Landrat Franz Löffler (CSU), der auch Präsident des Bayerischen Bezirketags und Präsident des Bezirkstags Oberpfalz ist, der Staatszeitung. Selbst im Winter, als die Quote vor 20 Jahren noch auf über 15 Prozent schnellte, seien jetzt Werte um die 3 Prozent zu verzeichnen.

Das liegt daran, dass der Landkreis Cham ein dynamischer Wirtschaftsstandort mit einer Vielzahl von starken, international tätigen mittelständischen Familienunternehmen ist. Das spiegelt sich auch im Bruttoinlandsprodukt (BIP) wieder. Der Landkreis rangiert mit seinem BIP je Einwohner auf Platz 3 in der Oberpfalz. „Dieser Indikator der Wirtschaftsleistung ist seit dem Jahr 2000 um 69 Prozent gestiegen, während es bayernweit nur 49 Prozent waren“, illustriert Löffler die positive Entwicklung.

Fachkräftemangel stört die Region kaum


Selbst der Fachkräftemangel kann der Region kaum etwas anhaben. Denn die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten steigt seit 1990 pro Jahr um 600 bis 800 Personen. „Aktuell sind es rund 53.000 – das ist ein Indiz für die Attraktivität unserer Region“, so Löffler.

Für den Arbeitsplatzaufbau sorgen Unternehmen wie die Zollner Elektronik AG aus Zandt. Sie beschäftigt weltweit über 11.000 Personen und ist Europas größter Dienstleister für die Auftragsfertigung elektronischer Komponenten. Das Unternehmen hat Niederlassungen in Deutschland, Ungarn, Rumänien, China, Tunesien, den USA, der Schweiz, Costa Rica und Hongkong. 2017 erwirtschaftete es einen Umsatz von knapp 1,4 Milliarden Euro.

Bayernweit bekannt dürfte die Goldsteig Käsereien Bayerwald GmbH sein. Das in Cham ansässige Unternehmen mit seinen Zweigwerken in Tittling (Landkreis Passau) und Stephansposching (Landkreis Deggendorf) hat rund 720 Beschäftigte und ist Deutschlands größter Hartkäseproduzent.

Eher weniger bekannt, aber deshalb nicht unbedeutend, ist die MAC Mode GmbH & Co. KGaA aus Wald-Roßbach. Das 1973 gegründete Unternehmen produziert Jeans und Hosen in der mittelpreisigen Premiumkategorie und erwirtschaftete mit 330 Beschäftigten rund 121 Millionen Euro Umsatz.

Ebenfalls in Cham beheimatet ist die europaweit tätige Josef Rädlinger Bauunternehmen GmbH. Mit rund 1300 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen über 250 Millionen Euro Umsatz.

Damit der Landkreis Cham aber weiterhin so erfolgreich bleibt, ist eine Verbesserung der Infrastruktur nötig. „Die B 20 nach Süden muss vierspurig werden“, betont Landrat Löffler. Denn zwei Drittel des überregionalen Verkehrs würde sich auf dieser Bundesstraße abspielen. Auch die B 85 nach Westen zur Autobahn Hof-Regensburg müsse noch weiter ausgebaut werden. Ziel für Löffler ist auch dort die Vierspurigkeit.

Bayernweite Vorreiterrolle beim Breitbandausbau


Bei der Breitbandversorgung spielt der Landkreis eine bayernweite Vorreiterrolle. Bereits 85 Prozent der Bevölkerung hat Zugang zu schnellem Internet. Aber das ist Löffler noch zu wenig. Er will alle „weißen Flecken“ mit Glasfaser erschließen. „Mit zirka 1500 Kilometern Trassenlänge ist es eines der größten Ausbauprojekte in Bayern“, sagt er. Weil der bisher damit betraute Telekommunikationsanbieter dieses Riesenprojekt nicht stemmen kann, will der Landkreis in Abstimmung mit seinen Gemeinden eine eigene Betreiberstruktur schaffen und das Ziel realisieren. „Da werden wir viel Geld in die Hand nehmen, aber anders erreichen wir unser Ziel nicht“, so der Landrat.
Er ist der Überzeugung, dass es auch beim Mobilfunk keine „Weißen Flecken“ mehr geben darf. Darum müsse bei der Vergabe der neuen Lizenzen für den 5G-Standard eine 100-prozentige Abdeckung gewährleistet sein. „Sonst hat der ländliche Raum wieder das Nachsehen“, so Löffler.

Wie ernst der Landkreis die Digitalisierung nimmt, kann man an den 3 Millionen Euro ablesen, die er in zwei Anwendungszentren für Additive Fertigung und Digitale Produktion am Technologiecampus in Cham investiert. „Damit erhalten Gründer und Unternehmen Zugänge zu neuesten digitalen Technologien“, so Löffler. Außerdem wird der Landkreis alle Schulen ans Glasfasernetz anbinden und mit WLAN ausrüsten, um auch dem Nachwuchs beste Zukunftschancen zu eröffnen.

Chancen optimal genutzt hat der Landkreis auch, als 1989 der Eiserne Vorhang fiel. So ist es laut Löffler gelungen, einen grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Verflechtungsraum Oberpfalz-Pilsen zu schaffen. „Der beste Beleg hierfür sind die hervorragenden Arbeitsmarktdaten, die wir in der Oberpfalz und im Bezirk Pilsen haben“, erläutert der Landrat. Die Werte seien sowohl auf bayerischer, als auch auf tschechischer Seite Spitze. Im Dezember 2018 betrug der Wert für die Oberpfalz 2,5 Prozent (Landesdurchschnitt 2,7 Prozent) und für den Bezirk Pilsen 2,1 Prozent (Landesdurchschnitt 3,1 Prozent). Der wirtschaftliche Erfolg ergebe sich aber nicht nur durch günstigere Produktionskosten auf tschechischer Seite. Vielmehr profitiere man vom Austausch von Arbeitskräften auf beiden Seiten der Grenze. So arbeiten aktuell rund 4000 Tschechen im Landkreis Cham. Das entspricht einem Anteil von 7,5 Prozent an der Arbeitnehmerschaft und ist damit der höchste Wert im gesamten bayerisch-tschechischen Grenzraum. Außerdem sind 50 Firmen aus dem Landkreis Cham in Tschechien vertreten.

Auch grenzüberschreitende Forschungskooperationen zwischen der Westböhmischen Universität Pilsen und den Hochschulen Amberg-Weiden sowie Regensburg und der Universität Regensburg würden zu einem hochwertigen Forschungs- und Entwicklungsstandort beitragen und für eine erstklassige Ausbildung von Fachkräften sorgen.

Administrative Hemmnisse abbauen


Doch trotz allem erfolgreichen Zusammenwachsen ist laut Löffler der Abbau administrativer Hemmnisse weiterhin nötig. „Hier erhoffen wir uns in der nächsten EU-Förderperiode von 2021 bis 2027 deutliche Verwaltungsvereinfachungen, die auch für den bayerisch-tschechischen Grenzraum von Vorteil sein könnten“, betont der Landrat. Aber noch vor Beginn dieser neuen Förderperiode konnte vor Kurzem das grenzüberschreitende Rettungswesen verbessert werden (Staatszeitung berichtete).

Darüber hinaus schwebt Löffler mehr Außenwerbung vor. Er will die Region Oberpfalz-Pilsen auf europäischer Ebene besser sichtbar machen. Dazu soll der Charakter des grenzüberschreitenden Wirtschaftsraums stärker vermarktet werden. Ziel sei es, noch mehr Mittel für den Abbau der Sprachbarriere und den Ausbau des grenzüberschreitenden Straßennetzes mobilisieren zu können. Löffler schwebt die Einführung des Tschechischunterrichts in den Grundschulen vor. Auf tschechischer Seite sollte dort die deutsche Sprache wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten. Denn jahrelang setzte man in Prag nur auf Englisch.
(Ralph Schweinfurth)

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